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Hannovers Unternehmen

Das Wirtschaftsmagazin

Tradition und Innovation

Hannovers Wirtschaft bietet einen bunteren Mix als je zuvor - Hier treffen Tradition und Innovation aufeinander.
Norddeutsche Landesbank

Die gläserne Fassade der Norddeutschen Landesbank in Hannover

Wäre man König Ernst August mit einem Begriff wie „Wirtschaftsstandort“ gekommen, vielleicht gar mit Vorschlägen, wie dieser zu pflegen sei – er hätte gewusst, was zu tun ist: Schön, schön, hätte der Monarch wohl beschieden, aber solche Lästigkeiten bitte nicht hier, vor meiner Tür. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Industrialisierung hatte längst begonnen, verbat sich der König von Hannover Eisenbahnen in seiner Stadt. Abgesehen davon, dass die fauchenden Gefährte die königliche Ruhe gestört hätten, sollte nicht „jeder Schuster und Schneider“ so schnell reisen können wie er.

Die Gewerbetreibenden von heute würden sich bedanken für ein Oberhaupt, das die wichtigsten Verkehrsmittel einen mehrstündigen Marsch von der Stadt entfernt enden lässt – in Lehrte, zum Beispiel, Wunstorf und Nordstemmen. Die günstige Lage an mehreren Verkehrsknoten gehört heute zu den wichtigsten wirtschaftlichen Stärken Hannovers. Es war wohl weniger Weitsicht des Königs als Ironie der Geschichte, dass sich die Randlage der Bahnhöfe später sehr bewährte: Es fehlte dort nicht am Platz, sie zu leistungsfähigen Knotenpunkten auszubauen.

Die wurden schnell gebraucht, denn natürlich änderte auch das königliche Missfallen nichts am Siegeszug der Industrie. Schon 1887 gründete sich der „Fabrikanten-Verein“, später zum Industrie-Club umbenannt und damals wie heute vor allem von dem Motiv getrieben, die Arbeitsbedingungen der Unternehmen in der Region zu verbessern, kurz: an der Standortqualität zu arbeiten.

Es gibt noch Namen von damals, Körting zum Beispiel, als Pumpenhersteller 1871 von den Brüdern Ernst und Berthold Körting gegründet, die auch vom ersten Tag an beim „Fabrikanten-Verein“ dabei waren. Da gab es schon seit Jahrzehnten die Farbenfabrik Pelikan, Bahlsen sollte einige Jahre später entstehen. Eine hannoversche Firma näherte sich da schon ihrem hundertjährigen Bestehen, allerdings noch nicht in Hannover: die Mecklenburgische Versicherungs-Gesellschaft. Neue Technologien wurden in jener Zeit entwickelt, Kapital floss ins Land, Unternehmen entstanden wie nie zuvor – die Gründerjahre veränderten das Gesicht der Stadt.

Seither hat die hannoversche Wirtschaft manche Häutung erlebt. Wirtschaftskrisen dünnten die Reihen aus, die erste gleich 1873, denn auf die Gründerjahre folgte die Gründerkrise. Zwei Kriege zwangen zum Neuanfang, und schließlich begann ein friedlicher aber tiefgreifender Umbau der Wirtschaftslandschaft: Ein Jahrhundert nach den Gründerjahren machten sich die Industrienationen auf den Weg in die Dienstleistungsgesellschaft.

Heute bietet die Wirtschaft in der Region Hannover einen bunteren Mix als je zuvor. Es sind Geschäftsfelder entstanden, von denen man sich im 19. Jahrhundert, ja selbst vor zwanzig Jahren noch nichts träumen ließ. Hier werden Solarmodule gebaut und Windparks geplant, Medienkonzepte entwickelt und Reifen über das Internet verkauft. Banken und vor allem Versicherungen sind in neue Dimensionen hineingewachsen, die Messen füllen die Stadt mehrmals im Jahr mit Besuchern aus aller Welt.

Gleichzeitig ist traditionsreiches Handwerk erhalten geblieben. Die Industrie ist zwar geschrumpft, aber verschwunden, wie es ihr manche seit den siebziger Jahren und bis weit in die Neunziger hinein vorausgesagt haben, ist sie nicht: In Hannover werden Autos produziert und Baumaschinen, Hochspannungskabel und Lkw-Bremsen. Weltkonzerne aus Japan oder Frankreich versorgen von hier aus den deutschen Markt – und dazwischen wachsen die Schöpfungen vieler Gründerzeiten zu respektablen Unternehmen heran.

