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Kultur Blacky Fuchsberger im Theatermuseum
Nachrichten Kultur Blacky Fuchsberger im Theatermuseum
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00:20 04.03.2018
Auge in Auge: Gundula Fuchsberger, betrachtet ein Foto von ihr und ihrem verstorbenen Mann Joachim Fuchsberger im Theatermuseum. Quelle: dpa
Hannover

 „Es waren auch ein paar seltsame Preise dabei: bestangezogener Mann zum Beispiel, Pfeifenraucher des Jahres ...“, erinnert sich Gundula Fuchsberger, und aus den blutjungen Augen der 87-Jährigen blitzt diebische Freude. Eine Freude, die sich wohl zu gleichen Teilen speist aus Stolz und aus Amüsement über die Leistungen jenes Mannes, dessen Leben sie teilte und der nun vom hannoverschen Theatermuseum mit einer großen Ausstellung geehrt wird: „Heut’ Abend: Joachim Fuchsberger“.

Gundula Fuchsberger hat tief in den persönlichen Fundus gegriffen, zum ersten Mal überhaupt. Theatermuseum-Direktor Carsten Niemann sei ihr sympathisch gewesen. Jetzt sei sie ganz glücklich, wie all die Erinnerungen präsentiert werden: „Das ist alles sehr liebevoll“, sagt sie bei der Vorabbesichtigung, zu der sie von Enkel Julien und Enkelin Jennifer begleitet wird.

Mehrere hundert Fotos und andere Exponate zeichnen einen erstaunlichen Lebensweg nach: von einem Mann (1927–2014), dem in den Kriegswirren der Schulabschluss versagt blieb, sich zunächst zwangsläufig in etlichen Berufen wie Bergmann versuchte, beim Radio landete und zu einem der großen deutschen Stars wurde – als Schauspieler, Liedtexter, Reisejournalist, Moderator und sogar als Autor. „Er hat immer das gemacht, was ihm Spaß bereitete“, sagt seine Witwe. Und das konnte er mit ansteckender Begeisterung.

Die Ausstellung ist keine Heldenverehrung. Die meisten Exponate sind persönliche Erinnerungsstücke, und doch zeichnen sie ein gutes Stück bundesdeutscher Geschichte und auch Kulturgeschichte, weil bei Fuchsberger, diesem sympathischen Menschenfänger, das Öffentliche auch oft privat wurde.

Seine Witwe erzählt von guten Freunden wie Udo Jürgens, Howard Carpendale und Gerd Fröbe, vom britischen Kollegen Christopher Lee, der so gut Deutsch sprach und so gerne sang („Man musste ihn nur anstupsen, und schon legte er los“) und auch vom wilden Klaus Kinski, oft genug Fuchsbergers Gegenspieler in den Edgar-Wallace-Filmen der 60er Jahre, der bei ihm ganz zahm geworden sei: „Ich glaube, der Klaus hatte Angst vor ihm“, sagt sie lächelnd. Da blitzt es wieder.

Jürgen Tarrach als Maler

Man kennt Jürgen Tarrach als Schauspieler aus Filmen wie „Die Musterknaben“, „Der Vorleser“ und James Bond 007: Casino Royal“, als eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens, aber nicht unbedingt als Maler. Diese eher unbekannte Seite des Berliners zeigt erstmals das Theatermuseum in einer kleinen Kabinettausstellung.

Denn Tarrach malt, wenn er die Zeit dazu findet, kleine am Impressionismus geschulte Aquarell-Skizzen, die – oft in Verbindung mit malerischen Titeln – von einem leisen Humor zeugen. Ein „Abenteuer“ sei diese Ausstellung für ihn, sagte Tarrach, als er die Bilder in Hannover ablieferte (mehr dazu hier): Er habe „noch nie so geschwitzt“.

Fotos von Dirk Meußling

Die Fotos sind schwarzweiß, persönlich und markant. Sie zeigen Personen der Zeitgeschichte und des deutschen Kulturlebens: von Harry Rowohlt bis Mario Adorf, von Günter Grass bis Alexa Hennig von Lange. Dirk Meußling hat sie gemacht, als Teil jahrelanger Zusammenarbeit mit dem Theatermuseum. Dort bekommen sie nun auch einen Raum: Die Ausstellung „Dirk Meußling, Fotograf: Autorenportraits“ läuft parallel zu der nun eröffneten Fuchsberger-Schau und zeigt Bilder, die der Hannoveraner bei Lesungen in dem Haus machte.

Info

„Heut’ Abend: Joachim Fuchsberger“ läuft wie auch die beiden Begleitausstellungen bis zum 13. Mai im Theatermuseum im Schauspielhaus. Im Begleitprogramm zeigt das Astor-Kino am 4. April den Fuchsberger-Film „Der Frosch mit der Maske“.

Von Stefan Gohlisch

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