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Kultur Barocke Freuden in der Orangerie
Nachrichten Kultur Barocke Freuden in der Orangerie
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00:16 16.08.2017
In der Orangerie: Gudrun Landgrebe und Countertenor Benno Schachtner. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Zwei Open-Air-Sommerabende im Gartentheater Herrenhausen, zwei „Sommernachtsträume“, sollten es werden, doch Dauerregen veranlasste das Ausweichen in die Orangerie. Trotzdem wurde es wunderbar.

Am Freitag gab es mit „Shake-Speare’s Sonnets“ eine musikalische Revue, die Konzert, Lesung, Schauspiel und Puppenspiel vereinte. Schauspielerin Gudrun Landgrebe, Puppenspielerin Suse Wächter, Countertenor Benno Schachtner und die Lautten Compagney Berlin fesselten mit ihrer Darbietung die 250 Gäste.

Landgrebe („Die flambierte Frau“) las mit sanft-warmer Stimme und fein-nuancierten Betonungen aus Shakespeares Sonetten über die Liebe, die Vergänglichkeit, das Halluzinieren und mehr – alles in deutscher Sprache, vereinzelt (und sehr gut) auch in englischer Originalsprache.

Mit Hingabe, Sensibilität und klasse Rhythmik brachten die Lautten Compagney und der wundervoll singende Schachtner Werke diverser Barock-Komponisten wie Henry Purcell, Matthew Locke und Robert Johnson zu Gehör. Viele Gänsehaut-Momente.

Spannungsvoll die Auftritte von Wächter: Faszinierend, wie sie ihren sehr real wirkenden Puppen Leben einhaucht. Ihre „Dark Lady“ (eine lebensgroße lebende Tote), Sigmund Freud im Kleinformat und ihre nackt-graue Kleinkindpuppe, die trotzig „Ich will!“ von Rammstein im Barocksound (!) singt, agieren bestens mit dem Ensemble. Skurril, mit Witz und Feinsinn. Für alle Akteure: kräftiger Applaus mit Jubel.

Am Samstag gab es dann „Swinging Purcell“, ein barocker Tanzabend – wieder mit der Lautten Compagney Berlin. Mit dabei: Klarinettist Florian Schüle und das Ensemble Historischer Tanz der Universität der Künste Berlin. Wunderbar spielt das elfköpfige Ensemble auf alten Instrumenten Purcells schöne Werke, die Schüle mit weichem, abgerundetem Ton noch bereichert. Dazu tanzen oft zwei Paare in aufwendiger, historisch nachempfundener Kostümierung. Leichtfüßig, graziös und mit sichtbarer Freude zeigen sie die nicht eben einfachen Tänze der Barockzeit.

Entzückend: Zu Purcell’s „Wondrous Machine“ bewegt sich Julia Keller als „mechanische Figur“. Schöne Idee: In der Pause gibt es Tanzunterricht für 26 Gäste auf der Bühne. Am Ende begeisterter Applaus mit Bravos der 200 Gäste. Zwei Abende, die das barocke Lebensgefühl wahrlich näherbrachten.

Von Christian Seibt

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