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Kultur „Atomic Blonde“ – Kriegerin auf der Berliner Mauer
Nachrichten Kultur „Atomic Blonde“ – Kriegerin auf der Berliner Mauer
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17:06 30.08.2017
Sie tritt schon mal ins Fettnäpfchen: Agentin Lorraine (Charlize Theron) räumt mit Händen und Füßen in der Berliner Spionageszene auf.  Quelle: Foto: Kinowelt
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Hannover

 Sie liegt in einer Badewanne voller Eiswürfel, Gesicht und Haare sind weiß wie die Wand. Der Körper ist übersät mit Platzwunden und Blutergüssen. Ihre Hand lässt ein paar Eiswürfel aus dem Badewassser in ein Glas gleiten und füllt es mit Wodka auf, den sie mit einem leichten, kaum hörbaren Raunen in sich hineinfließen lässt. Ihr Name ist Lorraine Broughton, Agentin Ihrer Majestät und eine eiskalte Kriegerin in einem Kalten Krieg, der im Berlin des Jahres 1989 gerade zu Ende geht.

Fakten sind weniger wichtig als Coolness

Wenige Wochen vor dem Mauerfall wird Lorraine vom MI6 dorthin geschickt, um einen Doppelagenten zu enttarnen. Während sich im Osten der Stadt Demonstrationen formieren, kämpft sich die Agentin durch den weit verzweigten Spionageuntergrund auf beiden Seiten der Mauer. Die Verwicklungen zwischen KGB, MI6, BND und CIA werden immer unübersichtlicher, aber darauf kommt es in David Leitchs Agenten-Actionfilm „Atomic Blonde“ nicht an. Schließlich diente hier nicht ein sorgfältig recherchierter Roman von John Le Carré als Vorlage, sondern der Comic „The Coldest City“ von Antony Johnston und Sam Hart, dem Fakten weniger wichtig sind als die Coolness seiner beinharten Heldin.

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Actionheldin Charlize Theron: Die Videokritik zu „Mad Max: Fury Road“

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Charlize Theron spielt diese Lorraine mit platinblondem Pony-Bob, knallroten Stilettos, wechselnder Designer-Trikotage und mörderischer Kompromisslosigkeit. Theron hat sich in den vergangenen Jahren ihren Status als Actionstar eindrucksvoll erarbeitet: als oberfiese Stiefmutter Ravenna in „Snow White and the Huntsman“, einarmige Furiosa in „Mad Max: Fury Road“ und zuletzt als Schurkin und einzigem schauspielerischen Lichtblick in „Fast & Furious 8“. In „Atomic Blonde“ setzt sie noch eins drauf und präsentiert ihre stilisierte Heldin als eiskalte Kämpferin, die kraftvoll austeilen und vor allem auch einstecken kann.

Die Kamera wird Teil des actionreichen Geschehens

Therons physische Präsenz ist das Herz des Films, der seine Protagonistin zügig von einer Actionszene in die nächste hineintreibt. Regisseur Leitch hat sich in Hollywood vom Stuntman zum Regisseur hochgearbeitet, und seine Kampfchoreografien haben nichts mit den durchdigitalisierten Schnittgewittern moderner Blockbuster zu tun. Wenn die Keilerei beginnt, tritt die Kamera zurück, um die Arena zu zeigen, und wird dann selbst mit hoher Mobilität Teil des Kampfgeschehens. Solche Szenen sind mit ihrer rohen Körperlichkeit sicherlich nichts für Zartbesaitete, aber handwerklich furios orchestriert. Die Wunden, die Lorraine im Kampf davonträgt, lassen Bruce Willis mit den paar Schrammen in „Stirb langsam“ wie einen Simulanten erscheinen.

Unter den weiblichen Action-Ikonen, die in diesem Geschäftsjahr von Scarlett Johanssons „Ghost in the Shell“ bis zu Gal Gadots „Wonder Woman“ die Leinwand erobern, ist Therons MI6-Agentin sicherlich die geradlinigste Figur. Sie verfolgt keine idealistischen Ziele, sondern macht einfach ihren Job und zeigt den Männern, wo der Hammer hängt.

Zur ruppigen Coolness dieser Agentin passt der schmuddelige B-Movie-Look des Films, der das Berlin der Wendezeit als farbentsättigte Kulisse inszeniert, um seine Heldin in gelbem, blauem oder pinkfarbenem Scheinwerferlicht zum Leuchten zu bringen. Unterlegt wird das durchgehend stilisierte und historisch unkorrekte Geschehen von einem lässigen 80er-Soundtrack, in dem von David Bowies „Cat People (Putting Out the Fire)“ bis zu Nenas „99 Luftballons“ zeitgenössisches Liedgut effizient zum Einsatz gebracht wird.

Von Martin Schwickert / RND

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