Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur 50 Jahre her: Die Beatles in Hamburg
Nachrichten Kultur 50 Jahre her: Die Beatles in Hamburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:10 16.08.2010
Später spielten die Beatles im großen Star Club. Anfangs noch im kleinen, schäbigen Indra.

HANNOVER. „One, two, three four ...“ Wie mögen sie wohl gewesen sein, die später großen Beatles an ihrem ersten Abend in Deutschland? Fünf Liverpooler Boys um den sexy Rabauken John Lennon – der hübsche Paul, der versonnene George, Stuart Sutcliffe, cooler als James Dean. Samt dem eigens für Hamburg angeheuerten Drummer Pete Best mit der Elvis-Tolle, der Paul um die Verlegenheit brachte, selber die Felle dreschen zu müssen. War es ein Auftritt, der alles spätere ahnen ließ, einer mit punkigen Höhepunkten wie später im Star Club der völlig losgelöste Lennon mit Klobrille um den Hals? Alles Shake, Rattle & Roll? Es war ... anders. Sie standen steif auf der Bühne“, formuliert es der John-Lennon-Biograf Philip Norman, „wie lila lackierte Zombies.“

Kreischende Teenies gabs da noch lange nicht, dafür erwachsene Klubbesucher. Die erwarteten in Bruno Koschmiders B-Laden (neben dem Kaiserkeller) eigentlich Conchita, eine üppige Dame, die sich solange auszog bis sie nackend war. Und das zu völlig anderer Musik als den Rock‘n‘Roll-Songs von Elvis, Chuck Berry oder Little Richard. Es hatte keine Werbung für den Wechsel zu einer Rock‘n‘Roll-Band gegeben, und wer Haut erwartet und Beat bekommt, ist erwartungsgemäß bedient. Die Stimmung war schlecht, der Laden vermieft, die Wände voller staubiger Stofftapeten, die den Sound der schmächtigen Boxen wegschluckten. Pete Best hatte das Gefühl, er würde „unter der Bettdecke Schlagzeug spielen.“ Ein Schäm- und Fremdschämabend.

Die hoffnungslosen lila Sakkos stammten von Pauls Nachbarn in Liverpool, der Rest ist Legende: Der verdreckte, fensterlose Doppelraum, in dem sie hausten, Waschen auf der Toilette und der Viereinhalb-Stunden-Musikmarathon unter der Woche, am Wochenende sechs Stunden. Weil die Arbeitsgenehmigung fehlte, waren sie offiziell Studenten auf Urlaubsreise. Koschmider fand die lila Zombies am ersten Abend viel zu lau, feuerte sie mit seinem Conchita-Ruf an: „Mach Schau!“ Die Beatles machten fortan Schau und kauften sich, so erinnert sich Koschmider-Konkurrent und Star-Club-Chef Horst Fascher, auf dem Wochenmarkt ein Schwein, nannten es „Bruno“ und spazierten mit ihm an der Hundeleine über St. Pauli.

Und wurden von Abend zu Abend besser, bis sie wegengagiert wurden und ein anonymer Hinweis die Jugendbehörde auf den Plan brachte. George Harrison war noch keine 18, der erste Hamburgtrip der Beatles damit beendet.

Damals, als die Fab Four noch fünf waren und noch keinen Namen hatten, waren The Big Three die große Band in Liverpool. Und zuhause hatte sich die Muckerszene Sorgen gemacht, dass die stümperhaften Jungfüchse für alle Ewigkeiten Liverpooler Engagements in Hamburg vermasseln würden. Das Gegenteil war der Fall. Und Johnny Hutchinson von den Big Three sagte hinterher: „Es war, als wären die Beatles als Klapperkiste nach Hamburg gefahren, und als Rolls Royce nach Liverpool zurückgekehrt.“ Im Dezember 1960 schon galten sie als „beste Band der Stadt“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er ist der Trumpf des „Sommernachtstraum“-Musicals in Herrenhausen: Felix Martin als durchgeknallter Puck. Ein Interview.

15.08.2010

Kommt sie solo? Oder hat Hollywoodsuperstar Angelina Jolie ihren Ehemann Brad Pitt und die sechs Kinder im Schlepptau, wenn sie am Mittwoch die deutsche Hauptstadt auf den Kopf stellt? Klar ist bislang nur, dass die begehrte US-Schauspielerin am Mittwoch als Spionin nach Berlin kommt.

17.08.2010

Es riecht nach Wald und der berühmte Braunschweiger Löwe trägt Geweih: Mit der Premiere von Carl Maria von Webers romantischer Oper „Der Freischütz“ hat am Sonnabend das mittlerweile achte Opern-Open-Air auf dem Burgplatz begonnen.

15.08.2010