Katja Flöge und ihr Mann Michael Thöne-Flöge
Der Beruf hat sich verändert. Früher war ein Augenoptiker ein von Männern dominiertes Handwerk, „heute ist er mehr eine Dienstleistung in Frauenhand“, sagen die Geschäftsführer des Unternehmens, Katja Flöge und ihr Mann Michael Thöne-Flöge. Der Optiker verstehe sich heute als Spezialist für viele besondere Materialien und technische Lösungsmöglichkeiten sowie als hoch qualifizierter Berater zum Thema Sehen. „Das Handwerk ist in den Hintergrund gerutscht“, so Flöge. Die Brille sei mittlerweile ein Phänomen wie ein Auto, „es geht klein und bescheiden oder groß und extravagant“. Aber immer stehen Qualität und individuelle Beratung im Vordergrund.
becker + flöge ist bereits Geschichte, 1968 wurde das Unternehmen durch die Fusion der beiden ältesten augenoptischen Betriebe Hannovers gegründet, der Firmen Ludwig Becker (1836) und August Flöge (1893). 23 Filialen in ganz Niedersachsen gibt es mittlerweile, und ein Ende ist nicht in Sicht. „Wir sind eindeutig auf Expansionskurs, würden gerne andere Unternehmen weiterführen”, betonen die Flöges. Eine Philosophie eint alle Geschäfte: „Wir müssen überzeugend vermitteln, was überhaupt machbar ist – und wir wollen von den Kunden buchstäblich gesehen werden.“ Außerdem setzt becker + flöge bewusst auf niedersächsische Tugenden: „Gradlinig, ehrlich, klar.“
Ab Mitte 40 sei quasi fast jeder Mensch Brillenträger und somit potenzieller Kunde beim Optiker. Das schlechte Image, dass eine Brille ein optischer Störfaktor sei, ist längst Vergangenheit. „Sie ist oftmals zum Accessoire geworden, nicht zuletzt dank der Sonnebrille, der teuersten Haarspange der Welt“, meinen die Unternehmer. 200 Mitarbeiter bemühen sich in diesem Sinne um die Kunden, Gläser werden allerdings nicht mehr selbst hergestellt. „Im Hause werden die Gläser nur noch für die individuelle Bestellung verarbeitet“, erläutert Thöne-Flöge. In jedem Jahr werden zudem 15 Lehrlinge unter Vertrag genommen, becker + flöge investiert gerne in den Nachwuchs. „Es ist traditionell ein wichtiges Feld, uns mit dem Nachwuchs um die Zukunft zu kümmern“, betonen die Geschäftsführer.
Mit einem Umsatz von 16,9 Millionen Euro im Jahr 2010 sitzt das Unternehmen fest im Sattel. Um die individuellen Stärken seiner Mitarbeiter zu fördern, wurde unlängst ein internes Trainingssystem konzipiert. Die Produktpalette umfasst Brillenfassungen, Gläser, vergrößernde Sehhilfen, Kontaktlinsen, Sonnen- und Spezialbrillen, Lupen und Mikroskope, aber auch Wetterinstrumente, Kompasse und Höhenmesser.
Das Ehepaar Thöne-Flöge hält jetzt seit elf Jahren die Fäden in der Hand. Diplom-Ingenieur Thöne-Flöge ist zudem Mitglied des Vorstandes der City-Gemeinschaft, engagiert sich in der Handelskammer am Landgericht. Das Ehepaar hat zwei minderjährige Kinder, theoretisch wäre eine Weiterführung des Familienbetriebs also gesichert. In den vergangenen Jahren sind weitere Fachgeschäfte in Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Bad Bevensen hinzugekommen.
Im Jahr 1836 gründet Optikermeister Ludwig Becker die Firma Becker-Optik in Hannover. Zehn Jahre darauf wird Becker Hofoptiker von König Ernst-August. Sohn und Juniorpartner Ludwig Becker wird 1882 vom Regenten des Herzogtums Braunschweig zum Hofoptiker ernannt, das Geschäft zieht an die Georgstraße. 1932 übernimmt Optiker Ahrens den Traditionsbetrieb, zunächst Hans senior, 1952 Hans junior.