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Kultur Albert Finney: „Nur glücklich mit Charakterrollen“
Nachrichten Kultur Albert Finney: „Nur glücklich mit Charakterrollen“
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16:46 08.02.2019
Einer für die wirklich guten Rollen: Am Set von „Tom Jones“ fühlte er sich 1963 unwohl als Star – Albert Finney liebte beim Film die Charakterrollen und bevorzugte das Theater. Quelle: imago/ZUMA Press
London

Er war der Sohn eines Buchmachers aus Lancashire und kein Freund der britischen Klassengesellschaft. Er lehnte den Ritterschlag ab. Und als ihn die Amerikaner mit „Sir“ anzureden begannen, sagte Albert Finney: „Wir sollten alle Mister sein“, das Sir würde doch nur die „englische Krankheit Snobismus“ verlängern. Einen Snob, wenn auch einen belgischen, zu spielen bereitete Finney indes überhaupt kein Problem.

Eine der berühmtesten Rollen des im Alter von 82 Jahren nach kurzer Krankheit verstorbenen britischen Schauspielers war die des blasierten Meisterdetektivs Hercule Poirot in Sidney Lumets „Mord im Orientexpress“ (1974). Sie brachte ihm eine von fünf Oscar-Nominierungen ein.

Albert Finney: Ein Mann der Bühne

Finney, dreimal verheiratet, Vater eines Sohnes, war ein Mann der Bühne, ein Troilus und Corolianus, ein überzeugter Shakespearianer, bevor ihn der Bühnenregisseur Tony Richardson 1960 zum Film brachte. Das „Free Cinema“, der junge britische Film, erkor ihn schon bald zu einem seiner führenden Darsteller. Die romantische Historienkomödie „Tom Jones – Zwischen Bett und Galgen“ (1963) machte ihn zum Star der Swinging Sixties.

Er glänzte als Psychokiller in Karel Reisz‘ „Griff aus dem Dunkel“ (1964) und war in Stanley Donens Romanze „Zwei auf gleichem Weg“ (1967) der Partner von Audrey Hepburn - der einzige übrigens, der die zarte Hepburn je in einem Film als „bitch“ bezeichnete. Fast wäre Finney anstelle von Peter O’Toole David Leans „Lawrence von Arabien“ geworden. Er hätte sich allerdings per Vertrag langjährig an den Produzenten Sam Spiegel binden müssen. Und blieb lieber frei.

Nur in Charakterrollen war Albert Finney glücklich

Finney, der zuletzt in „Skyfall“ (2012), dem vielleicht besten Bond-Film aller Zeiten, zu sehen war, spielte lieber einen interessanten Nebenpart als eine langweilige Hauptrolle: „Ich bin nicht so der romantische Typ“, sagte er einmal in einem Interview. „Ich bin mehr so wie der verstorbene große Peter Sellers. Nur glücklich mit Charakterrollen.“ Und die waren eben öfter am Theater zu finden als am Filmset: Strindberg, Beckett und Tschechow lockten Finney mehr als Hollywood.

Wer nun den Kino-Finney vom Feinsten kennenlernen möchte, der schaue sich am besten „Erin Brockovich“ (2000) von Steven Soderbergh an, „Miller’s Crossing“ (1990) von den Coen-Brüdern oder Ridley Scotts „Ein gutes Jahr“ (2006). Später Glanz: Sein bulliger Winston Churchill im TV-Drama „The Gathering Storm“ (2002) brachte Finney einen Preis der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) und einen Tony ein.

Die Rolle des Poirot nervte Albert Finney

Den Poirot muss man freilich auch gesehen haben. Eine Rolle, die ihn schon bald nervte, weil er sich plötzlich auf einen bestimmten Typen festgelegt sah: „Die Leute denken wirklich, ich wiege 300 Pfund und habe einen französischen Akzent“, schimpfte Finney. Und amüsierte sich, als ein Journalist seine Rolle eines Homosexuellen in „Ein Mann ohne Bedeutung“ (1994) für bare Münze nahm und ihn fragte, ob er denn auch eine Regenbogenflagge auf seiner Stoßstange kleben habe. „Ich sagte ihm, ich habs nicht so mit Stoßstangenaufklebern, aber wenn, würde ich diesen wählen“, erzählte Finney, „denn am Ende schließt der Regenbogen alle Menschen ein, oder?“

Von Matthias Halbig/RND

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