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Nachrichten Kultur Wer von Banksys Schredderaktion profitiert
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17:05 08.10.2018
Ein halbes Kunstwerk für den doppelten Wert: Experten glauben, dass das Bild von Banksy nach der Zerstörung mehr Wert ist. Quelle: Foto: dpa
London

Das Werk ist dahin: Am Freitagabend ließ der Street-Art-Künstler Banksy eines seiner populärsten Motive, ein Mädchen, das einem Herzballon hinterherschaut, durch einen versteckten Papierschredder im Bilderrahmen schicken. Die Kunstwelt schrie auf. Kurz zuvor hatte ein anonymer Bieter bei der Versteigerung im renommierten Kunstauktionshaus Sotheby’s in London das Bild für 1,04 Million britische Pfund gekauft – etwa 1,2 Million Euro.

Wusste Sotheby’s von Banksys geplanter Aktion?

Sotheby’s gibt sich ahnungslos, auch auf Nachfrage teilt das Auktionshaus am Montag mit: „Wir hatten keine Vorkenntnisse von dieser Aktion und waren in keiner Weise beteiligt.“ Kann das sein? Im Katalog zum Werk „Girl with Balloon“ steht, dass das Bild in einem Rahmen des Künstlers versteigert wird. Und was für ein Rahmen das ist: dick, Barock-artig, gülden leuchtend. Er will so gar nicht zum gesprayten Bild passen. Müsste das Kunstexperten nicht auffallen?

Das Auktionshaus hat die Arbeit von Banksy von „Pest Control“, einer Institution, die ausschließlich Banksy-Werke im Auftrag des Künstlers authentifiziert, untersuchen lassen. „Pest Control“ bestätigte lediglich die Echtheit.

Wer profitiert davon, dass „Girl with Balloon“ geschreddert ist?

Zunächst beherrscht Banksy mit dieser Aktion die Schlagzeilen. Doch bei der Versteigerung kamen Werke aus einem Nachlass unter den Hammer, also ist auch das Ballon-Bild ein Zweitverkauf. Banksy selbst sieht deshalb kein Geld – außer, der Wert seiner Werke steigt nun schneller als ohnehin schon.

Doch das muss nicht sein: Am Tag nach der Skandalauktion bot Sotheby’s in London drei weitere Bilder von Banksy an und erzielte Preise von 120.000 bis 300.000 Euro. Das sind zwar gute, doch keine Rekordpreise. Durch einen Schredder wurde kein Bild geschickt – Banksy und das Auktionshaus sind also wieder zum „Business as usual“ zurückgekehrt.

Was bedeutet die Zerstörung für den Kunstmarkt?

Bilder zu zerstören, ist nicht neu. Sogar in der außergewöhnlichen Versteigerung am Freitagabend wurde eine Leinwand mit Schlitzen von Lucio Fontana für 3,2 Millionen Euro verkauft. Die Schnitte sind der künstlerische Akt.

Banksy wollte den Kunstmarkt hinters Licht führen. Doch durch die Schredderaktion wird das zerschnittene Werk selbst zur Kunst. Experten der Webseite MyArtBroker.com, die Banksy-Werke verkauft, schätzen, dass sich der Wert von „Girl with Balloon“ nun verdoppeln sollte. Der Kunstmarkt dankt.

Von Geraldine Oetken/RND

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