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Kultur Buschs wunderbare Welt der Tiere
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00:17 12.02.2018
Schweinerei: Das Bild „Arschwolken“ von Wolf-Rüdiger Marunde hängt in der Ausstellung „Zahme Viecher & wilde Bestien“ im Museum Wilhelm Busch.  Quelle: dpa
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Hannover

 Der Norden ist schön. Landschaften aus Wiesen, Watt und mehr, bis zum Horizont und noch weiter. Ein Paar kuschelt sich aneinander und betrachtet die Pracht und ganz besonders die – „Arschwolken“. Arschwolken? Ja, genau. So hat Wolf-Rüdiger Marunde seine kleine Schweinerei genannt. Sein Bild steht schließlich im Zentrum der neuen Ausstellung im Museum Wilhelm Busch.

„Zahme Viecher & wilde Bestien“ zeigt die wunderbare Welt der Tiere im Reich der Karikatur. 220 Bilder von 68 Künstlern von 1800 bis heute – die Schau ist nicht nur ein Überblick darüber, wie Humoristen immer wieder das Verhältnis von Mensch und Tier komisch ausloteten, sondern auch über die Geschichte der Zeichenkunst und nebenher ein weiterer Beleg über den kapitalen Fundus des Museum, aus dem das Gros des Gezeigten stammt: „Vieles war noch nie zu sehen“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, die die Ausstellung mit ihrer Kollegin Ruth Brunngraber-Malottke konzipierte.

In sechs Kapitel ist die üppige Ausstellung unterteilt: Da ist zu sehen, wie man sich bereits im 19. Jahrhundert über die Ähnlichkeit mancher Zeitgenossen mit dem lieben Vieh amüsierte, wie die Wappentiere der Völker – vom gallischen Hahn über den englischen Löwen bis zum Bundesadler – als nationale Sinnbilder in der Karikatur verwendet wurde und es auch in der Politik tierisch abging – daran erinnern zum Beispiel „Die roten Strolche“ aus den 90ern, die mit „Ziege“ Rudolf Scharping und der damaligen SPD-Führung fiese Fabeln in der „Titanic“ erzählten.

Fotos: Wilhelm Busch Museum, Körner

„Das Tier ist der Spiegel des Menschen“, sagt Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow, die die Ausstellung mit ihrer Kollegin Ruth Brunngraber-Malottke konzipierte: „Es zeigt unseren Schwächen, Eitelkeiten und Fehler – und gerne mal mehr Ähnlichkeiten, als uns lieb ist.“ Große Namen: Da schwingt bei Ernst Kahl erbostes Federvieh die „Gänsekeule“, steckt Tomi Ungerer einen eitlen Mandrill in Stöckelschuh und Strapse, und F.K. Waechters berühmte Gans hadert einmal mehr „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“ – und wird sichtlich widerlegt. Toll.

Der Mensch blickt aufs Tier und entdeckt sich selbst; das war wohl schon immer so und wird hier überdeutlich, im Kleinen wie im Großen. Das zeigt unter anderem ein weiteres Marunde-Bild: Wieder eine Landschaft, wieder ein Paar im Vordergrund, diesmal zwei Nager, in der Nacht, mit Blick auf den Mond. „Wenn es ihn da oben wirklich gibt, den großen Rammler“, sinniert einer: „Warum lässt er dann zu, dass täglich Kaninchen Leid geschieht?“

Die Ausstellung ist vom 10. Februar bis zum 21. Mai 2018 zu sehen. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder, Familien und Erwachsene.

Von Stefan Gohlisch

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