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Kultur Calexico bringen das Capitol zum Flirren
Nachrichten Kultur Calexico bringen das Capitol zum Flirren
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14:02 12.08.2018
In der Gluthitze: Joey Burns von Calexico im Capitol. Quelle: Foto: Villegas
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Hannover

Wer sich im August ins Capitol traut, muss die Hitze aushalten können. Calexico, aus Tucson/Arizona und ihr Frontmann Joey Burns fühlen sich bei den Temperaturen gar „at home“: Ihr Indie-Wüstensound, geboren aus dem psychedelischen Flimmern des trockenen Südwesten der USA und mit traditionellen, mexikanischen Mariachi und Cumbia-Klängen angereichert, bereitet 1400 Besuchern einen fantastischen Auftakt zur Konzertsaison.

„Cumbia de Donde“ verortet die Band klanglich und thematisch. Die musikalischen Einflüsse kommen von beiden Seiten des Grenzzauns: „Wir sind eins“, sagt Burns vor dem Song, „wir lassen uns nicht abgrenzen“.

Sieben Musiker spielen Gitarre, Kontrabass, Pedal Steel, Glockenspiel und die so wichtigen Trompeten – Calexicos Wall of Sound ist auch nach 20 Jahren frisch und atmosphärisch.

Benannt ist die Band nach einer kalifornischen Grenzstadt, auch Wüsten-Literat Cormac McCarthy und seine „Border“-Trilogie waren ein früher Eindruck auf die Band, die spätestens mit „The Town & Miss Lorraine“ das Capitol auf ihrer Seite hat.

Gitarrist Jairo Zavala macht Grimassen beim Solo und feuert die Menge mit „¡Vamos!“ an, Burns grüßt derweil „die Ungehörten, Unterbezahlten und Unterprivilegierten“ im Publikum und anderswo.

In einem Bundesstaat mit aggressiven Polizeigesetzen und Familientrennung von Einwanderern kann sich auch Calexico politisch nicht mehr zurückhalten: Der Albumtitel „The Thread That Keeps Us“ mahnt, dass die Menschlichkeit in den USA am seidenen Faden hängt.

Die Ballade „Fortune Teller“ gibt Gelegenheit zum Durchschnaufen, denn vor dem Finale schwitzt jetzt sogar die Band. „Flores y Tamales“ singen Zavala und Trompeter Jacob Valenzuela, auch Bassist Scott Colberg zeigt ein Solo – Orgel und funkige Gitarren machen einen so satten Sound, wie ihn die Capitol-Bühne gerade noch halten kann.

Auch wenn es jetzt gegen 23 Uhr geht, bleibt es laut: „The Black Light“, vom gleichnamigen Album singt der Saal mit, und mit „Güero Canelo“ verabschiedet sich die Band – und Hannover hofft auf ein baldiges Wiedersehen.

Von Lilean Buhl

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