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Mächtiges Gerät: Cameron Carpenter hat im Großen Sendesaal ordentlich aufgefahren.

Mächtiges Gerät: Cameron Carpenter hat im Großen Sendesaal ordentlich aufgefahren.
© Foto: Katrin Kutter

Konzert

Cameron Carpenter polarisiert

Ein polarisierendes Konzert: Der Organist Cameron Carpenter lud zu weihnachtlichen Klängen in den Großen Sendesaal – und zeigte vor allem, was sein Instrument so alles kann.

Hannover. Selten dürften bei einem Weihnachtskonzert so viele Fotos gemacht worden sein, noch bevor der erste Ton gespielt ist. Die Bühne im Großen Sendesaal des NDR sieht ja auch futuristisch aus: Rot-blau beleuchtet, stehen da Lautsprecherboxen und elektronische Elemente, während im Vordergrund die fünfmanualige „International Touring Organ“ thront, jene einzigartige Spezialanfertigung, auf der Cameron Carpenter spielen wird.

Bis dahin dauert es allerdings ein Weilchen. Das Saallicht erlischt, die Minuten verrinnen. Ein Helfer kommt und stellt Noten auf die Orgel. Pause. Der Helfer kommt wieder und stellt zwei Gläser mit Getränken auf ein Tischchen. Pause. Cameron Carpenter erscheint und räumt die Noten weg. Aber dann geht es doch los.

Und zwar mit „In dulci jubilo“ – immerhin hat der US-amerikanische Wahlberliner ja ein weihnachtliches Programm angekündigt. Recht subtil kommt das von der Rampe, aber so bleibt es nicht: Carpenter möchte zeigen, welche Fülle an Samples sein Instrument bietet, und legt richtig los. Klar, das wirkt gewaltig, und wenn der Organist zum Tänzchen über die Pedale bittet, wird es auch spektakulär. Nur scheint es bald egal, ob das Programm Bach, Messiaen oder Dupré ausweist: Alles klingt nach Carpenter. Und wenn man den Sound einer Kirchenorgel als „mächtig“ bezeichnen kann – die International Touring Organ ist vor allem laut. Das müsste nicht so sein; bei einem Stück von Max Reger zeigt Carpenter, dass es auch differenzierter geht.

Nach der Pause – der modebewusste Musiker hat mittlerweile sein Glitzerjackett abgelegt und trägt nun einen gewagt gemusterten Anzug – startet Carpenter mit einer reichlich überkandidelten Fassung von Tschaikowskys „Blumenwalzer“. Insgesamt funktioniert der zweite Teil besser, weil er schon vom Material her offener auf Effekt angelegt ist. Leroy Andersons „Christmas Festival“, verschiedene Weihnachtshits „from the Golden Age of Radio“ – da darf die Orgel schon mal schön wabern oder glitzern, und auch ein paar Volldampf-Takte „Jingle Bells“ fehlen nicht. Den Abschluss bildet ein Improvisation, in der unter anderem Fragmente aus „O du fröhliche“, „Le matin“ und „White Christmas“ auftauchen; leider ist sie recht langatmig und über weite Strecken diffus.

Wenig erstaunlich, dass dieses Konzert polarisiert. Die Zahl der vorzeitigen Abgänge in der Pause ist überdurchschnittlich, diejenige der Jubeljuchzer am Schluss ebenfalls. Zwei knackige Zugaben, Bach und „My Favorite Things“, runden einen eigenartigen Abend ab.

Von Jörg Worat


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