Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Annett Louisan mit viel Bauchgefühl am Aegi
Nachrichten Kultur Annett Louisan mit viel Bauchgefühl am Aegi
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 13.03.2017
Blaue Stunde: Annett Louisan und ihre Band bei ihrem Konzert im Theater am Aegi am Donnerstag.  Quelle: Foto: Villegas
Anzeige
Hannover

Das Tourmanagement lobt ihr besonders Bauchgefühl. Das ist im Theater am Aegi kaum zu übersehen: Annett Louisan ist im fünften Monat schwanger, und so wohlig rund sich der Bauch der Chansonette bei den beiden ausverkauften Hannover-Konzerten wölbt, könnte es auch der elfte oder zwölfte sein. Es gibt also noch einmal eine Extraportion Gefühl.

Eigentlich habe sie ja mit neuem Album touren wollen – „aber das Leben kam dazwischen“, sagt sie und streichelt ihren „kleinen Passagier“. So tun es einige neue Lieder und ihre neue fünfköpfige Band aus vier Martins und einem Florian. Jazzig, loungig, zurückhaltend, ist der Sound, mit Pedal Steel Guitar, Mandoline und Cello und manchmal auch Bluegrass-Einflüssen, wobei Teile des Publikums zeigen, dass man auch das sensibelste Arrangement zerklatschen kann.

Da wird die blaue Stunde mit der zurückhaltenden Lichtregie im Theater am Aegi schnell mal zum Blauen Bock, vor allem bei den älteren Liedern wie „Das Spiel“ oder „Die Dinge“, welches sie mit leisem Spott als aus ihrer „Lolita-Phase“ stammend bezeichnet. Damals, als ihr Textdichter Frank Ramond Worte von kleinen Sündern und großer Koketterie auf den Leib schrieb.

Die Bandbreite ihrer Fans hat sich noch einmal geändert, seit sie 2016 bei der TV-Show „Sing meinen Song“ mitmachte. Also wird entsprechend gecovert, „Herz gebrochen“ von Samy Deluxe zum Beispiel, „Bye bye Love“ der Everly Brothers oder Udo Jürgens’ „Merci Chérie“. Nicht jedes steht ihr gleichermaßen gut. Mit den Worten, dass sie auch gerne mal rocke und keine sei, die gehe, wenn es am schönsten sei, kündigt sie „Stark“ von Ich + Ich in einer Art Classic-Rock-Version an, geht in die Pause und hat nicht gelogen.

Danach aber geht es mit Rammsteins „Engel“ weiter, in einem fast zerbrechlichen, elfengleichen Arrangement. Da wird ihre Stimme zum Instrument, klingt reifer, erwachsener denn je. Und man hat, seit sie pünktlich zu der TV-Sendung vergangenes Jahr ihr Cover-Album "Berlin, Kapstadt, Prag" veröffentlichte, das Gefühl, die 40-Jährige habe sich gerade in fremden Liedern noch einmal neu gefunden.

Und in neuen Liedern wie „Zweites erstes Mal“, in denen es nicht mehr um das Glück im Augenblick, sondern in der Lebenslänge geht, setzt sich das auch textlich fort. Musikalisch sowieso. Ganz reizend gerät „Belmondo“, dessen leicht schwülstigen Easy-Listening-Sound nicht ganz unpassend in der Nähe „italienischer 70er-Jahre-Softpornos“ verortet.

Die Entwicklung der Annett Louisan setzt sich fort. „Und mit 50 hat jeder dann das Gesicht, das er verdient“, sagt sie einmal mit wiedergewonnerner Koketterie. Man darf gespannt sein, wie es bei ihr weitergeht. Sie hat ja jetzt die Kraft der zwei Herzen.

Von Stefan Gohlisch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige