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Kultur 50 Jahre Neues Theater in Hannover
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11:08 15.05.2012
SPEZIALISTEN IN SACHEN UNTERHALTUNG: Florian Battermann (li.), Christopher von Berlepsch. Quelle: Ralf Decker
Hannover

Zum 50-Jährigen melden Sie 80 Prozent Auslastung. Also alles in trockenen Tüchern?

Von Berlepsch: Das weiß man nie. Es hat sich viel geändert gegenüber früher, die Menschen überlegen sich, in welches Stück sie gehen - und kommen nicht mehr nach dem Motto „Das Neue Theater ist immer toll“.

Woran liegts?

Von Berlepsch: Gegenüber den 70er, 80er Jahren ist die Konkurrenz gewachsen, es ist dauernd was los, auf jeder Mülltonne wird ein Festival gefeiert (lacht).

Battermann: Andererseits existiert in fast jeder westdeutschen Großstadt ein Komödientheater. Da ist für mich logisch, dass es auch in Hannover ein Publikum dafür gibt. Tatsächlich haben wir in den letzten vier Jahren die Besucherzahlen um hundert Prozent gesteigert.

Was James von Berlepsch ja kaum mehr für möglich hielt.

Von Berlepsch: Mein Vater meinte zuletzt, das Theater sei zu klein, zu plüschig, es gäbe keine guten Boulevardautoren mehr. Klein ist es natürlich, ergonomisch können wir nicht punkten. Aber viele sagen: kuschelig! Und mögen die Nähe zur Bühne. Und weil wir beide ein zweites Standbein haben, ist es auch finanziell machbar.

Bei Stücken sind Sie nicht zuletzt mit Adaptionen erfolgreich. Wie sind Sie auf Gaby Hauptmann gekommen?

Battermann: Das war ulkig. In der Generalprobe von „Mondscheintarif“ klopfte mir eine Zuschauerin heftig auf die Schultern und meinte, das sei ja toll, aber wir müssten unbedingt mal „Suche impotenten Mann fürs Leben“ bringen. Ich fand den Titel witzig - sonst hätte ich gar nicht reagiert, ich kriege fast jeden Tag fünf, sechs Unbedingt-machen-Vorschläge. Mir gefiel das Buch, ich habe ein Stück daraus verfasst, und jetzt verdient Frau Hauptmann Geld ohne Arbeit - das Stück läuft an vielen Komödienbühnen.

Was macht eine gute Komödie aus?

Battermann: Worüber Menschen lachen, ändert sich ständig. Die Ehebruchkomödie mit sieben klappenden Türen läuft nicht mehr. Gerade sind strippende Männer beliebt (lacht). Dieses Aufspüren von Stücken reizt mich. Ich mache Theater, weil ich Geschichte erzählen will - und weil es ist wie Goldschürfen. Deshalb wäre ich an einem hoch subventionierten Haus furchtbar gelangweilt. Der Druck macht auch Spaß. Jetzt sind wir an einem Supertitel - verrate ich aber noch nicht.

Von Berlepsch: Diese Motivation, die er ausstrahlt, ist ansteckend. Anders würde ich es auch nicht machen wollen. Nur in dieser Kombination.

An deren Erfolg ja anfangs nicht jeder glaubte, oder?

Von Berlepsch: Ganz sicher nicht. Der Trick ist, dass wir einander nicht reinreden in das, was wir tun. Wir haben beide schon viele Dinge gemacht, müssen uns nichts mehr beweisen. Und wir sind eine Generation, das hilft auch.

Und so führen Sie das Erbe Ihres Vaters doch weiter?

Von Berlepsch: Wenn mir das einer vor 20 Jahren gesagt hätte, hätte ich geantwortet: Du spinnst ja. Aber als ich sah, dass das, was mein Vater aufgebaut hatte, auch ohne ihn tragfähig war, habe ich mich eingeschaltet. Letztlich funktioniert ein Theater wie jedes andere betriebswirtschaftliche Projekt - da kenne ich mich aus.

Sie arbeiten jetzt kostendeckend?

Battermann: Wenn wir sechs Darsteller haben, liegt der Break-even etwa bei 60 Prozent Auslastung - derzeit haben wir 80. Aber ein Stück wie die „Mausefalle“ zum Jubiläum können wir uns nur dank des Fördervereins leisten.

DAS NEUE THEATER

Am 16. Mai 1962 wurde das Neue Theater von James von Berlepsch gegründet, zuerst unter dem Namen „KleinesTheater“; vor vier Jahren übernahmen Christopher von Berlepsch und Florian Battermann die Leitung. In Sachen Komödie und lockere Unterhaltung ist das Haus eine Institution; mehr als 1,8 Millionen Zuschauer saßen in den 50 Jahren auf seinen 152 Plätzen. Die neue Leitung frischte das Programm des damals schwächelnden Hauses mit Stücken wie „Ladies Night“ oder „Landeier“ entscheidend auf. Zum Jubiläum wird Agatha Christies Krimi „Mausefalle“ gezeigt, die Premiere am 16. ist ausverkauft, danach läufts fast täglich.

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