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Kultur Comeback nach Abbau: Documenta-Obelisk bekommt neuen Standort
Nachrichten Kultur Comeback nach Abbau: Documenta-Obelisk bekommt neuen Standort
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16:20 11.10.2018
Ein Bibelspruch ist auf dem Obelisken, hier am alten Standort auf dem Königsplatz, eingraviert: „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Kassel

Dank einer Einigung in letzter Minute bleibt der umstrittene Documenta-Obelisk nun doch in Kassel. Das Kunstwerk werde künftig nahe der Innenstadt auf der Treppenstraße stehen, erklärte die Stadt am Donnerstag. Darauf hätten sich Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und der Künstler Olu Oguibe geeinigt. Die Steinsäule in der Innenstadt war am Tag der Deutschen Einheit in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgebaut worden. Zuvor hatten sich die Stadt und Oguibe monatelang nicht über einen Standort einigen können.

Nun wird das Werk doch für 126.000 Euro angekauft. Es solle „schnellstmöglich“ am neuen Standort aufgebaut werden. In der kommenden Woche will Kassel dafür die Vorbereitungen treffen. Während der weltweit bedeutendsten Ausstellung für moderne Kunst im vergangenen Jahr hatte der Obelisk auf dem Königsplatz gestanden. Danach wollte die Stadt ihn kaufen, aber dort nicht stehen lassen. Oguibe lehnte andere Standorte ab.

Das Documenta-Kunstwerk Obelisk wurde in der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit abgebaut. Nach monatelangem Streit hat die Stadt Kassel das Documenta-Kunstwerk Obelisk von seinem Standort entfernen lassen. Quelle: Johannes Hetzer/dpa

AfD-Politiker bezeichnete Obelisken als „entstellte Kunst“

Der Abbau des Kunstwerks zum Thema Flucht in der vergangenen Woche brachte Kassel viel Kritik ein. „Die Kommentare, wir seien vor der AfD eingeknickt, haben mich sehr geärgert“, sagte Geselle. Ein örtlicher AfD-Politiker hatte die Säule während der Documenta als „entstellte Kunst“ bezeichnet und mit Demos dort gedroht. Ausschlaggebend für die Stadt sei aber vielmehr eine Debatte gewesen, die in der Bevölkerung und dem Stadtparlament stattgefunden habe.

„Es war rechtmäßig und konsequent, den Obelisken abzubauen“, sagte Oberbürgermeister Geselle. Kassel habe so eine klare Haltung gezeigt. Dem Künstler habe aber nach wie vor ein Kaufangebot vorgelegen, das durch einen Parlamentsbeschluss gedeckt war. Oguibe habe sich am Montag gemeldet und dem neuen Standort zugestimmt.

Die Stadt hatte laut Geselle zwar nach dem Abbau begonnen, Geld an Spender zurückzuzahlen. Gleichzeitig habe er aber die Großspender kontaktiert und Zusagen bekommen, dass das Geld erneut zur Verfügung stehe. Kleinspender könnten sich das noch überlegen. Die Finanzierung sei in jedem Fall gesichert.

Olu Oguibe: Obelist war für ursprünglichen Standort in Kassel konzipiert

Der nigerianisch-amerikanische Künstler Oguibe betonte am Donnerstag erneut, dass der Obelisk für den Königsplatz konzipiert war. Wie das Werk entfernt worden sei, habe viele Menschen schockiert. Das entstandene Loch sei wie eine „Wunde“. Nach dem Abbau habe er zahlreiche Angebote für das Werk aus verschiedenen Ländern bekommen. Doch durch die Einigung mit der Stadt stehe er zu seinem Versprechen, alles zu tun, „um das Kunstwerk in Kassel zu bewahren“.

Blumen liegen neben einer Baustellenabsperrung am Fundament des Obelisken. Quelle: Swen Pförtner/dpa

„Die Außenwirkung des Kompromisses kann den entstandenen Imageschaden wieder gut machen“, sagte Jörg Sperling, Vorsitzender des Documenta Forums. Der Verein, den Documenta-Gründer Arnold Bode ins Leben rief, hatte den Abbau verurteilt. Sperling hofft, dass alle Verantwortlichen „aus diesem Vorgang lernen und sich der großen internationalen Verantwortung einer Documenta-Stadt Kassel stets bewusst sind“.

Der Obelisk ist eine 16 Meter hohe Steinsäule. Der Original-Titel des Werks lautet „Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“. Der Obelisk entstand laut Documenta aus den Kindheitserfahrungen des Künstlers, der den nigerianischen Biafra-Bürgerkrieg überlebte. Auf der Säule steht das Bibelzitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“.

Von dpa / RND

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