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© Peter Steffen

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NP Interview

Christian Friedel: "Den Sänger spiele ich nicht"

Von 2006 bis 2009 war Christian Friedel (36) Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover. Später wurde er durch Filme wie „Das weiße Band“ bundesweit bekannt. Friedel ist aber auch begeisterter Musiker. Heute spielt er mit seiner Indiepop-Band Woods of Birnam im Mephisto auf dem Faust-Gelände.

Hannover. Wie unterscheidet es sich, als Sänger statt als Schauspieler auf der Bühne zu stehen?

Total. Als Schauspieler hat man immer den Schutz der Rolle. Man gibt auch seine Persönlichkeit mit ein, aber als Sänger ist es schon noch ein Stück persönlicher: Man verarbeitet eigene Gefühle ganz anders. Mir ist es total wichtig, eben nicht den Sänger zu spielen, sondern Sänger zu sein.

Sie haben sich dafür entschieden, auf Englisch zu singen ...

Ja, ganz bewusst, gerade weil man als Schauspieler ständig mit der deutschen Sprache zu tun hat. Aber ich bin mit englischsprachiger Popmusik aufgewachsen und mag einfach den Sound des Englischen in der Musik, die ich mache. Und gerade wenn man sehr persönliche Texte schreibt, ist die andere Sprache ein zumindest kleiner Schutzmantel.

Was sind denn Ihre musikalischen Vorbilder?

Es ist eine wilde Mischung aus Radiohead und den früheren Coldplay ...

Den ganz frühen, hoffe ich ...

Ja (lacht). Wobei Chris Martin natürlich immer noch ein toller Songwriter ist. Aber die Kommerzialisierung und das Stadiongedöns nehmen schon ein bisschen von dem Zauber, den diese Band mal hatte. Wenn man alles hat, muss man die Show größer machen, muss Videos machen, und das Eigentliche, die Musik, tritt in den Hintergrund. Natürlich hoffe ich, dass ich irgendwann von der Musik leben kann - aber dass der Resthunger bleibt. Dass man sich immer wieder vor Augen führt, warum man eigentlich Musik macht.

Und?

Ich habe schon immer Musik gemacht, habe mich als Kind auf die Schulbank gestellt, Puppentheater gespielt oder eben auch gesungen. Ich hatte immer Bands parallel zu dem, was ich sonst gemacht habe. Irgendwann rückte die Schauspielerei in den Fokus. Aber inzwischen habe ich mir einen Status erarbeitet, dass ich mich als Musiker ausprobieren kann.

Also soll die Musik irgendwann die Hauptsache werden?

Nein, das auch nicht. Wenn beides gleichwertig sein könnte, das wäre toll. Denn was ich als Schauspieler nicht verarbeiten kann, kann ich in der Musik.

Zumindest in Filmen sind Sie ein wenig auf historische Rollen wie in „Das weiße Band“ oder „Elser“ festgelegt, vielleicht auch wegen Ihres klassischen Gesichts. Ihre Stimme aber ist sehr heutig, sehr gut für Indiepop geeignet. Macht auch das den Reiz der Musik aus?

Ja, auch das. Als Schauspieler ist es interessant, sich in andere Zeiten zu begeben. Als Musiker interessiert es mich, neue Dinge auszuprobieren und Dinge miteinander zu verbinden. Deshalb mischt sich manchmal sogar ein wenig Michael Jackson mit ein, auch wenn man das vielleicht gar nicht so raushört. In „Dance“ hört man das ein wenig oder beim Basslauf von „The Healer“.

Wirklich? Bei „The Healer“ dachte ich an George Harrison.

Und in Wahrheit habe ich das Stück geschrieben, als ich völlig begeistert von meinem ersten Radiohead-Konzert zurückkam. Vor allem deren Song „Staircase“ hat mich zu „The Healer“ inspiriert. Man ist ja nicht frei von Musik, die einen geprägt hat. Roxette war die erste Band, von der ich mir eine Platte gekauft habe. Das beeinflusst mich bis heute.

Was war Ihr erstes Konzert?

Oh, ich bin früher gar nicht so oft auf Konzerte gegangen. Ich habe mir lieber CDs gekauft. Darum müsste ich wirklich ganz stark überlegen, wofür ich mir selber erstmals eine Karte gekauft habe.

Ein sonderlich prägendes Erlebnis kann es nicht gewesen sein ...

Nee. Ich weiß nur, dass wir mal mit der Schulklasse bei Peter Maffays „Tabaluga“ waren. Aber das würde ich hier jetzt nicht mitzählen. Roxette-Karten habe ich erst vor ein paar Jahren von meiner Familie geschenkt bekommen - als ich dem Roxette-Alter doch schon ein wenig entwachsen war. Das war ein bisschen strange. Konzerte, die mich nachhaltig geprägt haben, waren Radiohead und Björk.

Nun kommen Sie selber für ein Konzert nach Hannover zurück. Wie fühlt sich das an?

Ich freue mich sehr. Wir haben mit der Band schon einmal in Hannover gespielt, vor drei Jahren im Schauspielhaus; das ist aber ein bisschen untergegangen. Jetzt zurückzukommen mit dem ersten Album, freut mich total. Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Zeit in der Stadt. Ich habe da auch mein erstes Solo-Konzert gegeben, in der Cumberlandschen Galerie. Ein paar der Lieder, die dafür entstanden sind, spielen wir heute auch mit der Band. Das ist eine schöne Klammer.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Hannover? War das Mephisto, in dem Sie jetzt spielen, ein Laden, in den Sie damals regelmäßig gegangen sind?

Ich habe zwar in der Nähe von der Faust gewohnt, aber auch direkt um die Ecke vom Apollo-Kino. Und da war ich doch öfter im Kino als in der Faust. Und im Mephisto selbst war ich nie. Eigentlich schade. Aber ich bin lieber ehrlich, als jetzt zu sagen: „Mensch, das Mephisto - was habe ich da für Partys gefeiert!“

Sind Sie nicht so der Party-Typ?

Ich gehe gerne tanzen. Aber ich mag Menschenaufläufe nicht so richtig. Und da ich keinen Alkohol trinke, auch nie getrunken habe, auch Drogen gegenüber gänzlich abgeneigt bin, also ein ganz langweiliger Schauspieler und Sänger bin, ist das für mich manchmal etwas anstrengend (lacht).

Sie verursachen lieber Menschenaufläufe und beobachten das von der Bühne aus?

Ja (lacht). Ich möchte lieber Inspiration für die Menschen sein, sich zu bewegen.


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