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Es rockt: Dienstagabend auf dem Hermesplatz - AC/DC in Action, ihre Fans auch© Fotos: Wilde

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AC/DC lässt Hannover beben – hier Fotos

80.000 Fans gaben am Dienstagabend Gas, als die unverwüstlichen Australier AC/DC ihren "Rock`n`Roll-Train" auf der Bühne schrotteten. Und der Hermesplatz auf dem Messegelände platzte vor Stolz aus den Nähten.

VON MATTHIAS HALBIG

Hilfe! Alle Signale überfahren, der Zug ist zu schnell, viel zu schnell, das wird doch auch mit allen Notbremsen der Welt nie im Leben mehr was. Erst recht nicht mit Trickfilm-Angus im Führerstand. Metall kreischt, alles faucht und dampft, und dann dübelt die tonnenschwere Lok auf ihrem Gleisweg zur Hölle mit Karacho aus dem Trickfilmreich der Leinwand in die Wirklichkeit, auf die Bühne. 80.000 bestaunen das rauchende, feuersprühende, sterbende Ungetüm. Ein Showauftakt nach Maß, Jungfernkonzert für den Hermesplatz, AC/DC sind in der Stadt, Auftakt der Deutschlandtour. Und: Rock ’n’ Roll!

21 Uhr, Showtime, Angus Young spurtet auf die Bühne, einer vom Typ Feuerzangenbowle, der ewige Pennäler, aber eben auch einer aus der „Rolling-Stone“-Gitarristen-Bestenliste. Brian Johnson mit der Schiebermütze trippelt gleich mal wie ein Lipizzaner den Laufsteg lang und krawallt den Leuten eins von Engeln, Teufeln und entgleisenden Lokomotiven. Malcolm Young (Rhythmusgitarre), Cliff Williams (Bass) und Phil Rudd (Drums) reihen sich im Hintergrund auf: Heizerjob – zwei „Lokführer“ reichen. Der „Rock’n’RollTrain“ von 2008 klingt wie ein AC/DC-Song von 1990 oder einer von 1975. Die stilistisch Frühvollendeten säbeln einander ähnelnde Riffs, die fast immer auf die Riffkunst des großen Chuck Berry zurückzuführen sind. Sie haben ihren Blues vom Altmeister Muddy Waters, haben das eben nur in Erz gegossen: Metal’n’Roll ist das – erfunden, um den „Hippie-Mist“ (Angus) der frühen 70er unterzupflügen. Ein schlichter Sound, der auch heute so satt klingt und so wattfett aufs Ohr schlägt wie damals zu „It’sa LongWaytotheTop“-Zeiten, als die Truppe noch im Ruch jugendverderbender Rock-’n’-Roll-Krimineller stand und ihre Fans durchs Dorf gejagt wurden.

„Hell Ain’t a Bad Place to Be“ kommt, und das grandiose „Back in Black“, „Big Jack“ und dann die „Dirty Deeds D-D-D-Done Dirt Cheap“. Es spielt keine Rolle mehr, ob jetzt der 1980 verstorbene Bon Scott besser am Mikro war oder Brian Johnson. Und dass alle Songs ein Song sind, ist okay, weil es eben ein doller Song ist, die Peitsche in Tönen. KeineSitzplätze hier, gäbs welche, wären längst alle auf den Beinen und es gäbe Stuhlsalat. Und auch das Wetter ist weitgehend okay, tiefblauer Himmel, nicht allzu warm – und es regnet nicht! Teufelshörnchen blinken auf den Köpfen vieler Headbanger, drei Generationen sind versammelt, alle freiwillig, niemand auf dem Areal sieht mitgenommen aus wie sonst oft der blasse Enkel bei Rundreisen von Opis Lieblingskapellen. Man singt mit, man versuchts auch mal genauso schön fies und werwölfisch hinzukriegen wie Johnson, aber die Gurgel fühlt sich da schnell an, als hätt sie wer mit Reißzwecken tapeziert.

Hannover feiert die Band, als wärs der letzte Tag.Es sind die echten AC/DChier, zu ihren Platten gings auf jeder Party ab wie Hulle, tausendundeine Cover-Band haben Millionen Fans jahrelang auf diese Tour heißgemacht. Und Gerüchte raunen immerhin, dass es die letzte große Weltreise der Australier sein wird. „Thunderstruck“, der kleine Bruder vom „Jumping Jack Flash“ der Stones, schlägt drein. „Thundah!“, „Thundah!“ skandiert die Zigtausendschaft. Ein Sturm von Song.

Sie sind älter geworden, klar, man siehts. Brian Johnson ist 62, er presst die Worte inzwischen ins Mikrofon, als müsse so ein Wort eine Geburt hinlegen. Ähnlich wie jüngst bei der Kollegin vom Rhythm ’n’ Blues, Whitney Houston, ist auch die Stimme des 62-Jährigen reichlich abgewetzt, aber wenn er den „Jack“ auf den Tisch wirft, einen 40-Tonner-Blues, klingt er wie der gefährlichste Pokerspieler der Welt. In der Little-Richard-Ecke der Populärmusik schadet der Verschleiß eben längst nicht so wie im Hochglanzsoul. Und Angus mit der Schippenschnute sieht zwar mittlerweile aus wie ein älterer Gruselfilmzwerg in Kinderklamotten, aber er ist genau richtig so: Kult! Und wenn er als Chuck-Berry-Ente über die Bühne hüpft, gibts Extrajubel fürs Sportive. Die „Hells Bells“ läuten jetzt, „High Voltage“ und „T.N.T. ... hoi ... hoi“, Klassiker-Gedrängel. Zu „Whole Lotta Rosie“ bläst sich eine Bordsteinschwalbe mit Körbchengröße G wie Giga auf, klemmt sich die kaputte Lok zwischen die Beine.Und das ist schwer sexistisch.

Aber dafür kommen die ja auch alle in die Hölle. Der hinführende „Highway“ wird als erste Zugabe gebaut, und die Chöre muten jetzt an, als wollten alle 80.000 mit runterfahren, hoffend, dass dort dann alle Tage ein AC/DC-Konzert abgeht. Am Ende sprechen wie immer Kanonen: „For those about to rock we saluuuute you!“ Schöne Grüße zurück!

Der NP-Musikexperte vergibt 5 Sterne (von 5)


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