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Im Stück: „Chaostage“-Szene mit (von links) Anke Stedingk, Maximilian Grünewald, Tim Golla und Wolf List.

Im Stück: „Chaostage“-Szene mit (von links) Anke Stedingk, Maximilian Grünewald, Tim Golla und Wolf List.
© Foto: Ribbe

Theater

Altpunk Karl Nagel lästert über „Chaostage“ im Theater

In Cumberland hatte das Recherchetheaterstück „Chaostage: Der Ausverkauf geht weiter“ Premiere. Im Publikum: Chaostage-Mitinitiator Karl Nagel. Er war nicht angetan.

Hannover. Ein begeisterter Theater-Besucher klingt anders: „Ich wäre fast eingeschlafen“, notiert Karl Nagel in seinem Blog: „Langweiliges, jammervolles Opfergeschwätz, von dem ich mir kaum einen Satz gemerkt habe, Umweltzerstörung, die Eltern, Atomraketen, Nazis, das Scheiß-System, bla bla bla.“ Nagel, Alt-Punk, Mitinitiator der hannoverschen Chaostage, war am Wochenende im Theater: Auf Einladung des Deutschlandfunk Kultur schaute er sich die Premiere des Stücks „Chaostage: Der Ausverkauf geht weiter an“, pöbelte ein wenig (die NP berichtete) und zieht nun Bilanz.

Die Ausgangssituation amüsiert ihn noch: „Früher hat uns der Staat knüppelschwingend durch die Chaostage gejagt und jetzt finanziert der gleiche Staat über das Staatstheater ein Chaostage-Theaterstück. Und der Deutschlandfunk schickt mich, einen der Strippenzieher, dahin und bezahlt mir ein Honorar, damit ich Theaterkritik übe“, sagte er dem Sender. Letztlich sei das folgerichtig: Alles kaputtzumachen, sei Punk. Und ihn ins Theater zu stecken, zerstöre ihn nachhaltig.

Das eigentliche Stück, ein Recherchetheater der Regisseurin und Autorin Ulrike Günther, sei „mies“ gewesen, ein Mummenschanz, wie „aus alten ,Spiegel’-Artikeln oder Büchern zum Thema abgeschrieben“. Besonders mokiert er sich über kalkulierte Tabubrüche: „Ein rauchender Punk-Darsteller, der brav in den Aschenbecher ascht. So sind eben die Spielregeln, immer schön das Kleingedruckte beachten. Und bloß niemanden bei den Eiern packen.“ Das habe er dann selbst übernommen – die entsprechende Handreichung bei Schauspieler Janko Kahle führte bei der Premiere beinahe zum Eklat.

Insgesamt aber habe er Spaß gehabt. Die Premiere und der damit verbundene Auftrag seien eine gute Möglichkeit gewesen, an diesem seinen 57. Geburtstag Hannover einen Besuch abzustatten. Eine regelmäßige Mitarbeit im Stück könne er sich vorstellen – bei 1000 bis 2000 pro Vorstellung: „We are all Prostitutes“, wir sind alle Prostituierte.

Von Stefan Gohlisch


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