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Kultur Benedict Wells als Erzähler
Nachrichten Kultur Benedict Wells als Erzähler
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14:06 29.08.2018
Kann auch die kurze Form: Benedict Wells legt den Erzählband „Die Wahrheit über das Lügen“ vor. Quelle: Bogenberger/Autorenfotos
Hannover

Wer eine Wahrheit – aus welchen Gründen auch immer – zu lange für sich behält, wird irgendwann zum Lügner. Er läuft Gefahr, Menschen zu verletzen und Leben zu verändern, selten zum Besseren. Das ist „Die Wahrheit über das Lügen“, und die Geschichte, der dieses Zitat ( auch als Untertitel) entstammt, steht im Zentrum des gleichnamigen Erzählbands von Benedict Wells.

„Das Franchise“ ist eine fantastische Räuberpistole. Der Deutsch-Schweizer Wells erzählt von einem so erfolglosen wie verbitterten Drehbuchautoren, der per Zeitreise (da verpflichtet vielleicht auch der Nachname) ins Jahr 1973 gelangt und sich – erfolgreich – an die Umsetzung eines irrwitzigen Planes macht: „Star Wars“ zu realisieren, bevor George Lucas es tut. Übermütige Erzähllust trifft auf große Menschenkenntnis und Freude am popkulturellen Spiel – inklusive Rache an der ungeliebten Figur des Jar-Jar Binks und später Reue. Ein „Was wäre, wenn ...“ im Reich der Geschichten.

Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass der damals 23-jährige Wells als Frühvollendeter debütierte: Am 22. August 2008 erschien sein Roman „Becks letzter Sommer“ über einen Lehrer auf Abwegen, der später auch erfolgreich mit Christian Ulmen verfilmt wurde. „Spinner“ und „Fast genial“ folgten. Seine literarische Reifeprüfung legte er endgültig 2016 mit dem lebensklugen Familiendrama „Vom Ende der Einsamkeit“ ab.

Wie Zusatzmaterial einer DVD finden sich in dem neuen Erzählband zwei Geschichten, die in dessen Kosmos spielen. „Die Nacht der Bücher“ ist ein Weihnachtsmärchen, das Wells fiktiver Autor Jules als Kind geschrieben hat. „Die Entstehung der Angst“ klärt ein Mysterium des Romans auf, weswegen Wells die Geschichte auch mit einem Warnhinweis für jene Leser versieht, die sich das Geheimnis wahren wollen.

Zehn Geschichten aus zehn Jahren sind versammelt. Mal spielen zwei Männer Tischtennis um ihr Leben, mal trauert eine alte Frau um ihre Katze. Mal bildet der Todeskampf einer Fliege die Tragödie einer sterbenden Ehe ab, mal wird ein Tachostand zum Sinnbild einer Vater-Sohn-Beziehung. Immer erweist sich Wells als virtuoser Erzähler, als Menschenkenner und Menschenfänger. Echt wahr.

Benedict Wells: „Die Wahrheit über das Lügen“. Diogenes, 256 Seiten, 22 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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