Navigation:
|
Porträt

Wise Guys - Fünf Schlaumeier machen Schluss

„Wir hatten eine gute Zeit“, so heißt die Biografie der Wise Guys. Die erfolgreichste deutsche A-cappella-Band macht 2017 Schluss. Die NP sprach mit Sänger Nils Olfert (39) über den Hannover-Hexenkessel, das Knistern in der Band und den „letzten Ritt“.

3333-mal hat jeder der fünf Wise Guys seinen Namen unter eine limitierte Auflage der Biografie gesetzt, die morgen unter dem Titel „Wir hatten eine gute Zeit“ erscheint. Tut das Handgelenk noch weh? Nils Olfert (39), der seit sieben Jahren in der erfolgreichsten deutschen A-cappella-Band singt, stöhnt bei der Erinnerung an den Schreibmarathon. „So oft habe ich noch nie eine Unterschrift gemacht.“ Hat sich aber gelohnt, die signierten Exemplare sind längst weg, die gesamte erste Auflage des Buches ist bereits durch Vorbestellungen ausverkauft.

Die Wise Guys sind ein Phänomen: 25 Jahre Bandgeschichte seit dem Start als Schüler-Combo am Kölner Hildegard-von-Bingen-Gymnasium, wo sich die Gründungsmitglieder um Daniel „Dän“ Dickopf (45) Edzard „Eddie“ Hüneke (45) und Marc „Sari“ Sahr (45) kennenlernten. 15 Alben. Fünf Goldene Schallplatten. Ein Echo. Der Weltrekord für das größte A-cappella-Konzert. Eine ausverkaufte Jubiläums-Tour. Die „Schlaumeier“ (Wise Guys übersetzt) stehen auf dem Zenit.

Warum zieht man da die Reißleine? „Eddie hat uns vor eineinhalb Jahren ganz überraschend gesagt, dass er aussteigen will“, erzählt Olfert. Auch Bass Andrea Figallo (44) wollte sich langfristig umorientieren. Der Rest der Band überlegte lange: „Haben wir die Kraft, zwei neue Sänger zu suchen, die musikalisch und menschlich passen? Es geht ja auch um den Geist, den Spirit der Band.“ Der Entschluss fiel schwer: „Aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Und noch mal richtig Gas geben. Derzeit stecken die Wise Guys in den kräftezehrenden Proben, demnächst startet die Tour mit mehr als 100 Konzerten. „Das wird ein wilder, letzter Ritt“, glaubt Olfert. Der auch dreimal nach Hannover führt. Für den 39-Jährigen ist das Capitol ein besonderer Ort, dort gab er 2008 seinen - noch inoffiziellen - Einstand als Ersatz für Gründunsmitglied Clemens Tewinkel (46). „Ein dickes Ding, mir haben die Knie geschlottert“, erinnert sich Olfert. Er habe nicht gewusst, wie die Fans auf den Wechsel reagieren. Aber: „Es war total genial, ich bin mit warmem Applaus empfangen worden. Und war fast traurig, dass ich nach zwei Liedern wieder runter von der Bühne musste.“

Olfert hatte Blut geleckt. Auch, weil Konzerte im Capitol etwas Besonderes sind: „Ein Hexenkessel“, schwärmt der Sänger. „Die Leute singen intensiv und laut mit.“ Für dieses Gefühl hatte er 2008 eine „180-Grad-Wende“ in der Karriereplanung gemacht. Eigentlich war der Kieler Hobbymusiker in der Endphase der Diplomarbeit seines Biologiestudiums. Dann stieß eine Freundin auf die Stellenausschreibung der Wise Guys. Der Mann mit der Tenorstimme bewarb sich, wurde zum Casting eingeladen (für das er sogar seine Hochzeitsreise unterbrach) - und spürte sofort „das Knistern“ in der Band. „Die Chemie stimmte. Ich habe gefühlt: Da ist mehr drin.“ Zum Beispiel ein Kirchentag-Konzert vor 70 000 Menschen („ein Robbie-Williams-Feeling“) und das Gefühl, einen Traum realisiert zu haben. „Das Publikum hat mir so viel Glück und Energie zurückgegeben.“

Der Abschied im Juli 2017 wird schwer fallen. „Wir bleiben Freunde, aber jeder geht seinen Weg“, glaubt Olfert. Er geht ihn zusammen mit Bandkollege Dickopf. „Wir sind dabei, eine neue Combo zu besetzen, arbeiten gerade an der Namensfindung.“ Und wie sieht es mit einem Wise-Guys-Comeback aus? „Nein“, sagt er entschieden. Und schiebt den alten James-Bond-Satz hinterher. „Man soll aber niemals nie sagen.“

INFO

Die Biografie: „Wir hatten eine gute Zeit“ von Verena Koll und den Wise Guys (Schwarzkopf, 336 Seiten, 19,99 Euro) mit vielen Anekdoten und Privatfotos der Sänger erscheint morgen. Das Vorwort hat Medizin-Kabarettist Eckart von Hirschhausen geschrieben. Q Die Tour: Die Konzerte im Capitol (Schwarzer Bär) am 11. November und 17. März sind bereits ausverkauft, Karten für den Zusatztermin am 16. März (ab 20 Uhr) kosten 37,30 Euro im NP-Ticketshop (zum Beispiel Lange Laube 10) oder unter www.tickets.neuepresse.de


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Werfen Sie mal einen Blick auf den Unterarm des Pflegers. So wie der sich kratzen lässt, zeigt er offenbar vollen Einsatz bei der Baby-Tiger-Aufzucht in Ungarn.

zur Galerie