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Kultur Blumfeld mit Verstärkung
Nachrichten Kultur Blumfeld mit Verstärkung
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00:24 03.06.2018
Blumfeld Musikzentrum Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

Musikzentrum, späterer Abend, die Frisur sitzt längst nicht mehr. Jochen Distelmeyer hat sich die schweißnassen Haare nach hinten gestreift. Das weiße Sakko ist längst dem Klima zum Opfer gefallen, dafür kommt das buntgemusterte Hemd, eine schöne Scheußlichkeit in Hipster, viel besser zur Geltung: „Gibt es nur in Berlin“, frotzelt er einen Fan in der ersten Reihe an. Ach, man hat sie schon vermisst, diese Mischung aus Grandezza und Metropolen-Schnöseligkeit.

Blumfeld sind wieder da, die Begründer der Hamburger Schule haben sich zusammengerauft und sind quietschvergnügt auf Club-Tour. Die Gründungsmitglieder (neben Distelmeyer noch André Rattay und Eike Bohlken): alle da, dazu die Gitarristen Tobias Levin und Daniel Florey. Zurück zu den Wurzeln und zurück in die Zukunft. Das Set beginnt mit Distelmeyers Solostück „Einfach so“ und endet mit dem 24 Jahre alten „Verstärker“ im zweiten von vier Zugabenblöcken noch lange nicht.

Und warum? „Weil es Liebe ist“. Blumfeld haben den Diskurspop erfunden, ohne sich je in Posen zu werfen, haben der deutschen Popmusik Sinn und Verstand gegeben und Poesie und inhaltliche Relevanz. Wenn Distelmeyer in „Die Diktatur der Angepassten“ von 2001 singt „In den Städten und den Dörfern leben sie und ihre Lügen“, ist das in Trump- und Schlechtmenschen-Unzeiten von bestechender Aktualität. Zärtlichkeit liegt noch in der größten Wut.

Es ist ein ausgewachsenen Publikum, das sich in den Dampfkochtopf Musikzentrum begeben hat, das „Immer wieder Liebeslieder“ hört und „2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß“ und das gerührt ist zu „Tausend Tränen tief“. Vielleicht sind’s auch Schweißtropfen.

Vor der Tournee sprachen wir mit Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer. Das Interview finden Sie hier.

Von Stefan Gohlisch

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