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Spaßvögel (von links) Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni sind Studio Braun.

Spaßvögel (von links) Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni sind Studio Braun.
© Samantha Franson

Live in Hannover

Aberwitz hoch drei mit Studio Braun

Schindluder und Schabernack: Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni alias Studio Braun gastierten im Pavillon. Unsere Kritik.

Hannover. In fiesen weißen Anzügen entern drei schlaksige Herren die Bühne des Pavillons. Ihren „Dampfer der guten Laune“ nennen die Wahl-Hamburger Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni sie. „Fleisch ist mein Gemüse“-Mann Strunk macht erst ein mal Liegestütze. Vermutlich um seinen Kreislauf anzukurbeln. Doch für einen weisen Fingerzeig ist er nicht zu schwach: „Zählen Sie ihre Geschenke und nicht ihre Probleme!“

Sie selbst jedoch schildern gerne ihr kollektives Versagen. Von der Einsamkeit auf der Bühne, wenn, wie früher, mal wieder viel zu wenig Zuschauer ihre Shows sehen wollten. Doch heute ist das anders. In den ausverkauften Saal sind knapp 600 Fans des Chaos-Humors gekommen. Hannover sei ja sowieso die Hauptstadt der „geilen Stimmung“, vielleicht war es auch „Nordhessen“, egal.

Ihr Talent ist grenzwertig, es testet Kunstverständnis und starke Nerven: Penisse, echte und aus Stoff, viele Hinterbacken – bei ihrer Diashow ersparen sie einem nichts. Strunk preist derweil stolz ihre „Loser-Alben“: „Ein Kessel Braunes“ heißt so ein unverkäufliches Werk, bei ihnen werden Improvisationen und Provokationen gepflegt, kulturelle Alpträume wirken wie LSD-Fantasien. Strunk nuschelt, leiert seinen Text zum Teil nur phonetisch herunter. Ist das Absicht, oder ist er betrunken? Zuzutrauen wäre ihm beides. Selbst seine Kollegen wundern sich.

Einerlei, die Lesung ihres gerade erschienenen Gesamtkatalogs und 20-jährigen Band-Biografie ist unterhaltsam. Schlapplachen ist ebenso angesagt wie Staunen über Kettensätze und Grammatik-Schleudern, die so viel beinhalten, dass die Konzentration darauf schwer fällt. Seit dem Humor eines Helge Schneiders ist man so einiges gewohnt. Doch Studio Braun sind noch schärfer, noch zügelloser. So wird durch die arme Melodica geraucht, und wie alles machen sie es stets zu dritt: Der eine drückt die Tasten, der andere bläst den Qualm durchs Instrument, Strunk singt.

Ihr erstes „Humor-Projekt“ hieß „Jogging Mystique“. Dazu wird ein ebenso schrecklicher wie geschmackloser Blouson präsentiert, der Bandname ist eingestickt. „Eine erotische Schmunzelei“, wie so vieles bei der Truppe.

Von ihren legendären Telefonstreichen präsentieren sie nur einen, denn: „Von braunem Boden, wird nie wieder ein Telefonat ausgehen!“ Haben sie versprochen. Die Texte sind gut, ihre Stimmen unvergleichlich. Während Strunk hanseatisch stottert, scheint der normalste unter ihnen noch Schamoni zu sein.

Eine Modenschau im Damenrock fällt bewusst nuttig aus, und mit „Hanni & Nanni schlachten ein Reh“ empfehlen sie neue Cover-Gestaltungen für alte Kinderbücher. Wie gut, dass Heinz Strunk der selbsternannte „Meister der Querflöte“ ist. Und wirklich, sein Solo zum Funk-Song „Hotel“ hat Weltstadt-Niveau. Die schönen Klänge besänftigen, doch die Hommage von Jacques Palminger an GG Allin, dem kontroversen Punk-Ekel, setzt dem Ganzen wieder die Krone und dem Spießer seinen „Fahrradhelm“ auf. Viel Beifall für den Aberwitz hoch drei.

4 *

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Von Kai Schiering


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