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11:18 15.08.2010
Achtjähriges Wunderkind: Kieron Williamson. Quelle: ap

Für seine Werke gibt es lange Wartelisten, und das Kind hat neben einer Website bereits eine eigene Visitenkarte. Kieron Williamson selbst bleibt bei der weltweiten Aufregung um seine Malerei allerdings gelassen: „Das fühlt sich für mich normal an“, sagt der Blondschopf.

Kühe seien besonders einfach zu malen, sagt er. „Man muss sich nicht um so viele Details Gedanken machen.“ Bei Pferden wird es schon schwieriger, „ihre Beine muss man richtig hinbekommen“. In der Galerie stellt Kieron Pastellmalereien, Aquarelle und Ölgemälde aus. Dort wird der Achtjährige inzwischen von Wildfremden angesprochen, die eine Postkarte mit seinem Motiv signiert haben wollen, und Journalisten aus aller Welt möchten ihn zu Hause interviewen.

Kierons Eltern Keith und Michelle sind von der Aufregung um ihren Sohn immer noch überwältigt. Der Kunsthändler und die Ernährungsberaterin waren überrascht, als ihr Junge im Alter von fünf Jahren das erste Mal um Stifte und Papier bat und im Urlaub in Cornwall ein nahezu vollendetes Bild von Booten im Hafen zeichnete.

Sie beschäftigten sich beide nicht mit Malerei, „daher ist es für uns schwierig zu wissen, was in seinem Kopf vorgeht, sagt Michelle Williamson. „Wir wissen nicht, wo das herkommt. Aber er ist hartnäckig, und das ist es, was er tun will.“ Sie und ihr Mann würden Kieron nach Kräften unterstützen, betont die 37-Jährige.

Wechselspiel von Licht und Schatten

Trotzdem machen sich die Eltern auch Sorgen, ob sie das richtige für ihren Jungen tun, indem sie ihn so großer Aufmerksamkeit aussetzen. „Es ist nicht natürlich, dass man sein Kind ins Rampenlicht der Medien stellt“, sagt Michelle Williamson. Die Familie habe „viele Haie“ getroffen: „Alles, was die sehen, ist das Finanzielle.“

Dabei wirkt Kieron, der eine sechsjährige Schwester hat, gar nicht wie ein Wunderkind: Der Junge trägt Shorts und Turnschuhe, spielt begeistert Fußball und treibt sich gern am Strand in der Nähe seiner Heimatstadt Holt herum, 200 Kilometer nordöstlich von London. Zugleich kann er über die Auswahl einer ganz bestimmten Farbe diskutieren und über das Wechselspiel von Licht und Schatten. Und wenn er anfängt zu zeichnen, verschwindet alles Kindliche an ihm. Seine Eltern sind froh, wenn ihm andere beim Malen zuschauen - das zerstreut jegliche Zweifel, dass die so hochgelobten Bilder gar nicht von ihm stammen.

„Verkauft so viele Bilder wie ihr könnt“

Wie bei jedem Künstler gehen auch bei Kierons Werken die Meinungen der Kritiker auseinander. „Ist Kieron der erstaunlichste Maler Großbritanniens?“ lautet die Schlagzeile einer Zeitung. Andere fragen, ob die Werke des Jungen auch dann noch Aufsehen erregen, wenn er erwachsen wird.

Pablo Picasso, der selbst im Kindesalter zu malen begonnen hatte, erklärte einst, dass es anders als in der Musik in der Malerei keine Wunderkinder gebe. „Was die Menschen als frühreife Begabung betrachten, ist die Begabung der Kindheit. Sie verschwindet allmählich, wenn sie (die Kinder) älter werden.“ Und der Psychologe Jack Boyle aus Glasgow betont, dass die meisten Pianisten oder Fußballspieler, die im Alter von acht Jahren brillante Leistungen bringen, ihr Können nicht bis ins Erwachsenenalter mitnehmen.

Kierons Eltern sollten sich allerdings nicht zu viele Sorgen um ihren Sohn machen, rät Boyle: Das Talent des Jungen werde ihm schließlich nicht schaden. „Kinder wollen erfolgreich sein und sie wollen die Besten sein“, sagt der Experte. Sein Rat an die Eltern:
Möglichst viel Geld mitnehmen, ohne dem Kind zu schaden. „Entwickelt seine anderen Interessen - und verkauft so viele Bilder wie ihr könnt.“

Achtjähriger hat Tipps für aufstrebende Künstler

Michelle Williamson freut sich im Moment auf den Beginn des neuen Schuljahres im September, wenn Ausstellungen und Interviews von Hausaufgaben und der Routine einer normalen Kindheit abgelöst werden. Kierons Galerie hat für den kommenden Sommer eine neue Ausstellung geplant, zurzeit sind zwei Landschaftsmalereien in einer Internet-Auktion im Angebot.

Sollte ihr Sohn irgendwann nicht mehr malen wollen, wären sie nicht enttäuscht - so lange Kieron glücklich ist, sagen Michelle und Keith Williamson. „Wir wissen, was auch immer er letztlich macht, Kieron wird 200 Prozent geben“, erklärt seine Mutter.

Der Achtjährige selbst weiß schon, was er werden will: „Maler und Fußballer“. Und er hat Tipps für andere aufstrebende Künstler parat: „Niemals aufgeben“ lautet der eine, „keinen einfarbigen blauen Himmel malen“ der andere.

www.kieronwilliamson.com
www.picturecraftgallery.com
ap

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