Navigation:
AboPlus Online-ServiceCenter

Trauerfeier

Bewegender Abschied von Robert Enke

Mit einer der größten Trauerfeiern in der Geschichte der Bundesrepublik haben am Sonntag Zehntausende Menschen in Hannover Abschied vom verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke genommen.
Lesezeichen setzen:


Rückblick
  • Neblung Enke geriet vor acht Wochen „in Strudel“ Kommentare 3
  • Hannover 96 DFB und DFL denken über Abschiedsspiel für Enke nach Kommentare 5
  • Enke-Selbstmord Fußball-Funktionäre forden Umdenken Kommentare 0

Hannover. Im Stadion von Hannover 96 gedachten mehr als 35 000 Trauergäste des 32-Jährigen, der sich am vergangenen Dienstag das Leben genommen hatte.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) beschrieb Enke in seiner Trauerrede als bescheidenen, stillen, zurückgenommenen Star. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Theo Zwanziger, mahnte, Fußball dürfe nicht alles sein. Enke litt jahrelang unter schweren Depressionen. Im Anschluss an die Trauerfeier sollte Enke im engsten Freundes- und Familienkreis auf dem Friedhof in Empede bei Hannover neben seiner Tochter Lara beigesetzt werden, die 2006 im Alter von zwei Jahren an einem schweren Herzfehler gestorben war.

Wulff sagte, Enke sei bei allen sportlichen Erfolgen immer ein Mensch geblieben, der Geduld und Zeit für seine Fans hatte. Umso mehr erschüttere sein Tod, das lange Geheimhalten seiner schweren Krankheit. Heute spürten alle das „Bedürfnis zum Innehalten“. Viele Menschen empfänden: „Es muss sich etwas ändern. Doch damit alleine ändert sich gar nichts“, sagte Wulff. „Ich muss mich verändern. Den Sportler nicht als Übermenschen oder Versager sehen - sondern mit seinen Stärken, aber auch Fehlern und Überforderungen“, sagte der Ministerpräsident.

Zwanziger appellierte an die Eltern: „Wenn ihr daran denkt, ob eure Kinder einmal Nationalspieler werden können, denkt nicht nur an den Schein, denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen.“ Zugleich könne der Fußball aber auch ein „starkes Stück Leben sein, wenn wir nicht nur wie Besessene den Höchstleistungen hinterherjagen“ - nicht um jeden Preis. Nach diesen schlimmen Tagen gelte es, ein bisschen mehr an die Würde des Menschen zu denken.

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) sagte, seit Dienstagabend verharre die Stadt in tiefer Trauer. Die Menschen seien „fassungslos, sprachlos und vor allem tieftraurig“. Es sei „sehr still in Hannover im Moment“. Aber es sei auch „warm“ - die Stadt sei „ganz eng zusammengerückt“. Enke sei „souverän“ gewesen „nicht nur in der Strafraumbeherrschung, sondern auch im Umgang mit Menschen“.

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, sagte, nur ganz wenigen Menschen werde „eine derartige Anerkennung zuteil“. Enke sei bei den Fans nicht nur wegen seiner sportlichen Leistung beliebt gewesen, sondern wegen seines Charakters und seiner Persönlichkeit. „Robert Enke hatte nur Freunde - aufgrund seiner Natürlichkeit, seiner Bescheidenheit und seiner Herzlichkeit.“

Erstmals in der Geschichte des deutschen Fußballs wurde eines verstorbenen Spielers mit einer Feier dieser Größenordnung gedacht. Enkes Sarg wurde im Stadion, in dem sonst die Heimspiele des Bundesligisten stattfinden, im Mittelkreis des Rasens aufgebahrt. Der aus Jena stammende 32-Jährige war Kapitän der Mannschaft.

