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Kultur Crux im Ballhof Zwei klasse inszeniert
Nachrichten Kultur Crux im Ballhof Zwei klasse inszeniert
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10:58 21.09.2010
Frühstück mit Kreuz: Christoph Müller, Sebastian Schindegger, Sandro Tajouri (v. l.). Quelle: Ribbe
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VON EVELYN BEYER

HANNOVER. Ihr Revier ist eine Rampe, rund und rutschig. Da kann man beim Rangeln leicht abstürzen. Hansi prallt an Jesus’ Kreuz drauf und bricht es ab. Gerade er, der Gläubige im „Stamm“. Ist der Heiland nur „Blech“, wie Marko und Kolla spotten? Oder zürnt ER doch? Und was ist mit Schimmel, dem stummen Zeugen?

„Crux oder der Heiland unterm Bett“ ist ein „Stück für die Lücke“, die zwölf- bis 15-jährig und meist männlich ist: Für diese Gruppe haben Staats- und Stadttheater wenig zu bieten. Das sollte sich mit dem Schreibwettbewerb ändern, Anne Jentsch, 21, gewann ihn, Christian Tschirner inszenierte die Uraufführung für das Junge Schauspiel Hannover. Heraus kam eine rasante Jugendkomödie, die in präzisen, knappen Dialogen Problemzentren trifft, ein Glücksgriff.

So auch das Bühnenbild im Ballhof zwei, die Rampe, auf der sich nicht nur toben und im Village-People-Look tanzen lässt: Bei Bedarf klappen auch ein Esstisch mit „PCC“ (Pizza, Cornflakes, Cola), Großmutters heimelige Wohnküche oder ein Karnickelkäfig heraus. Bei der Suche nach Abhilfe in Sachen Jesus verfallen die drei auf hirnrissigste Ideen, vom Sühne-Fasten bis zu Biohanftee-Zerenomie und Karnickel-Gundi-Braten für Schimmel, damit der nicht petzt.

Das ist klasse gesponnen, in kargen Jungen-Sätzen, und stimmig gespielt. Wie Christoph Müller sich als Hansi ständig die strähnigen Haare streicht, gepiesackt und wehrhaft zugleich, wie Sebastian Schindegger als Kolla den lockeren Kumpel macht, Sandro Tajouri als Marko den letztlich auch hilflosen „Häuptling“ markiert und Rainer Frank den mamakindverdächtigen Außenseiter Schimmel: Sie sind nicht auf Jugend getrimmt, sondern schaffen durch typische Gesten junge Charaktere.

Dabei steckt viel Ernst in all dem Spaß: Was ist das mit der Religion? Wie geht man miteinander um? Konflikte wie „dörfliche Traditionen gegen neue Einflüsse von außen, Gemeinschaftdenken gegen Selbstverwirklichung“ zeige Anne Jentsch unaufdringlich im Stück auf, so Volker Bürger in seiner Preis-Laudatio. Die Autorin stammt aus dem katholisch geprägten Teil der Oberlausitz und weiß, wovon sie schreibt.
Und nur eines trübt die Freude: Das Stück ist ab zwölf, der Humors ist es auch – aber in dem zarten Alter sollte man doch von Haschtee und Schischa-Rauchen noch nicht gar so viel verstehen, oder?

Wieder 22./23. September.

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