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Werden Freunde: Pierre (Gabriel Arcand, l.) und Mathieu (Pierre Deladonchamps), der aus Paris gekommen ist, um die Familie seines Vaters kennenzulernen.

Werden Freunde: Pierre (Gabriel Arcand, l.) und Mathieu (Pierre Deladonchamps), der aus Paris gekommen ist, um die Familie seines Vaters kennenzulernen.
© Temperclayfilm

Kino

Auf Spurensuche: „Die kanadische Reise“

In Philippe Liorets Drama „Die kanadische Reise“ (Kinostart am 14. Dezember) begibt sich der Pariser Mathieu nach Montreal, um seine Familie kennenzulernen und die Leiche seines ertrunkenen Vaters zu suchen. Ein stiller, wiewohl intensiver Film.

Hannover. Über seinen Vater weiß Mathieu (Pierre Deladonchamps) so gut wie nichts. Es sei ein One-Night-Stand gewesen, hat die Mutter immer nur gesagt und das Geheimnis der Vaterschaft mit ins Grab genommen.

Einige Jahre später meldet sich ein Freund des Vaters. Der sei vor kurzem ums Leben gekommen und er wolle ihm von dem Verstorbenen ein Päckchen zusenden. Spontan entscheidet Mathieu sich zur Beerdigung von Paris ins kanadische Montreal zu fliegen, um wenigstens seine beiden Halbbrüder einmal kennen zu lernen.

Die Halbgeschwister entsprechen nicht den Erwartungen

Am Flughafen holt ihn Pierre (Gabriel Arcand), der Freund des Vaters, ab und scheint wenig begeistert von Mathieus familiären Entdeckungsdrang. Die Familie wisse nichts vom außerehelichen Sohn und das solle auch so bleiben. Dennoch willigt er ein, dass Mathieu mit ihm und den beiden Söhnen gemeinsam nach der Leiche des Verstorbenen sucht, der beim Angeln in einem See ertrunken und nicht wieder aufgetaucht ist.

Quasi undercover erkundet Mathieu die Familie und stellt bald fest, dass die Geschwister, die sich schon vor der Beerdigung um das Erbe streiten, keineswegs seinen verwandtschaftlichen Wunschvorstellungen entsprechen. Pierres Familie hingegen scheint sich mehr für den Gast aus Frankreich zu interessieren und auch der unwirsche Freund des Vaters taut allmählich auf.

Postume Spurensuche nach dem unbekannten Vater

Mit nüchterner Sensibilität und ohne rührselige Verklärungsmuster erzählt Philippe Lioret in „Eine kanadische Reise“ von einer posthumen Spurensuche nach dem unbekannten Vater. Interessant ist, dass sich hier mit dem Mittdreißiger Pierre ein Mann mit einer gewissen emotionalen Reife auf diese familiäre Entdeckungsreise begibt, der Rückschläge einstecken und enttäuschte Hoffnungen mit der Wirklichkeit abgleichen kann.

Pierre Deladonchamps spielt den Suchenden mit zurückhaltender Genauigkeit und der fabelhafte Gabriel Arcand in der Rolle des väterlichen Freundes zieht mit seiner stillen Präsenz den Forschungsdrang des Publikums auf sich. Einzig die Schlusswendung scheint ab einem zu frühen Zeitpunkt vorhersehbar. Als die Wahrheit für die Figuren ans Licht kommt, weiß der aufmerksame Zuschauer schon längst Bescheid.

Von Martin Schwickert / RND


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