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FACHKUNDIGER TV-MODERATOR:Im LiterarischenSalon im Conti-Foyer am Königsworther Platz nimmt sich Ingo Zamperoni vor der Veranstaltung Zeit für die NP.Foto: Wallmüller

FACHKUNDIGER TV-MODERATOR: Im Literarischen Salon im Conti-Foyer am Königsworther Platz nimmt sich Ingo Zamperoni vor der Veranstaltung Zeit für die NP.© Michael Wallmüller

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Menschen

Zamperoni zurück in der Vergangenheit

Für einen Abend zurück an den Ursprung seines journalistischen Wirkens: Ingo Zamperoni (42) war Dienstag Gast im Literarischen Salon. Mit der NP sprach der „Tagesthemen“-Moderator über Hannover, Donald Trump (70) und (k)einen Schlusssatz.

Hannover. Man kann es ihm ansehen, er strahlt es aus - dieser Mann ist gern in Hannover. Von Jetlag keine Spur, dabei ist Ingo Zamperoni (42) gerade erst vor ein paar Stunden aus den USA nach Deutschland zurückgekehrt. Und die grauen Haare, die sich durch den dunklen Schopf ziehen, wird er vor dem Überseeflug auch schon gehabt haben. „Hannover wird quasi für immer ein wichtiger Startort meiner journalistischen Karriere sein“, sagt er und lacht, „ich habe hier volontiert, hier habe ich meine ersten Moderationen gemacht. Ich habe sehr, sehr gute und sehr nette Erinnerungen an diese Stadt.“ Zu Expo-Zeiten hat er seine Ausbildung beim NDR gemacht, nach der Arbeit ging es gerne mal aufs Expogelände zu den legendären Partys oder an den Maschsee: „Da habe ich zum ersten Mal Lüttje Lage kennengelernt und getrunken“, erinnert sich Zamperoni. Kleckerfrei? „Mit Sicherheit nicht.“

Der 42-Jährige hatte aber ganz andere Themen mit nach Hannover gebracht, der neu gewählte Präsident von Amerika war das heißeste. Als Nachrichtenmann, der zuletzt knapp drei Jahre am Puls der Politik in Washington gelebt und gearbeitet hat, ist er derzeit ziemlich gefragt in dieser Angelegenheit. „Wir haben eigentlich schon erwartet, dass sich Hillary Clinton durchsetzen wird“, so der USA-Kenner zur NP, „dann dachten wir, okay, schillernde Figuren, die gibt es ja immer im US-Wahlkampf, dann setzen sich aber die etablierten Kandidaten durch.“ Ein Trugschluss, „relativ schnell haben wir gemerkt, dass Trump so einiges zum Schwingen bringt.“

Aber dass der 70-Jährige sich tatsächlich durchsetzen würde, hätte auch Zamperoni nie im Leben gedacht: „Er hat Dinge gesagt und getan, die jeden normalen Politiker sofort die Karriere kosten würde. Aber er ist eben kein normaler Politiker.“ Nachdem sich Trump als Präsidentschaftskandidat durchgesetzt hatte, ahnte auch Zamperoni: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass er Präsident wird. Auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte.“

Der Journalist hat ein 45-minütiges Feature über Trump gemacht, hat den Mann, der bald im mächtigsten Amt der Welt ist, oft auf Veranstaltungen gesehen, sogar mal kurz gesprochen! Nach der ersten Debatte bekam ihn Zamperoni vor das ARD-Mikro: „Er machte auf mich einen ziemlich beratungsresistenten Eindruck, hat aber gleichermaßen ein sehr gutes Gespür dafür an den Tag gelegt, was die Leute hören wollen.“ Dass Trump sich für Amerika ins Zeug leben will, nimmt ihm der 42-Jährige nicht so richtig ab: „Ich glaube, er wollte Präsident werden, aber ich weiß nicht, ob er es wirklich sein will.“ Mehr als vier Jahre Amtszeit gibt ihm Zamperoni nicht. „Ich habe nicht verstanden, warum man ihm so viel durchgehen lässt. Es war sicherlich auch eine Protestwahl.“

Was glaubt er, können wir eigentlich im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 von dem US-Wahlkampf lernen? „Ganz wichtig ist es, sofort zu benennen, wenn etwas gegen unsere Werte verstößt. Da müssen wir klare Kante zeigen“, betont der Deutsch-Italiener, „alles, was wir Journalisten tun können, ist, Fakten liefern. Auch wenn Trump gezeigt hat, dass Fakten vielen Menschen egal zu sein scheinen.“

Wie sich der Wahlkampf hier entwickelt, wird der „Tagesthemen“-Sprecher ganz genau beobachten können: Ein Umzug nach Hamburg steht an, auch seine amerikanische Frau und die drei Kinder kommen nach. Was er wohl aus den USA vermissen wird? „Das Wetter!“, sagt er wie aus der Pistole geschossen und schaut etwas wehmütig durchs Fenster auf den verregneten Königsworther Platz: „Und die Offenheit der Menschen. Dieses schnell ins Gespräch kommen, die Unverblümtheit der Amerikaner - das wird mir schon fehlen.“

Apropos fehlen - was ist denn jetzt mit dem berühmten Schlusssatz bei der Nachrichtensendung der Republik? „Ach, da haben mich so viele nach gefragt“, sagt Zamperoni und lacht laut auf, „ich mache mir da aber keinen Stress. Das ist ein bisschen wie mit einem Tattoo, das man hat. Und dann gefällt es einem doch nicht.“ Hoffnung hat ihm Ulrich Wickert (73) per Mail gemacht. Darin schrieb er: „Ich habe für meinen Schlusssatz Jahre gebraucht, bis ich ihn hatte.“ Das sieht der Moderator ganz gelassen: „Man muss ja nicht zwingend einen haben. Und wenn ich doch merke, dass mir eine Formulierung gefällt, kann ich es ja ausprobieren.“ Und wenn nicht? „Dann muss Deutschland ohne einen Schlusssatz leben.“ Punkt.


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