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Kultur Beth Ditto lässt das Capitol beben
Nachrichten Kultur Beth Ditto lässt das Capitol beben
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00:17 28.07.2018
mit wucht: Beth Ditto mischte im Capitol Songs ihres Solo-Albums „Fake Sugar“ mit Gossip-Hits. Quelle: Foto: Wallmüller
Hannover

Den allerersten Jubel kassiert sie, als sie um kurz nach 21 Uhr in rotem, glitzerndem Knallbonbon-Outfit die Bühne des Capitols entert, den zweiten dafür, dass sie die Ventilatoren ins Publikum dreht – „ein Fan-Fan“ wie Beth Ditto lustig formuliert.

Präsent und gestylt, den Temperaturen trotzend, steht sie an diesem heißen Abend da, wuchtet mit melodischen Indierock-Songs wie „We could Run“, dem Glampop-Stück „Oh lala“ und „Dimestore Diamond“ eigene und Gossip-Hits ins Publikum. Die Stimme imposant, mal engelsgleich, dann wieder mit ordentlich Bumms dahinter.

Erwartbar auch, dass ihr raspelkurzer Pony irgendwann klitschnass und schief an der Stirn klebt. Immer wieder frotzelt sie im Capitol auf Deutsch: „Ich schwitze“, feudelt sich mit einem Handtuch den Schweiß von den Armen, Beinen, aus dem Nacken. Später, in ein schwarzes Abendkleid gepresst, wischt sie sich damit durchs Gesicht.

Schon länger tourt die ehemalige Gossip-Frontfrau mit den Liedern ihres ersten Soloalbums „Fake Sugar“ durch die Lande, in diesem Jahr stehen nur drei Deutschlandkonzerte auf dem Plan. Und wer sie 2017 im Berliner Huxleys Neue Welt erlebt hat, merkt: Der Gig geht nicht ganz so kraftvoll über die Bühne – kein Wunder, die enorme Hitze zwingt zum Kräfte einteilen. Das Publikum zeigt sich davon unbeeindruckt, 1500 waren gekommen, viele von ihnen aus der LGBT-Community, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.

Ditto gilt bei vielen als Ikone, hat selbst mit Kristin Ogata eine Frau geheiratet, zeigte sich zuletzt bei Instagram aber schwer verliebt mit ihrem Bassisten Teddy Kwo, einem bekennenden Transmann.

Mit einer vermeintlichen Leichtigkeit liefert sie ganz groß ab, ist dabei aber so nahbar wie der Kollege, der einem im Büro gegenübersitzt. Vor der Show gab sie am Eingang Autogramme, wer während des Gigs eines will, muss im Gegenzug ein Lied singen. Nur wie zur Hölle kam der Kerl in Reihe Eins auf „Alle meine Entchen“?

Egal, den Leuten gefällt es, und Ditto kichert wie so oft an dem Abend entzückt. Neben dem eigenen Über-Hit „Heavy Cross“ („Music for Man“, 2009) streut die Frau aus Arkansas wie seit Jahren schon Cover ein – in Hannover gibt es „Under the Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers und „In the Air Tonight“ von Phil Collins auf die Ohren. Bei „Jolene“ von Dolly Parton stimmt der ganze Saal ein. Wer sich auf die Setlist vergangener Gigs stützte, wird enttäuscht – oder besser gesagt: überrascht. Zum Schluss gibt es sogar noch Nenas „99 Luftballons“.

So muss es ein, eine Frau, die es vom Punkmädchen zum Popstar geschafft hat, macht das, was sie tut, mit Freude – ob im Capitol oder wie vor Jahren im Café Glocksee. Touché.

Von Mirjana Cvjetkovic

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