Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Bayreuth-Regisseur Neuenfels: "Theater" muss anecken
Nachrichten Kultur Bayreuth-Regisseur Neuenfels: "Theater" muss anecken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 04.08.2010
Hans Neuenfels
Anzeige

VON WILFRIED MOMMERT

BAYREUTH. Theater muss nach Auffassung des Regie- Altmeisters Hans Neuenfels (69) „immer anecken und auch viel riskieren“. Das Theater der Gegenwart sei oft „zu ängstlich und sehr bescheiden, sehr zurückhaltend und auf sich selbst bezogen“, sagte Neuenfels. Viele Theatermacher seien „nicht krass genug“, auch wenn ihn persönlich „das viele Blut“ auf manchen Bühnen als Modetrend nie interessiert habe. „Das lässt mich kalt“, meinte Neuenfels und fragt den Theaternachwuchs: „Wo eckt ihr wirklich an? Wo seid ihr listig oder klug? Man muss mit dieser Gesellschaft kämpfen, so ist Theater auch immer gewesen.“

Bei seinem Bayreuth-Debüt der Wagner-Oper „Lohengrin“ mit einem Chor als Ratten hat Neuenfels gerade eine heftige Diskussion mit Pro und Contra ausgelöst. Von vielen seiner früheren Arbeiten auf der Opernbühne wie „Aida“ oder „Idomeneo“ ist er das allerdings gewohnt. Künftig will Neuenfels nicht mehr nur Opern, sondern vor allem wieder mehr im Sprechtheater inszenieren. Er ist zwar auch für eine Mitarbeit am neuen Bayreuther „Ring des Nibelungen“ 2013 im Gespräch. Aber auch das Schauspieltheater reize ihn wieder stärker. „Ich bin ganz wild darauf und auch willens, in der tiefsten Provinz wieder anzufangen“, sagte der Regisseur. Von den größeren Bühnen sei er zuletzt zurückgewiesen worden.

„Ich hatte mehrere Projekte, aber die haben mich abgewiesen. Das ist zwar schrecklich, aber ich finde es auch gut, dass man mal so vor die Brust gestoßen wird. Das soll mich aber nicht kümmern. Ich habe nie über Gelder oder sonst irgendwelche Bedingungen einen Wirbel gemacht oder erwartet, dass man mir nachläuft“, sagte Neuenfels. „Ich war nie verwöhnt und bin nach wie vor offen für Neues.“

Der Regisseur hatte in der Zeitschrift „Das Opernglas“ erwähnt, dass er zusammen mit seiner Frau Elisabeth Trissenaar vom Deutschen Schauspielhaus in Hamburg wieder ausgeladen worden sei. Dort wollte er im kommenden Jahr Brechts „Mutter Courage“ machen. Man habe einen anderen Regisseur verpflichtet. „Aber es war mein Projekt! Ich hatte es vorgeschlagen. Eine schöne Unglaublichkeit zu meinem 69. Geburtstag. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Auch Berlin würde ihn wieder interessieren, sagte Neuenfels der dpa. Vor und während der Wendezeit war er von 1986 bis 1990 Chefregisseur und Intendant der Freien Volksbühne Berlin. An der Deutschen Oper Berlin inszenierte er in den 80er Jahren Verdis „Macht des Schicksals“ und „Rigoletto“ sowie später Verdis „Nabucco“ und Mozarts „Idomeneo“. Aber die Berliner Theater hätten ihn wohl fallengelassen, meinte Neuenfels.

Intendant wolle er nicht mehr werden, wobei er keineswegs negativ an seine Intendantenzeit an der Freien Volksbühne zurückdenke. „Es war ein gutes Lehrbeispiel, wenn auch hart und existenziell, aber insgesamt doch sehr schön, eine gute Berliner Erfahrung. Jetzt ist es aber zu spät für solche Ämter. Aber Mut habe ich nach wie vor, eingeschlafen bin ich nicht.“ Intendanten seien durchaus noch die alten Alleinherrscher, „wenn sie gut sind, sie können noch immer unglaublich viel allein entscheiden mit immer noch vergleichsweise sehr viel finanziellen Mitteln. Davon träumen andere nur“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Ich habe keine Ahnung“ – so leitete Daniel Kehlmann, der mit „Die Vermessung der Welt“ unversehens zum Bestsellerautor avancierte 35-Jährige, seine Poetikvorlesungen in Göttingen ein.

04.08.2010

Mehr Denkmäler als im vergangenen Jahr sind von der Unesco auf ihrer Tagung in Brasilia als Welterbe geadelt worden, darunter auch die Oberharzer Wasserwirtschaft. Aber auch die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten bekam neue Einträge.

03.08.2010

Sie komme aus dem Jahr 2719, sagt Janelle Monáe. Was natürlich nicht stimmt „The Archandroid“ ist immerhin der Beweis, dass der R‘n‘B noch Zukunft hat.

03.08.2010
Anzeige