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17:14 06.10.2010
Reich durchs Internet: Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) bringt Facebook Erfolg, kein Glück.
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VON MATTHIAS HALBIG

Manchmal kommen Revolutionen erst über die Hormone in Schwung. Die frühen Rock-’n’-Roller wollten (wie die späteren) zuvörderst die Mädchen beeindrucken. Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde zum jüngsten Milliardär der Welt, weil er es seiner Verflossenen beweisen wollte. „Sieben“-Regisseur David Fincher erzählt in „The Social Network“ Zuckerbergs Geschichte. Wie uninteressant, denkt man.

Weit gefehlt! Temperamentvoll wird der Drögstoff inszeniert, die Musik von Nine-Inch-Nails-Chef Trent Rez­nor brodelt. Rasant und amüsant im (trefflichen) Dialog und meisterlich fotografiert swingt da vor unseren Augen die Geschichte einen jungen, kommunikationsgestörten Computer-Maniacs und Harvard-Studenten.

Den hat Freundin Erica abserviert, nach einer fürchterlichen Aneinander-vorbei-Konversation. Erstmal verbreitet Mark via Internet üble Nachrede, warnt andere Jungs, die C-Körbchengröße ihres BHs sei Wonderbra-Betrug, allenfalls stehe B-Größe zu vermelden. Dann installiert er eine frauenfeindliche Website und lässt schließlich – auf fremden Ideen aufbauend – „The Facebook“ steigen. Erfolg ist die royalste Rache. Ausgerechnet ein skrupelarmer Sozialautist baut die Kennenlernplattform des 21. Jahrhunderts (mit heute 500 Millionen Mitgliedern).

Finchers Standpunkt für die Rückblenden sind Anhörungen. Die Anwälte wollen Geld von Leuten, die bei Facebook auf der Strecke geblieben sind. Denn die coolenJungs gingen beim Imperiumsaufbau genauso über Leichen wie zuvor die abgebrühten Alten. So gesehen ist die neue Welt immer nur eine enttäuschendere Kopie der alten. Dass der echte Mark Zuckerberg jetzt (spät) gegen den Film vorgehen will, verwundert kaum. Bleich, mit dunklen Augen, lässt ihn der großartige Jesse Eisenberg in eine Welt stieren, und er sieht in beinahe jeder Sekunde aus wie einer, der verwundert Gefühlsregungen studiert, aber keine einzige zu entschlüsseln vermag.

Am Ende singen die Beatles „Baby you‘re a Rich Man“. Mark Zuckerberg, Tycoon des Virtuellen, betrachtet auf dem Laptop-Bildschirm das Facebook-Profil seiner großen Liebe Erica. So nah und doch so fern, er hat sie nicht an seine Seite zurückholen können. Zeit wärs da für einen weiteren Beatles-Song: „(Money) Can’t Buy me Love“.

„The Social Network“, USA 2010, 120 Min. Regie: David Fincher. Darsteller: Jesse Eisenberg, Justin Timberlake.

Bewertung: 5/5

Die Facebook-Story. Todöde? Nö! Ganz großes Kino!

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