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Kultur „Alles Zombies“ bei Genetikk
Nachrichten Kultur „Alles Zombies“ bei Genetikk
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00:16 23.03.2017
Gute Stimmung: Die Fans feiern Genetikk im Capitol. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover.

Knapp 1000 Hip-Hop-Fans sind ins Capitol gekommen. Ein Flickenteppich aus grauen und schwarzweißen Quadraten hängt als Vorhang vor der Bühne. Das sieht außergewöhnlich aus, größer ist allerdings der Jubel und das Gekreische, als er fällt. Genetikks Ghetto heißt „Barrio“. Und die Bühnen-Kulisse ist gestaltet, wie eine deutsche Favela aussehen könnte: Hinterhof-Romantik und Backstein-Buden, der DJ schaut auf Wellblechdächer.

Es fallen Schüsse, „Peng, Peng“ – Genetikk, das ist die „GNKK-Crew“ um die MCs Karuzo, Sikk und DJ Rizmo. Sie kommen aus Saarbrücken und haben in den vergangenen Jahren die deutsche Hip-Hop-Szene aufgemischt. Genetikk sind wie immer maskiert und machen auf Bankräuber mit ihren Totenkopfmasken. Sie überzeichnen ihr Genre und wären dennoch gerne Realo-Gangster. Die Stroboskope schocken, das flasht die Netzhaut, wie ein Spielkonsolen-Effekt.

Doch das jugendliche Publikum hat damit keine Last, es sind viele Frauen unter ihren Fans, und die Texte kennen die meisten von ihnen auswendig. „Ich hab’ das Herz eines Löwen“, rappen Genetikk in „Teen Spirit“. Sie schimpfen in zwei Oktaven, zu zwei Akkorden; einfache Klänge, der Bass wummert sich den Rang im Theater hoch. Dazu beunruhigt ein kaltes und hartes Scheinwerferlicht, meist nüchtern und blau gehalten.

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Genetikk waren im Capitol. Das sind die Bilder.

„Wir sind die coolsten auf Deutsch“ wissen Genetikk. Doch sie sind auch recht monoton und langsam, ihr Rap ist laidback und nicht wirklich stürmisch. Dem „Cash“, dem Bargeld, wird gefrönt, das gehört sich so für einen Gangsta-Rapper. Und die Frauenstimmen vom Band vergolden möglicherweise ihre Balladen.

Es ist ein böser und beeindruckender Moment, als der Genetikk-Rapper von der DJ-Empore röhrt. Er verwandelt den kleinen Balkon in seine Kanzel, predigt knallhart seine Texte, ist sich natürlich der besonderen Situation bewusst. Ein Lichteffekt zu seinen Füßen rundet den Zauber ab. „Alles Zombies“, grölen alle.

Auf der Showtreppe kann man sentimental performen, die Power-Balladen sind vielleicht ein Hinweis auf eine angestrebte Popkarriere. „Alles was ich will, ich hab’ Freunde, hab’ Familie“, die Szene, ihre „Posse“ ist ihnen sehr wichtig. Bereits nach einer Stunde spielen Genetikk ihren letzten Song aus dem Set.

Die Zugabe-Rufe sind erstaunlich laut. Der „Wünsch Dir was“-Refrain von den Toten Hosen ist der Rahmen für ihren gleichnamigen Hit, doch „Yes Sir“ wird von den Fans noch begeisterter mitgesungen. „Fick Dich“, schimpfen sie, das waren 80 Minuten „Fun“. Und die Masken haben sie bis zuletzt nicht abgenommen.

Von Kai Schiering

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