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Kultur Coole Klänge im Pavillon
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14:20 18.01.2018
Eiskalt: Terje Isungset bei seinem Auftritt im Pavillon. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Kein Musiker setzt sein geliebtes Instrument einer Eiseskälte aus. Hier muss es sein. Denn diese besonderen Instrumente brauchen tiefe Temperaturen, sonst schmelzen sie. Sie sind aus Eis. Und so steht der Kühllastwagen auch nicht weit entfernt vom Pavillon.

Der norwegische Perkussionist Terje Isungset und die norwegische Sängerin Maria Skranes verzaubern die 200 Zuschauer mit kontemplativen und perkussiven Klängen. Auf der Bühne stehen massive, fast mannshohe Eisblöcke, dies in coolem Blauweiß leuchten: das überdimensionale „Iceophon“, eine Art Eis-Xylophon, ein tief tönender Bassblock (in Form eines riesigen Glases) und ein großer Ständer, an dem schwere Klangzapfen hängen.

All das spielt Isungset per Hand; immerhin trägt er Handschuhe. Zudem bläst er Eis-Trompete und Eis-Horn. In tagelanger Handarbeit hat der Eis-Musiker aus mächtigen Eisblöcken sein Instrumentarium gefräst -und das klingt wunderschön, ungewöhnlich, gläsern, archaisch. Fesselnd und wohltuend zugleich ist die Musik, ist diese Klangwelt.

Dazu die glasklare, teils engelsgleiche Stimme von Skranes. Mal melodiös-rhythmisch-lautmalerisch (auch mit Elementen des eintönig-gutturalen Joik-Gesang der Samen), mal mit norwegischen Texten über die Größe und Schönheit der Natur.

Das Konzert selbst ist zweiteilig: vor dem Eiskonzert spielt Isungset solo sein „Tribute to Nature“, eine halbstündige Performance mit Schlagwerk, Perkussion und Naturinstrumenten wie Hölzern, Steinen, Steinbockhorn. Es gibt rhythmische Passagen, dazu Glöckchen-, Hölzer- und Trommelklang. In der Pause kommen dann die Eis-Instrumente auf die Bühne. Isungset spricht auch zum Publikum. Er erzählt die Geschichte vom Stein, der ihn fand und mit dem er nun Musik macht und herumreist. Auch von seinem Icemusic Festival (Eisfestival) in der norwegischen Berggemeinde Geilo, das er seit vielen Jahren initiiert.

Die Musik führt einen gedanklich weit weg. Man möchte die Augen schließen und tut es auch oft. Doch schaut man auch fasziniert, wie diese Klangwelt entsteht. Auf dem pentatonisch gestimmten „Iceophon“ entsteht ein samtiger Klang. Geheimnisvoll flirren die Klangstäbe. Den Rhythmus erstellt Isungset mit gestoßenem Eis -das liegt oben in der Aushöhlung des Bassblockes und wird mit zwei frostigen Stäben bewegt – und mit einem Fuß bewegt er gestoßenes Eis in einem auf dem Boden stehenden Eimer. Packend auch die Eis-Blasinstrumente: Durchdringend, teils gepresst, selbst Walrufe meint man zu hören. Ein Ereignis.

Von Christian Seibt

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