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Kultur Busch-Museum zeigt Bernd Pfarr und „Alles Liebe?!“
Nachrichten Kultur Busch-Museum zeigt Bernd Pfarr und „Alles Liebe?!“
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00:22 26.11.2018
Museumsdirektorin Gisela Vetter-Liebenow in der Bernd-Pfarr-Ausstellung. Quelle: Heidrich
Hannover

Es ist ein Bild existenzieller Niot. Zum Herzerweichen heult der arme Hund sein Elend in die Welt hinaus. Was ist ihr widerfahren, der gequälten Kreatur? Die Erklärung steht daneben „Als Purzel gewahr wurde, wie wenig er im Leben bislang gemäß Kants kategorischem Imperativ gehandelt hatte, überkam ihn großes Wehklagen.“ Eiderdaus: Wenn derart Triviales und Hochkultur sich aneinander reiben und dadurch komische Spannung entsteht, kann es sich nur um ein Werk von Bernd Pfarr handeln.

„Die wilde Schönheit der Auslegware“ von Bernd Pfarr

Mit einer großen Überblicksausstellung ehrt das Museum Wilhelm Busch zum zweiten Mal dieses komisches Genie. 2004 gab es dort bereits eine Pfarr-Ausstellung; wenig späte starb der Maler und Comic-Zeichner – er wäre am 11. November diesen Jahres 60 geworden.

100 Bilder zeigen die Bandbreite Pfarrs, Arbeiten für Publikationen wie die „Titanic“ oder das „Zeit-Magazin“, von den kuriosen „Sondermann“-Comics bis zu den großformatigen Acryl-Gemälden, deren Komik sich oft nur in Verbindung mit den Bildunterschriften ergibt, wenn etwa zu gleich mehreren tristen Hochhauspanoramen ein offenbar amourös Versetzter sich immer neue Ausreden für das Fernbleiben der Geliebten ausmalt.

„Die wilde Schönheit der Auslegeware“ heißt die üppige Ausstellung – ein typischer Pfarr-Titel, entnommen einem seiner Werke: Seine Bilder wirken oft illustrativ und haben es dabei knüppeldick in sich. Mit absurdem Witz und leiser Melancholie befasste sich dieser malende Poet mit Gott und der Welt, Hunde- und andere Tierleben – ob nun mit feinem Federstrich oder mit massivem Farbauftrag.

Wer zum Beispiel das beinahe monochrome „Bildnis Dr. Schlupf“ im vorderen Ausstellungsbereich betrachtet, spürt, mit welch mühsam gezügelter Kraft sich hier die Schaffenslust Bahn brach. Wegen seiner satten Farbigkeit und der verträumten Lichtstimmungen bezeichnet Busch-Direktorin Gisela Vetter-Liebenow ihn als „Edward Hopper des Cartoons“.

„Die Bildunterschriften sind nie spontan entstanden“, erzählt die Witwe Gabriele Roth-Pfarr. Was so leicht und gelassen wirkt, ist Ergebnis langer Überlegungen. Und wenn nur ein Kühlschrank am Strand steht. Pardon: ein „Pinguin auf den Malediven“.

„Die wilde Schönheit der Auslegeware“ bis 17. Februar. Carlsen hat zu der Ausstellung einen Pfarr-Bands selben Titels veröffentlicht (160 Seiten, 25 Euro).

„Alles Liebe?!“

Das ist mal ein sattes Versprechen: „Wenn Sie diese Ausstellung gesehen haben, kann Ihnen in Sachen Liebe nichts mehr passieren“, sagt Direktorin Gisela-Vetter-Liebenow mit Blick auf die neue Ausstellung im Obergeschoss des Busch-Museums. „Alles Liebe?!“ heißt diese, und das behandelt sie auch.

130 Bilder aus drei Jahrhunderten – allesamt aus dem Fundus des Museum – zeigen bis 17. Februar, dass die Liebe zwar immer neu ist und doch die alte bleibt. Dass Beziehungen sich ändern, wenn sie dauern, wusste etwa schon William Hogarth im Jahre 1736 auf einem eindringlichen Vorher-/Nachher-Doppelbild.

„Verführung“, „Liebesfreud und Liebesleid“ oder „Erotische Fantasien“ sind die Abteilungen überschrieben. Zu sehen sind Bilder von Sempé, Gerhard Haderer, Loriot, Volker Kriegel, F.K.Waechter ... Und manchmal auch echte Liebe, zum Beispiel im kleinen herzigen Bild „Mrs. Mule“ – das malte Ronald Searle einst seiner kranken Frau Monica.

Von Stefan Gohlisch

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