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Der Extrem-Bergsteiger: Reinhold Messner.

Der Extrem-Bergsteiger: Reinhold Messner.© Movienet

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NP-Interview

„Wir sind doch alle in Todesgefahr“

Er bezwang als Erster den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske, stand auf den Gipfeln aller 14 Achttausender, durchquerte die Antarktis und die Wüste Gobi zu Fuß. Mittwoch spricht der Abenteurer Reinhold Messner im Theater am Aegi über sein „Leben am Limit“.

Hannover. Sie sind jetzt 68 Jahre alt. Was war der letzte Gipfel, den Sie bestiegen haben?

Das war erst gestern. Ich bin in meinem „Messner Mountain Museum“ in Juval in der Schweiz. Mein Hausberg hier ist aber nur etwa 2000 Meter hoch. Ich brauche das - einmal pro Woche muss ich einen Berg „gehen“.

Ist es vorbei mit den großen Abenteuern?

Mit 25 bin ich extrem geklettert, mit 35 habe ich die Achttausender bestiegen, mit 45 Wüsten durchquert. Ein Viertausender ist heute die Grenze - weil meine Geschicklichkeit und Ausdauer nachlassen. Das habe ich mir einzugestehen. Ich habe langsam gelernt, „kleiner zu treten“.

Die Vortragsreihe „Leben am Limit“ ist ein Blick in Ihre Vergangenheit ...

Ich erzähle den Leuten Geschichten. Ich habe Ereignisse zwischen meinem 15. und 69. Lebensjahr herausgegriffen, untermauere das mit Bildern und Filmausschnitten. Ich sehe mich als Stellvertreter für alle, die nicht das Glück hatten, ihr Leben lang zu reisen, sondern etwas Praktisches oder Nützliches getan haben.

Wie oft in Ihrem Leben waren Sie in Todesgefahr?

Ach, wir sind doch alle in Todesgefahr, immer. Mit der Geburt haben wir uns auch das Sterben eingehandelt. Wir Bergsteiger begeben uns freiwillig in Situationen, in denen wir umkommen können. In Todesgefahr war ich nicht oft. Vielleicht ein halbes Dutzend Mal stand es auf der Kippe.

Wie begegnet man dann der Angst?

Man nimmt sie gar nicht wahr. Das ist Konzentration pur. Der Selbsterhaltungstrieb übernimmt die Kontrolle - und der ist clever! Alle Fähigkeiten werden mobilisiert. Es ist psychologisch interessant, was da passiert.

Spielt der Instinkt eine Rolle?

Wir waren alle mal Tiere, der Instinkt hilft Tieren beim Überleben. Aber der Mensch hat den Instinkt in den letzten 3000 Jahren zu einer eher negativen Kraft gemacht. Ich behaupte, er ist mindestens so wichtig wie der Intellekt. Wenn es knapp wird, wird mich mein Instinkt retten, nicht meine Gescheitheit.

Felix Baumgartner ist vom Rand des Weltraums mit dem Fallschirm gesprungen. Wo hört Sport auf, wo fängt die Show an?

Das war weder Sport noch Show - sondern eine Mischung aus einer technologischen Herausforderung und einer großen Mut-Frage. Ich habe großen Respekt davor, dass er diese Herausforderung angenommen hat. Ich würde mich das nicht trauen.

Immer mehr Leute trauen sich immer mehr. Am Mount Everest herrscht ein Riesengedränge.

Das ist kein Abenteuer mehr, das ist Tourismus. Der Mount Everest hat heute eine Infrastruktur, damit man Touristen hinaufbringen kann. Sauerstoffflaschen werden deponiert, Helfer stehen bereit, es gibt Versorgungsstationen. Das ist ein Markt.

Was heißt das für Sie?

Ich habe mehr Platz denn je für mein Spiel. Die anderen gehen dorthin, wo alle schon sind - und tun anschließend nur so, als wären sie dort allein gewesen. Ich gehe in die Wildnis, dorthin, wo niemand ist.

Haben Sie auch schon mal Strandurlaub gemacht?

Kürzlich in Costa Rica bin ich mit meinem Sohn auf die Berge gestiegen - und mit der Enkelin an den Strand gegangen. Aber normalerweise mache ich so etwas nicht (lacht).

Karten für „Leben am Limit“ im Theater am Aegi kosten 29,35 bis 35,95 Euro, Beginn ist um 20 Uhr.