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Mensch-Hannover Zschöckner ist himmlischer Liebesvermittler für Christen
Menschen Mensch-Hannover Zschöckner ist himmlischer Liebesvermittler für Christen
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16:22 28.12.2018
GLÜCKLICH VERHEIRATET: Tobias Zschöckner will anderen Christen bei der Suche nach dem Partner fürs Leben helfen. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Die Frage, ob er Heiligabend in der Kirche war, erübrigt sich bei diesem Mann. „Gottesdienst gehört dazu“, beschreibt Tobias Zschöckner (39) seine Sonntags-Routine. An hohen kirchlichen Feiertagen besucht er deshalb natürlich die Kirche zusammen mit seiner Frau (36) und den beiden Kindern (3 und 1). „Ich will meinen Glauben leben.“

Das machte allerdings die Partnersuche für den evangelischen Ingenieur mit dem markanten Glatzkopf und der auffälligen Brille nicht leicht. Aufgewachsen ist er in Dresden. „In einem gläubigen Elternhaus“, wie er betont. Zu DDR-Zeiten galten christliche Werte und Normen in seinem Umfeld aber nicht viel. „Es gab aber keine Repressalien“, betont der 39-Jährige. Stattdessen einen kleinen Vorteil: „Ich musste nicht zum Pioniernachmittag, hatte mittwochs immer frei“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln.

Die Dating-Plattform gründet Zschöckner „aus Eigeninteresse“

Nach der Wende wechselte er auf ein christliches Gymnasium, ging zum Maschinenbau-Studium nach Erlangen, seit acht Jahren lebt er in Hannover. Ernüchtert stellte der Sachse aber fest, dass der Glaube im Westen häufig „keine große Rolle im Leben der Menschen spielt“.

Die Dating-Plattform „Himmlisch-plaudern.de“ hat er 2008 gegründet – „aus Eigeninteresse“, wie er zugibt. Frühere Beziehungen seien in die Brüche gegangen, „ich wollte etwas Dauerhaftes, Familie, Kinder.“ Und vor allem eine Frau, mit der er seinen Glauben im Alltag teilen kann. „Nicht im stillen Kämmerlein, sondern gemeinsam.“ Ein Gebet vor dem Essen gehört für ihn dazu, Sohn und Tochter aus der Kinderbibel vorzulesen ebenso.

„Die Ehe ist das Ziel“, erklärt Zschöckner

„Himmlisch-plaudern“ ist bis heute sein Hobby („ich trenne das rigoros vom Job, damit befasse ich mich erst ab 18 Uhr“), allerdings steht die Plattform heute auf professionellen Füßen. „Anfangs war das eine One-Man-Show“, erinnert er sich an lange Abende, an denen er jedes einzelne Profil prüfte und Fake-Liebessuchende aussortierte. Heute kümmern sich bis zu zehn ehrenamtliche Mitarbeiter und zwei Programmierer darum, moderieren die Gruppen-Chats. Denn die Suche nach der Liebe ist eine ernste Angelegenheit für den aktiven Christen: „Die Ehe ist das Ziel. Ich interpretiere die Bibel so, dass man diesen Schritt gehen sollte.“

DAS ZIEL: Paare, die sich bei „Himmlisch-plaudern.de“ finden, heiraten in der Regel auch. Quelle: dpa-Zentralbilddpa-Zentralbild

Christ sucht Christ – das sei im Alltag nicht einfach, Zschöckner weiß das aus Erfahrung. „Man trägt ja kein Schild auf der Stirn mit sich herum.“ Man treffe zwar in der eigenen Gemeinde und aus Kirchentagen Gleichgesinnte, wenn der Funke aber nicht überspringe, bleibe da „eine Lücke, die wir ausfüllen“. 50 000 Mitglieder hat „Himmlisch-plaudern“ inzwischen, täglich kommen 60 neue dazu, am 28. Dezember waren nachmittags zum Beispiel 704 Menschen online – nicht nur, um die Liebe ihres Lebens zu finden.

Die Christen diskutieren auch kontroverse Themen

In Chats laufen Debatten zu Bibelstellen oder theologischen Themen, man kann sich zu Kinoabenden oder Sportaktivitäten zusammenschließen, in einem gesonderten Bereich mit- und füreinander beten. Oder im Forum politische Diskussionen führen. Eines der heißesten Themen der vergangenen Wochen? „Kann man als Christ in der AfD sein? Das wurde kontrovers besprochen“, so Zschöckner.

Zschöckner freut sich über „2,2 Erfolgsmeldungen“ pro Tag

In Sachen Liebe haben die himmlischen Plaudereien aber eine Erfolgsquote vorzuweisen, die so manche Internet-Partnervermittlung vor Neid erblassen lässt: „2,2 Erfolgsmeldungen pro Tag“, sagt Zschöckner stolz. „4800 Leute waren bisher erfolgreich, drei Paare haben sich sogar in meiner eigenen Gemeinde gefunden.“ Immer wieder bekommt er Hochzeitsbilder von glücklichen Paaren.

Und wo hat er seine Frau kennengelernt? Hat es bei einer himmlischen Plauderei gefunkt? Zschöckner lächelt verschmitzt. „Ich habe sie auf einer Party bei Freunden kennengelernt.“

So funktioniert „Himmlisch-plaudern.de“:

Keine Mitgliedsbeiträge, keine überraschenden Rechnungen: „Himmlisch-plaudern.de“ ist kostenlos und finanziert sich über Werbebanner. „Das ist mir wichtig“, betont Gründer Tobias Zschöckner (39). Auch der Name solle signalisieren, dass man „unverkrampft“ Kontakt aufbauen und eine „Projektionsfläche für Gott“ finden könne, das Wolkensymbol im Seitenkopf stehe für „Wolke sieben“. Die Seite vernetzt evangelische und katholische Gläubige, die sich über Gott, die Bibel und Kirche auseinandersetzen wollen. Man kann sich für Freizeitaktivitäten verabreden, Bibelkreise bilden, Musikgruppen gründen.

Frauen sind „knapp in der Mehrheit“, so Zschöckner. Möglicher Grund: „Sie nehmen oft den Glauben in ihrem Leben ernster.“ Die meisten Mitglieder sind 25 bis 40 Jahre alt. Erster Schritt zur Kontaktaufnahme: Man kann mit einem Klick ein Lächeln oder Blumen senden.

Von Andrea Tratner

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