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Kultur 57.000 rocken mit U2 – hier alle Bilder
Nachrichten Kultur 57.000 rocken mit U2 – hier alle Bilder
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09:39 13.08.2010
Rockgigant in Hannover: Bono in der AWD-Arena. Quelle: Heusel
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Hannover. Es war einer jener Tage, die grau sind wie Leberwurst, immerhin regnets nicht wie noch am Morgen – ein Glück. Gerade noch schallte David Bowies Stimme von der Konserve hell ins 96-Stadion. Der war gerade dabei, seinem alten Major Tom beizubringen, dass es nun an der Zeit sei, die Raumkapsel zu verlassen, da fährt ihm eine dunkle Peter-Gunn-Gitarre lauthals in die Parade – tanzt rein wie ein kleiner Taschenhurrikan, begleitet von schläfrigen Streichern und nylonhaftem „Popcorn“-Plöppen. „Return of the Stingray Guitar“ heißt das Instrumental, U2s neues Rock-trifft-Pop-Intro für die „360º“-Konzerte von 2010.

The Edge hat die U2-Kapsel verlassen, und auch Bono ist um 20.47 Uhr auf dem Planeten Hannover gelandet. Der vor kurzem noch stark Rückenversehrte begrüßt Fans und fegt im obligatorischen Lederdress so munter am Catwalk-Kreis der Rundum-Bühne lang, dass seinen Münchner Chirurgen das Skalpell auf dem Tablett klappern dürfte. Ein wenig langsamer ist er in seinen Bewegungen als sonst, aber das hier ist mitnichten die befürchtete Bandscheiben-Reha zum Zugucken.

„It’s a beautiful day“, singt Bono. Und die Chöre der 57.000 Fans unterstützen U2s emotionalen Wetterbericht, der aller Barometer-Tristesse trotzt. Hannover hat seine erste U2-Show seit dem 8. August 1997. Und es ist eine große Show, eine Mega-, Giga-, Tera-Show, die spektakulärste der Welt. Man braucht nur dieses Mittendrin-Monster anzugaffen, dieses 53 Meter hohe Wunderwerk aus Perryrhodanien mit seinem Todessterngefunkel, seinem kreisenden, ausfahrbaren Riesenscreen, seinen beweglichen Brücken. Der Rap-Rocker „Get on your Boots“ schmückt sich unterm futuristischen Obdach des „Claw“ (,Klaue’) genannten Dingsbums mit Tonfolgen aus Beethovens Neunter. Und „Mysterious Ways“ ist auch wieder im Set mit seinem schlängelnden Groove. Die schöne Bauchtänzerin, die 1992 für U2 Schleier wehen ließ, fehlt zwar, aber trotzdem singt die Menge „Here she comes, here she comes ...“ So, als wär sie doch da.

Mit dem „Made in Germany“-Sticker auf seinem Hintern verweist Bono auf die deutsche Wertarbeit, „German doctors“ haben ihn schließlich wiederhergestellt. Und dann präsentiert er die galaktische Band, nennt The Edge mal eben R2-D2, Bassmann Clayton Prinzessin Leia, Trommler Larry Mullen Darth Vader – und sich selbst Chewbacca. Dann klingelt die Gibson und Hannover übernimmt sofort: „I have climbed highest mountains ...“. Leidenschaftliche Gesänge. Hier rollt eine der bezwingendsten Hymnen von ganz Pop heran, und dass man „noch immer nicht gefunden hat, was man sucht“, na ja, das passt immer, das geht jedem so, irgendwie ...

Anders als im Vorjahr auf Schalke, sind nicht mehr so viele Songs von „No Line on the Horizon“ im Programm, fast scheints, als trauten U2 ihrem neuen Grauen Album nicht mehr. Die Iren verlegen sich diesmal lieber auf Eingängiges, Hits und Klassiker: „New Years Day“, „Until the End of the World“, „The Unforgettable Fire“. „Glastonbury“ ist taufrisch, klingt dabei uralt, startet mit einem Soundalarm so vorwärts, als hätte der „Day Tripper“ der Bea­tles Speed eingeworfen. Und man freut sich auch über das auf Platte eher harmlose „I’ll Go Crazy ...“, das im Konzert zum Dance­floor-Brummer wächst. Doppelklatsch, Doppelklatsch, Einzelklatsch. Larry Mullen spielt Bongo, alles am Wogen, U2s Disko-Phase der späteren 90er feiert für Minuten fröhliche Urständ.

Gehen uns U2 verloren in sinnloser Gigantomanie? Wenn die transportable Weltwunder-Architektur nicht für eine Aussage steht (wie es noch bei U2s bilderflutkritischer „Zoo-TV“-Tour war), dann befindet sich die jeweilige Band im Abstieg von der Relevanz ins Museale. Das haben die Rolling Stones bravourös vorgemacht. Doch keine Bange: Botschaften werfen U2 gegen Showende aus ihrer „Claw“, als wär die AWD-Arena der Supermarkt der Weltverbesserung. „Sunday Bloody Sunday“ kommt für die iranische Freiheitsbewegung. Für die gefangene birmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Sun Kyi gibt es eine Lichterkette und den Song „Walk on“. Die Videoansprache von Desmond Tutu vor „One“ ist eine ziemlich lange Hängebrücke zur Zugabenrunde. Manchem ist das zu viel des Guten. Doch zu viel des Guten – so was gibts eigentlich nicht.

Und dann kommt „Moment of Surrender“. Ein Gospel fast, das Stadion schwebt, und Bono singt mit Inbrunst davon, dass er „mit dem Feuer gespielt“ habe, „bis das Feuer mit mir spielte“. Letztes Lied, in Frankfurt gewidmet den Opfern der Loveparade, hier spielen sie es auch für Robert Enke und Larry Mullen hat sich dafür ein 96-Shirt übergestreift. Ein bewegender Moment.

Die Rechnung ist am Ende aufgegangen: U2s „Klaue“ verkleinert das Stadion enorm, man kommt sich auch hinten nah dran vor, zusammengerückt, intim. Die Bandmitglieder allerdings werden davon leider nicht größer big

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