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Kultur Akademiker mit Down-Syndrom spielt in Romanze
Nachrichten Kultur Akademiker mit Down-Syndrom spielt in Romanze
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15:29 05.08.2010
Daniel (Pablo Pineda) möchte mit Laura (Lola Duenas) ein ganz normales Leben führen. Quelle: dpa

VON LAURENZ LIERENZ

Der Film heißt im deutschen Untertitel „Wer will schon normal sein?“, ein anbiedernder, anmaßender, saublöder, kontraproduktiver Titel. Im Original heißt er nur „Yo tambien – ich auch“ (warum also „Me too“?) und handelt von einem jungen Mann mit Down-Syndrom, der endlich auch mal lieben möchte. Er hat sich in die schöne Kollegin Laura verguckt (Almodóvar-Star Lola Dueñas erhielt den Goya für diese Rolle), die zwar einen normalen Chromosomenpool hat, aber dafür krankhaft oft den Bettgefährten wechselt. Daniel glaubt, ihr Halt geben zu können. Und ja, Sex könnte er ihr obendrein geben, guten sogar.

Alvaro Pastor und Antonio Na­harro erzählen eine Geschichte aus der genormten Gesellschaft, die traditionell Furcht befällt vor dem Besonderen, vor jeder Abweichung. In der der Gehandicapte der Außenseiter bleibt, was immer er auch erreichen mag. Der Gehandicapte, er hat sich gefälligst zu Gehandicapten zu gesellen.

Hauptdarsteller Pablo Pineda ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Uni-Abschluss schaffte. Und er spielt sich hier selbst, einen Akademiker, der in einerBeratungsstelle für Behinderte arbeitet. Bei seinem ersten Arbeitstag hält man ihn erst für einen Ratsuchenden, später ist die Beziehung der Kollegen zu ihm von einer Mischung aus Unsicherheit und Achtung geprägt. Sie lächeln ihn an und tun sich doch schwer, ihn als ebenbürtig zu akzeptieren.

Als Daniel nach seinem Studienabschluss seiner verdutzten Familie erklärt: „Jetzt muss ich nur noch heiraten“, stellt die sich quer wie ein BMW auf Glatteis, der Bruder rät ihm, seinesgleichen zu suchen. Alles aus Liebe, Daniel soll nicht enttäuscht werden und verzweifeln. Vorbild sollen ihm Pedro und Luisa sein, zwei verliebte „Downies“ aus der Tanzgruppe von Daniels Bruder. Die es allerdings kein Deut leichter haben.

Und dann setzen die beiden Regisseure an und gewähren ihrem Helden einen Tabubruch, eine wunderbare Romanze, und die bebildern sie noch dazu ganz federleicht und unverbogen. Wiewohl einen immer wieder das geradezu Märchenhafte der Konstellation anweht, erscheint einem die Beziehung doch auch plausibel. Beide sind einsam, beide eint ihr Sinn für Humor. „Du bist eine Prinzessin und ich bin ein Frosch“, sagt Daniel zu Laura. Und man ist ja erst im Frühjahr von den Disneys wieder daran erinnert worden, was im grimmschen Frosche steckt. Ein begehrenswerter.

Die Behinderung als Thema war zunächst lange ein auf Oscars abzielendes Hollywoodding in den Qualitätsstufen von „grandios“ bis „kitschig“, in den letzten Jahren wurde das Feld dann vom amerikanischen Independent-Film („Adam“) und vom europäischen Kino („Vincent will Meer“) mit außerordentlichen Produktionen bestückt. Was „Me too“ den Zuschauer lehrt, ist die immer wieder verschütt gehende Erkenntnis, dass jeder Mensch verschieden ist.

Auch die Downies, die von den Nichtdownies gern über einen Kamm geschoren werden.

„Me too – wer will schon normal sein?“, Spanien 2009, 103 Min. Regie: A. Pastor, A. Naharro. Darsteller: Pablo Pineda, Lola Dueñas.

Zauberhaft – eine Liebesgeschichte mit Botschaft.

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