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Im Publikum: Nach dem Film tauscht sich Philippe de Chauveron im Kino am Raschplatz mit den Zuschauern aus.

Im Publikum: Nach dem Film tauscht sich Philippe de Chauveron im Kino am Raschplatz mit den Zuschauern aus.
 © Michael Wallmüller

Kinofilm

de Chauveron: „Man sollte über alles lachen können“

Es war eine ganz besondere Premiere im Kino am Raschplatz: Philippe de Chauveron (51) hat seinen brandneuen Film „Alles unter Kontrolle“ vorgestellt. Die NP sprach im Anschluss mit dem Regisseur, den die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ berühmt gemacht hat, über die Flüchtlingskomödie.

hannover.  Erst der Film, dann eine Frage-und Antwort-Runde mit dem Publikum. Anschließend hatte die NP die Gelegenheit, den französischen Filmemacher zu sprechen.

Monsieur de Chauveron, eigentlich schreiben Sie ja erst das Drehbuch und suchen sich dann die Schauspieler. Bei Ihrem aktuellen Film war es andersherum.

Das war auch das erste Mal, dass ich es so gemacht habe. Die Gefahr ist nämlich, dass die Wunsch-Schauspieler dann gar keine Zeit haben und man enttäuscht ist. Bei „Alles unter Kontrolle“ habe ich von Anfang an an Ary Abittan und Medi Sadoun für die Hauptrollen gedacht und das Drehbuch auf sie zugeschrieben.

Die beiden haben ja in „Monsieur Claude und seine Töchter“ mitgespielt.

Richtig, dort haben sie sich kennengelernt und bereits nach fünf Minuten am Set allerlei Schindluder getrieben. Es ist eine Freundschaft entstanden, die zwei sind mittlerweile wie Brüder. Aber in erster Linie sind sie großartige Schauspieler.

Sie haben mit echten Flüchtlingen gedreht. Warum?

Das war mir sehr wichtig, denn so konnte ich dem Film eine Wahrhaftigkeit und Realität geben, die sonst gar nicht möglich gewesen wäre. Am Ende des Films ist zum Beispiel ein Musiker zu se­hen, der mir viel von seiner Geschichte erzählt hat. Das hat das Drehbuch genährt. Allzu viel wollte ich aber nicht recherchieren, es sollte ja eine Komödie werden und kein Dokumentarfilm. Und ich hatte auch Angst, dass es mich blockiert, wenn ich zu stark in die Geschichten eintauche.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen, dass die Flüchtlingsproblematik nichts für eine Komödie ist?

Man sollte über alles lachen können, wenn man nicht zy­nisch dabei ist. Das Leben ist doch schließlich etwas zwischen Tragödie und Komödie, beides ernährt sich ge­genseitig. Wenn man aus schweren Themen keine Ko­mödien mehr machen kann, können wir bald auch nicht mehr Themen wie die Mafia und Kriege aufgreifen. Au­ßerdem bin ich mit einem wohlwollenden Blick an die Geschichte herangegangen. Mir ist natürlich bewusst, dass man sehr sensibel mit der Thematik umgehen muss.

Musik ist in dem Film auch zu hören: Als die beiden Jungs im Nachtclub in einen Drogenrausch geraten, ist „Still Loving you“ von den Scorpions zu hören. Die Band kommt übrigens aus Hannover!

Echt ()?! Ich bin alt, und das Lied ist es auch. Es erinnert mich an meine ersten Feten, die ich gefeiert habe, ich liebe diesen Song einfach. Deshalb wollte ich ihn einfach unbedingt für diesen Film haben. Auch wenn es hieß, dass es die Produktion eine Menge kosten wird.

„Monsieur Claude und seine Töchter“ haben bislang 22 Millionen Zuschauer weltweit gesehen. Messen Sie sich selbst an dem Erfolg?

Der Erfolg war ein Gottesgeschenk und hat möglich ge­macht, dass ich weiterarbeiten kann. Ich habe aber keinen Druck, denn es ist nun mal das Leben eines Regisseurs, auch mal weniger erfolgreich zu sein.

Woran werden Sie als Nächstes arbeiten?

An einer Fortsetzung von Monsieur Claude und seinen Töchtern! Der zweite Teil wird im nächsten Jahr gedreht. Mit dem neuen Film komme ich dann gerne wieder nach Deutschland zurück: Nach Frankreich war er hier nämlich am erfolgreichsten.

Zum Schluss noch etwas Politisches: Frankreich hat gewählt. Was denken Sie?

Grundsätzlich ist es nicht gut, wenn Populisten aufsteigen, ganz gleich, ob aus dem rechten oder linken Lager. Wenn ich mir die Entwicklungen so ansehe, habe ich manchmal das Gefühl, dass die Leute all das, was in der Vergangenheit passiert ist, vergessen haben.

„Alles unter Kontrolle“ läuft noch bis Mittwoch um 14.30, 16.30, 18.30 und 20.30 Uhr in den Hochhaus-Lichtspielen.

Von Mirjana Cvjetkovic

hochhaus lichtspiele