Der Vater des verstorbenen Fußball-Nationaltorwarts, Dirk Enke, sprach unterdessen erstmals über die Krankheit seines Sohnes. Dieser habe Gespräche immer abgeblockt. Der promovierte Psychotherapeut aus Jena erklärte: „Es geht mir darum zu verstehen, warum es zu so einer Mauer kam, zu so einer Verschlossenheit.“ Vor wenigen Wochen hatte sich Dirk Enke nach eigenen Angaben dafür ausgesprochen, dass der Sohn sich stationär behandeln lässt. „Er war immer mal wieder kurz vor diesem Schritt, sich einweisen zu lassen, dann sagte er wieder:
Wenn ich in der psychiatrischen Klinik behandelt werde, dann ist es aus mit meinem Fußball. Das ist das Einzige, was ich kann und will und gerne mache.“

Nach den Worten Enkes haben Ängste die Depression seines Sohnes ausgelöst. „Ich bin der Meinung, dass das keine von innen entstandene, angelegte Krankheit gewesen sein kann, sondern eine, die aus den Lebensumständen heraus entstanden ist.“ Diese Angst hat sich laut seinem Vater bereits im Jugendalter entwickelt, nicht erst 2003, als sich Robert Enke erstmals in psychiatrische Behandlung begab.


Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

  • Artikel erniebert – 17.11.09
    Ich finde es nicht sehr fair,auf den Gefühlen Trauernder herumzutreten!Der Abschied von Robert Enke im Stadion war absolut notwendig,um den Freitod Enke`s zu verstehen und zu verarbeiten!Im Gegenteil,grosser Respekt gebührt Teresa Enke,dass sie diesen Schritt gegangen ist! Lasst die Fans und Freunde in Ruhe trauern-wem dies nicht gefällt,ist ja nicht gezwungen,die Berichterstattungen zu lesen !!
  • Zuviel RCA – 16.11.09
    So ehrenhaft Robert Enke als Sportler und Mensch gewesen ist, sollte er doch nicht überhöht werden.

    Die Inszenierung glich einer Papstbestattung, oder der Lady Di.

    Zuviel ist Zuviel, zumal der Suizid auch andere betroffen hat, siehe Ehefrau, aber vor allem auch die Lokführer, die ihr Leben jetzt warscheinlich mit einem Trauma rumlaufen müssen.

    Deshalb sollte man, wenn man ehrlich ist, schon den Freitod Enkes in seiner Dimension abwägen.
  • Trauerfeier Rede Wulff Holgi – 15.11.09
    Ich fand die Feier sehr würdig und ergreifend. Die Redeart von Wulff lässt sich damit erklären, dass der Mann ziemlich damit gekämpft hat die Tränen zu unterdrücken. Muss man einem Ministerpräsidenten auch zugestehen, wenn wir über das Thema Schwächen sprechen...
  • Gedenkfeier im Stadion Spunky – 15.11.09
    Es war eine sehr bewegende Veranstaltung mit 80.000 meist feuchten Augen, die noch sicher lange im positiven Sinne nachwirken dürfte.

    Ich möchte mich bedanken, bedanken bei Teresa Enke für ihr schlicht übermenschliches Verhalten nach der schrecklichen Nachricht mit der Pressekonferenz, mit der heutigen Gedenkfeier, das sie uns Trauernde Gelegenheit gab, zusammen Abschied zu nehmen, die erlebte Fassungslosigkeit gemeinsam etwas wegzuklatschen.

    Das war richtig, und das war wichtig. Ich verneige mich in tiefsten Respekt vor Teresa Enke.

    Ich bin sicher, jede/r fühlt sich etwas besser, es war wichtig für die allermeisten, egal ob nun live vor Ort oder am TV oder sonstwo.

    Ich bedanke mich aber auch beim Verein Hannover 96, der dieses Unglück wunderbar begleitete, mein Dank an Martin Kind vorneweg, an den Pressechef für die fabelhafte Moderation der Pressekonferenz, aber natürlich auch an alle Mitarbeiter/innen, die nicht im Vordergrund stehen, sondern schweren Herzens hinter den Kulissen in dieser unwirklichen Zeit mehr als im Arbeitsvertrag vereinbart gearbeitet haben und weiter zu arbeiten haben.

    Vielen Dank.
  • Trauerfeier Katja Th. aus Burgwedel – 15.11.09
    Auch wir waren bei der Trauerfeier dabei. Wir waren sehr dankbar das Sie Frau Enke uns dies ermöglicht haben, so würdevoll von Robert Enke Abschied zu nehmen. DANKE!

