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Anna Depenbusch.

Anna Depenbusch.
© Sandra Ludewig

NP-Interview

Anna Depenbusch von A bis Z

Schöne Texte, behutsame Arrangements: Anna Depenbusch (39) gilt als eine der besten deutschen Chansonetten. Wir sprachen mit ihr über ihr neues Album „Das Alphabet der Anna Depenbusch“.

Hannover. Sechs Jahre nach dem Album „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ erscheint jetzt „Das Alphabet der Anna Depenbusch“. Wir sprachen mit der deutschen Chansonette über die Liebe von A bis Z.

Lassen Sie uns über Liebe reden. Sie scheinen sich damit auszukennen. Es ist das große Thema Ihres Albums.

Ja, das stimmt schon (lacht). Es ist aber letztlich das Thema aller meiner Alben.

Und doch wirkt „Das Alphabet ...“ noch einen Tick persönlicher. Es geht nicht um die Liebe, die nebenan gemacht wird wie in „Benjamin“, sondern um die selbsterlebte.

Ja, das stimmt. Beziehungen interessieren mich einfach. Aber es geht auch um Freundschaften.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre Freunde immer ein bisschen Angst vor Ihren Alben haben, weil Sie so viel aus ihrem Erzählten schöpfen. Gilt das immer noch?

Freunde erkennen sich gerne wieder. Ich schöpfe aus meinem Freundeskreis, merke aber oft, dass es ganz allgemeine Themen sind, die sich da spiegeln. Es wird aber nie jemand bloßgestellt. Ich erkenne mich ja selber darin wieder. Ich hoffe, dass sie mich weiter an ihrem Leben teilhaben lassen.

Das Album klingt – wie auch das Lied „Alphabet“, in dem Sie eine Liebe von A bis Z erzählen, vom Anfang bis zum Zerwürfnis – wie eine Reise. Ist es so gemeint?

Das Album ist eine Reise. Wobei das Lied begann mit dem Lied „Alles über Bord“. Ich war an einem Punkt, an dem ich mich nach Leichtigkeit gesehnt habe. Ich hatte den Wunsch nach einem Befreiungsmoment. Dann habe ich meine Wohnung umgeräumt, ganz viel ausgemistet, mich reduziert. Das war so wohltuend, dass ich darüber ein Lied machen musste.

Es klingt auch so positiv, nicht so wie zum Beispiel bei Element of Crime, die zum Ausmisten gleich den „Vorschlaghammer“ rausholen ...

Es hat auch einfach viel Spaß gemacht. Ich freue mich auf das Lied auch auf den Konzerten, weil ich auch mit dem Publikum ganz viele Sachen wegschmeißen werde.

Sie werden in diesem Jahr 40 Jahre alt. Macht das mehr Lust darauf auszumisten?

Ich sehe mich ja nicht wirklich als Liedermacherin, da denke ich immer an so ältere, etwas verstaubte Herren. Aber ich sehe mich ein wenig in der Tradition, auch dahingehend, dass ich meine Musik ein Leben lang weitermachen kann, dass ich mit meinem Publikum alt werden und dass ich immer andere Lieder schreibe. Wenn da jetzt eine „4“ vorne steht, habe ich das Gefühl, ich kann über andere Themen singen.

Ist das Album auch musikalisch ein Befreiungsschlag? Es klingt wie eine Rückkehr zu Ihren Wurzeln.

Meine Wurzeln sind letztlich der Genremix. Als ich ausgemistet habe, fand ich auch eine Kiste aus Mixtape aus den 90ern, mit ganz wilden Mischungen darauf: Chansons, Beach Boys, Beatles, italienische Romanzen. Das hat mich inspiriert.

Das sind eindeutig ungewöhnliche 90er.

Es war aber auch Paula Abdul mit drauf (lacht).

Und was ist mit Nirvana, Pearl Jam, Faith No More oder den Pixies?

Ich hatte halt einen älteren Bruder, und der hatte wiederum ältere Freunde. Was ich gehört habe, war von Musikern ausgewählt. Jedenfalls führte dieses Mixtape dazu, dass ich den Genremix zum roten Faden erkoren habe.

Wie sieht das live aus?

Ich habe eine Band dabei; wir sind zu fünft und haben ungefähr 50 Instrumente auf der Bühne, Geige, Posaune, Vibraphon ...

Denken Sie eher in Texten oder in Melodien?

Ich höre zumindest immer erst die Melodie.

Da sind wir direkt bei dem Lied „Schönste Melodie“, in dem es darum geht, dass auch, wenn die Liebe verloren geht, etwas bleibt: nämlich die beiden Töne in der Melodie des Lebens. Das ist eine sehr positive Sicht. Vertreten Sie die?

Ich möchte keinen Liebeskummer missen, weil der immer für eine sehr tolle Zeit steht, nämlich die, in der ich verliebt war. Es geht in dem Lied um das gemeinsame Klingen und Schwingen – es könnte aber auch vom Tod handeln. Es geht darum, dass jemand verschwindet. Und trotzdem sollte man hoffnungsvoll bleiben. Da bin ich, glaube ich, hoffnungslos optimistisch.

Also das „naiv-romantische Hippie-Mädchen“ aus „Alphabet“?

Ganz genau. Ich bin ein sehr zuversichtlicher Mensch, auch wenn die Zeiten nicht so aussehen ...

... und hoffen auf die „Fürimmersekunde“?

Ja, auf den Moment, an dem die Zeit aufhört zu vergehen. Wenn man mal spirituell denkt, zum Beispiel an diese Momente in der Natur, in denen man sich verbunden fühlt und der Zeitstrang aufhört. Die „Fürimmersekunde“ ist ein gemeinsamer Moment. Und auch Silvester ist so ein Moment: Man guckt nach hinten, man guckt nach vorne und ist ganz da. Manchmal ist dieser Moment sehr lang.

Am Ende des Albums steht der „Winter“. Was bedeutet der für Sie?

Für mich bedeutet der Winter Neustartgefühle, alles weiß. Man schaut nach vorne und überlegt: Was passiert denn, wenn der Schnee weg ist? Man weiß nicht, was passieren wird, aber man weiß: Es wird weitergehen.

„Das Alphabet der Anna Depenbusch“ erscheint am 17. März. Am 29. März stellt sie es ab 20 Uhr im Pavillon vor.

Von Stefan Gohlisch


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