Längst ist Standortpflege selbstverständliche Aufgabe jeder Stadtverwaltung geworden, und es hat sich nicht so viel verändert an den Eigenschaften, die einen guten Standort ausmachen. Verkehrsgünstig muss er liegen – nicht mehr an Flüssen, wie vor Jahrhunderten, sondern an Gleisen, Autobahnen, Flugstrecken und natürlich per Funk und Breitbandkabel angeschlossen an die Datennetze dieser Welt. Geeignete Grundstücke für die Betriebe muss es geben – heute fertig erschlossen und systematisch vermarktet. Fähiges Personal muss verfügbar sein – Absolventen der Hochschulen am Ort, gut ausgebildete Handwerker und Leute, die aus anderen Gegenden nach Hannover kommen, um sich von der Stadt angenehm überraschen zu lassen.

Und dann sind da die Köpfe. Denn immer noch stehen hinter jedem Unternehmen Menschen, Einzelne und nicht selten Eigenwillige, die es aufbauen und weitertreiben. Nur noch selten geben sie ihren Namen für ihr Werk, werden selbst zur Marke, die den Gründer überdauern soll. Es gibt keinen Peter Windwärts und keine Karin Alfasolar, doch wie das Unternehmen auch heißen mag – es braucht die treibende Kraft, den kreativen Kopf und möglichst mehrere davon.

Deshalb ist das Innenleben der Unternehmen so vielfältig wie die Charaktere an ihrer Spitze. Manche sind noch ein bisschen wie die Patriarchen von früher, andere lieben das laute Gewimmel eines Teams um sich herum. Die einen lenken per Hausmitteilung und Intranet Tausende Mitarbeiter, die anderen per Zuruf ein Dutzend. Die Techniker träumen vom nächsten Produkt, die Strategen von der Marktführerschaft, und die Verkäufer haben einfach ein Händchen für den Umgang mit Menschen.

Doch so verschieden sie sind: Alle wollen Erfolg für ihr Unternehmen und damit für ihre Mitarbeiter und ihre Region. Denn die meisten hängen an dieser Stadt. Hier haben sie Karriere gemacht, hier wurde ihr Erfolg möglich und hier wollen sie bleiben. Nüchtern betrachtet, sind sich viele Wirtschaftsstandorte ziemlich ähnlich. Es sind die Köpfe, die den Unterschied machen.

Grundstücke für die Betriebe muss es geben – heute fertig erschlossen und systematisch vermarktet. Fähiges Personal muss verfügbar sein – Absolventen der Hochschulen am Ort, gut ausgebildete Handwerker und Leute, die aus anderen Gegenden nach Hannover kommen, um sich von der Stadt angenehm überraschen zu lassen.

Und dann sind da die Köpfe. Denn immer noch stehen hinter jedem Unternehmen Menschen, Einzelne und nicht selten Eigenwillige, die es aufbauen und weitertreiben. Nur noch selten geben sie ihren Namen für ihr Werk, werden selbst zur Marke, die den Gründer überdauern soll. Es gibt keinen Peter Windwärts und keine Karin Alfasolar, doch wie das Unternehmen auch heißen mag – es braucht die treibende Kraft, den kreativen Kopf und möglichst mehrere davon.

Deshalb ist das Innenleben der Unternehmen so vielfältig wie die Charaktere an ihrer Spitze. Manche sind noch ein bisschen wie die Patriarchen von früher, andere lieben das laute Gewimmel eines Teams um sich herum. Die einen lenken per Hausmitteilung und Intranet Tausende Mitarbeiter, die anderen per Zuruf ein Dutzend. Die Techniker träumen vom nächsten Produkt, die Strategen von der Marktführerschaft, und die Verkäufer haben einfach ein Händchen für den Umgang mit Menschen.

Doch so verschieden sie sind: Alle wollen Erfolg für ihr Unternehmen und damit für ihre Mitarbeiter und ihre Region. Denn die meisten hängen an dieser Stadt. Hier haben sie Karriere gemacht, hier wurde ihr Erfolg möglich und hier wollen sie bleiben. Nüchtern betrachtet, sind sich viele Wirtschaftsstandorte ziemlich ähnlich. Es sind die Köpfe, die den Unterschied machen.

[Stefan Winter]

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