    Liebe Frau Enke, Liebe Leila, wir wünschen Ihnen die Kraft das Erlebte irgendwann zu verarbeiten.
    Ihnen alles Gute für die Zukunft!
  • Besinnen zur Umkehr Christiano – 15.11.09
    Die Hoffnung für einen echten Wechsel, für Veränderungen im Miteinander, darf nie mehr aufgegeben werden.
    Wer kann von sich behaupten, seine Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen und alle anderen zu kennen, wenn man dann sprachlos und mit leeren Händen zurückbleibt.
    Die Hektik und Gier gehören beiseite.
    Unsere Sinnesorgane müssen wieder funktionieren lernen.
    Und alles Geld der Welt ist an die zurückzugeben, die mit ihrer Nächstenliebe und Courage im Schatten stehen und belächelt werden.
    Mut zu Veränderungen und wieder zum echten Leben wünsche ich den Angehörigen, aber jetzt den Verantwortlichen, auch einschneidende Maßnahmen für einen Wandel zu ergreifen.
  • trauerfeier für robert enke gerd-dieter neske – 15.11.09
    Wir haben uns die Trauerfeier im TV angesehen.Die Ansprachen waren sehr bewegend,besonders vom Oberbürgermeister und von Herrn Zwanziger.
    Die vonm Ministerpräsidenten dagegen runtergeleiert!Man hätte es besser erwartet.
  • Konsequenzen aus der Tragödie él – 15.11.09
    Auf der einen Seite bin ich zwar auch dafür, dass nach diesen Tagen überwältigender Trauer wieder eine Normalität im positiven Sinne einkehrt, denn bei aller aufrichtigen Anteilnahme für diesen Klasse-Torwart und großartigen Menschen, die auch ich als langjähriger Fan persönlich empfinde, darf sich das Phänomen dieser riesigen öffentlichen Trauer nicht zu sehr verselbständigen. Das wäre sicher nicht Robert Enkes Wunsch gewesen.

    Andererseits darf es aber keine Rückkehr zur Normalität im Sinn eines bloßen "weiter so" geben. Es muss Schluss sein mit der Tabuisierung von Umständen, die am fiktiven Idealbild eines angeblich perfekten Menschen kratzen. Dass in den vergangenen Tagen auf die Notwendigkeit eines entsprechenden Umdenkens immer wieder hingewiesen wurde, gehört für mich zum positivsten Nebeneffekt dieser menschlichen Tragödie.

    Damit es jedoch nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt, ist ein angemessenes Andenken nötig - eben nicht im Sinn einer oberflächlichen institutionalisierten Heldenverehrung, sondern vor allem als Mahnung, den Menschen hinter dem Bild des Idols nicht zu vergessen und zu würdigen, mit allen Schwächen und Ängsten, die uns erst zu Menschen machen.
    Deshalb bin ich für eine Umbenennung des Stadions, die Taufe eines bislang namenlosen Platzes oder eines einzelnen Stadionblocks wird meiner Meinung nach diesem Anspruch nicht gerecht. Da vom AWD als Inhaber der teuer erkauften Namensrechte eine solch uneigennützige Geste wohl kaum zu erwarten ist, muss der Verein das Namensrecht zurückkaufen. Ökonomische Erwägungen sollten dabei auf keinen Fall im Vordergrund stehen.
    Die unbefristete Sperrung der Rückennummer 1 halte ich ebenfalls für das richtige Signal, um das Andenken an Robert Enke zu
    bewahren. Das haben andere Vereine auf der ganzen Welt aus weit weniger schwerwiegenden Anlässen getan, und ich glaube nicht,
    dass eine andere Rückennummer für seinen Nachfolger eine zusätzliche Belastung darstellt.
  • Trauerfeier Tanja aus Wunstorf – 15.11.09
    Ich war heute auch bei der Trauerfeier. Vielen Dank für diese bewegenden Worte!!! Und Frau Enke: Ihnen vielen Dank, dass wir daran teilhaben konnten. Nicht jeder hätte den Fans das ermöglicht. Ich hoffe Sie finden bald wieder in einen relativ normalen Alltag mit Ihrer Tochter zurück. Alles Gute für Sie. Gruß aus Wunstorf!
  • Trauer Gaby – 15.11.09
    FÜR
    ROBERT ENKE
    ZÜND ICH EINE KERZE AN

