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Kultur Bülent Ceylan lässt mal lachen
Nachrichten Kultur Bülent Ceylan lässt mal lachen
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12:52 11.03.2018

Lange Haare, lustiger Verstand: Bülent Ceylan (42), der Rocker unter den deutschen Comedians kommt mit seinem zehnten Programm „Lassmalache“ nach Hannover. Ein Interview.

„Lassmalache“ ist Ihr inzwischen zehntes Programm. Ist man da überhaupt noch aufgeregt?

Ja, klar. Das ist doch normal. Ich hatte es vor der Tour auch schon einmal zur Probe vorgespielt, vor 20, 30 Leuten. Die haben schon mal gut gelacht. Das ist ein gutes Zeichen. Ich glaube, es ist ein Programm, das gut knallen wird. Die Shows bislang kamen richtig gut an.

Wann ist so ein Programm fertig? Es gibt Kollegen, die bis zur letzten Vorstellung noch daran schrauben – Sie auch?

Ja, da man muss auch ein bisschen aufpassen. Man spielt so ein Programm ja ungefähr zwei Jahre. Da kann es leicht passieren, dass man zum Schluss zu viel improvisiert. das ist für die Leute zwar ganz schön, aber nicht immer für das Programm – das hat dann nicht mehr den Fluss, den es am Anfang hatte. Aber es rockt natürlich.

Zehn Programme in 20 Jahren – entspringt diese relativ schnelle Taktung auch dem Wunsch, aktuell zu bleiben?

Auch. Man muss doch gucken, was passiert. In „Lassmalache“ gibt es zum Beispiel eine Nummer, in der sich Trump, Erdogan, Kim Jong-un und Putin Witze erzählen. Ich habe mir die Frage gestellt: Wie lachen überhaupt Diktatoren? Lachen die überhaupt? Und worüber?

Und? Lachen Sie?

Ich denke schon. Aber ich mache mich natürlich lächerlich darüber. Jetzt reden sie miteinander, auf Deutsch, aber mit Akzent. Es gibt eine Nummer, wo der Trump hereinkommt und Putin sagt: „Hey, komm’, setz dich hin, auf den Sitzball.“ Und Kim Jong-un ruft: „Hey, du Penner, geh’ runter von mir!“ Übrigens auf Sächsisch; da wundern sich die Leute, und ich sage: „Ich kann halt keinen nordkoreanischen Akzent; Sächsisch ist der östlichste Akzent, den ich kenne.“ Und dann kommt noch Hitler dazu, der geklont worden ist, und meine Ex-Freundin.

Die gehört mit in die Dikatorenrunde?

Ja, genau (lacht). Und dadurch bekommt das Ganze etwas Absurdes und Krankes, und es macht sehr viel Spaß. Und meine anderen Figuren tauchen natürlich auch auf, Mompfred zum Beispiel, der jetzt, weil seine Frau sich rächen wollte, einen Nazi-Hund hat, der nur auf bestimmte Wörter reagiert. Der sagt einmal: „So wie sich die Nazis in Deutschland breit machen, macht sich der Hund bei uns zuhause breit.“ Es wird sehr aktuell. Ich bin kein politischer Kabarettist, aber ich mache mir Gedanken.

Wenn jemand wie Sie Mannheimer Migrationshintergrund hat und Bülent Ceylan heißt, ist das Politische doch sowieso immer mitgedacht, oder?

Das ist so. Es schwingt immer etwas mit.

Gibt es Dinge, über die Sie selber nicht mehr lachen können?

Es gibt Sachen, über die ich nie lachen konnte; über Kranke und manche Witze über Kinder. Mit Kindern lachen ist toll, aber es gibt in dem Zusammenhang Witze unter der Gürtellinie, über die ich als Vater einfach nicht lachen kann.

Aber über Nazis können Sie schon noch lachen?

Ja, man muss es halt entsprechend verpacken. Einfach nur einen Naziwitz zu machen, ist schwach. Aber wenn das eine Geschichte verpackt ist, eine Selbsthilfegruppe zum Beispiel, dann ergibt es Sinn. Es kommt bei der Comedy nicht darauf an, ob der Witz vielleicht alt ist, sondern darum, wie frisch man ihn verpackt. In einer Nummer erzähle ich von meinem deutschen Opa und meinem türkischen Vater, die wie Waldorf und Statler waren. Wo mein Opa tatsächlich mal zu meinem Vater gesagt hat: „Du kommst doch aus dem Morgenland. Warum bist du denn mittags immer noch nicht wach?“ Und mein Vater sagt: „Schläfst du denn heute Nacht im Bett oder auf dem Nachttisch wie deine Zähne?“ Und ich erzähle, dass mein Opa als Badenser auch sehr geizig war und diese dritten Zähne gebraucht gekauft hat.

Was sagt denn der ehemalige Philosophiestudent in Ihnen, wozu Lachen gut ist?

Ach ja, der Philosophiestudent ... Ich denke, ohne Lachen ist ein Leben nicht sinnvoll, weil es befreit und weil es verbindet: Christen und Moslems, Kinder und Erwachsene. Lachen bricht das Eis, auch zwischen Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen. Wenn ein Mensch wenig lacht, dann hat er ein Problem.

Ihr Programm ist also auch eine Art Lebenshilfe?

Ja, das hoffe ich doch (lacht).

Bülent Ceylan live: am 15. März in der Swiss-Life-Hall. Karten (39,90 Euro) gibt es in den NP-Ticketshops.

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