    ***IN MEMORY OF ROBERT ENKE***

    _________×§×§×§×§×
    ______×§×_________×§×
    ____×§×______))______×§×
    ___×§×_______((________×§×
    __×§×________()_________×§×
    _×§×________(,,,)_________×§×
    _×§×_______,",|,",_________×§×
    __×§×_____[_____]______×§×
    ___×§×___[_______]___×§×
    _____×§×_[_______]_×§×
    ___$$$$$$$$______$$$$$$$$$
    _$$$$$$$$$$$$__$$$$$$$$$$$$$
    $$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
    $$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
    $$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
    _$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
    ___$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$$
    ______$$$$$$$$$$$$$$$$$
    ________$$$$$$$$$$$$$
    ___________$$$$$$$
    _____________$$$
    ______________$

    IN STILLEM GEDENKEN UND TIEFER TRAUER
    AN DEN NATIONALTORHÜTER ......
    UND NR. 1 DER 96ER
    SCHICKT DIESES LICHT ZU SEINEN EHREN WEITER
    UM DIE GANZE WELT
  • Nr. 1 nicht wieder vergeben papa-monster – 15.11.09
    Ich kann dem nur beipflichten.

    Egal, ob morgen, in einem Jahr oder wann auch immer die Nr. 1 wieder von einem Torwart bei Hannover 96 getragen wird, so schmälert das in keiner Weise das Andenken an Robert Enke. Es liegt an jedem von uns selbst, wie wir Robert Enke in Erinnerung behalten.
  • Trauerfeier Robert Enke Heike aus Braunschweig – 15.11.09
    Die Trauerfeier hat mich tief berührt. Wir haben mit Robert Enke nicht nur einen grandiosen Torhüter, sondern auch einen liebevollen Menschen verloren.

    Liebe Frau Enke, liebe Leila,

    ich wünsche Euch für die Zukunft viel Kraft, das Erlebte zu verarbeiten. Behaltet Robert so in Erinnerung wie er war - ein großartiger Mensch ....
  • ..nie mehr die Nr. 1 vergeben... Ingo Pook – 15.11.09
    Auch ich bin als eingefleischter 96-Fan entsetzt und traurig über den Tod von Robert Enke. Ich begrüße es, wenn die hannoversche Fankurve in"Robert-Enke-Kurve" umbenannt wird, damit die Persönlichkeit dieses tollen Menschen erhalten bleibt. Aber nie mehr die Nr. 1 vergeben? Welcher junger Torwart soll denn dann in Hannover Fuss fassen? Für Florian Fromlowitz wird es sicher ohnehin eine schwere Zeit "nach Robert" im Stadion zu stehen und immer zu wissen, dass ein anderer Torwart verehrt wird. Gebt den Spielern eine Chance, zumindest sportlich die Nr. 1 zu sein. Und die soll er dann auch auf dem Rücken tragen.

Anzeige

Bild des Tages

Mit diesen Tretern schlittert Hannover bei Eis und Schnee durch die Innenstadt. Und was tragt Ihr? Diskutiert mit uns auf http://www.facebook.com/neuepresse.

zur Galerie

Bürger schreiben Nachrichten

Die lokale Mitmach-Plattform unserer Zeitung

MYHEIMAT.DE

Die lokale Mitmach-Plattform unserer Zeitung: Bürger berichten aus Ihrem Heimatort. Die besten Beiträge werden in Ihrer Zeitung abgedruckt. mehr


 

Leserservice

Kostenloses Probeabo

Wir möchten Sie einladen, die Neue Presse auszuprobieren - und zwar kostenlos und völlig unverbindlich. Bestellen Sie die NP zwei Wochen lang gratis und genießen Sie währenddessen alle Vorzüge eines vollwertigen Zeitungsabos. mehr