Navigation:

SEINE LIEBLINGSGITARRE: Winnie Martin mit der Fender Stratocaster von 1968 in seinem Studio auf der Leineinsel Döhren. Die Gitarre spielte er auch in der „ZDF-Hitparade“.© Frank Wilde

Schlager

Winnie Martin - Ein Urgestein muckt immer wieder auf

1984 landete er mit „Hey, hey Marlene“ einen riesigen Sommerhit, der noch heute gecovert wird. Der Vollblutmusiker Winnie Martin (62) blickt auf eine bunte Karriere zurück - und arbeitet aktuell an einem Album über Hunde.

Der Song ist schon jetzt einer der Sommerhits 2015 auf Mallorca: „Hey, Hey, Helene“ von Newcomer Alex Stark bringt das Partyvolk in Diskos wie dem „Bierkönig“ in Wallung und ist mittlerweile auch im Radio zu hören.

Was viele nicht ahnen: Vor mehr als 30 Jahren - 1984 - war der Hit aus der Feder von Winnie Martin (62) schon einmal ein Sommerhit. Damals hieß der Titel „Hey, Hey Marlene“. Der Hannoveraner und seine Band High Life Skiffle Group schafften es damals mit dem Lied sogar auf Platz drei der „ZDF-Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck (77). Die Band war bei Musikproduzent Ralph Siegel (69) unter Vertrag. „Als uns die Plattenfirma anrief, um uns zu sagen, dass wir ein paar Tage später in der Hitparade auftreten sollten, konnten wir es kaum fassen“, erinnert sich Winnie Martin. Immerhin hatte die Show etwa 30 Millionen Zuschauer. „Außer uns sind damals Bands wie die Münchner Freiheit, Andy Borg oder Rex Gildo dort aufgetreten. Anschließend haben wir in der Todeszelle, der Bar vom Schweizer Hof, gefeiert“, sagt Martin und erzählt ein paar Anekdoten - mit dem Hinweis, dass man die besser nicht in der Zeitung veröffentlichen sollte. Es war eine wilde Zeit damals.

Der Auftritt bei der „Hitparade“ blieb nicht die einzige Fernseherfahrung für die High Life Skiffle Group. Die Musiker waren nach ihrem Durchbruch mehr als 50-mal in Sendungen wie dem „Fernsehgarten“, bei der „Aktuellen Schaubude“ oder „Alles nichts oder“ zu sehen. In den nächsten Jahren standen sie etwa 150-mal gemeinsam auf der Bühne. Bis heute hat sich „Hey Hey Marlene“ mehr als eine Million Mal verkauft. Selbstverständlich gab es zu dem Sommerhit auch ein Musikvideo. „Wir haben es innerhalb eines Tages am Maschsee gedreht“, erzählt Martin, „die Badegäste wussten gar nichts davon.“

Für den Musiker, der eigentlich den Blues im Blut hatte, brachte der Erfolg im Schlagerfach aber nicht nur Gutes mit sich. „In der hannoverschen Musikszene wurde ich danach als Schlagerfuzzi abgestempelt“, erzählt er. Das hat dem 62-Jährigen, der bis heute als Songschreiber, Produzent, Sänger, Gitarrist und Bassist sein Geld verdient, allerdings nie geschadet. Er arbeitete für die Schlagersänger Klaus Baumgart (60) und Klaus Büchner (67) alias Klaus & Klaus, für die Rock-’n’-Roll-Band Buddy & The Cruisers und für Rock- und Bluesmusiker Ray Dorset (69) - besser bekannt als Mungo Jerry („In the Summertime“). Erst 2011 war er mit Mungo Jerry in Ungarn auf Tournee. Mit Buddy & The Cruisers steht er pro Jahr etwa bei 70 Auftritten auf der Bühne. Mit Hannover-Rocker Dete Kuhlmann (67) hat Martin 2012 das Album „Fenster zum Hof“ aufgenommen. Aktuell arbeitet er an einem Projekt, das ihm besonders am Herz liegt: einer CD zum Thema Hunde - sein Jack-Russell-Terrier Lucky (7) hat ihn auf die Idee gebracht. Zu den zwölf Titeln, die er im Herbst veröffentlichen will, gehören Songs wie „Ein weißer Hund im Schnee“ und „Mein Hund hat keine Mastercard“.

Am liebsten steht der Vollblutmusiker allerdings auch heute noch auf der Bühne. An seinen ersten Auftritt vor Publikum, viele Jahre vor dem Durchbruch mit „Hey Hey Marlene“, kann er sich noch genau erinnern. „Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich mit Schulfreunden in einer Band gespielt. Sie hieß Beat Stones“, erzählt er, „wir sind damals im Gemeindehaus der St.-Bernward-Kirche aufgetreten.“

Alex Stark ist übrigens nicht der erste Musiker, der Winnie Martins größten Hit neu aufgelegt hat. „Der Titel ist schon etwa siebenmal gecovert worden“, weiß der Hannoveraner. Zuletzt von den Klostertalern, einer österreichischen Volksmusikgruppe. „Sie haben es vor zwei Jahren bei ihrem Abschiedskonzert gesungen. Davon gibt es auch eine DVD“, erzählt Martin - und schwärmt: „Wenn du siehst, wie 45 000 Menschen mitsingen, ist das schon geil.“

VISITENKARTE

Winnie Martin

Geboren 29. März 1953 in Neustadt am Rübenberge, aufgewachsen in Hannover. Er begann bereits im Alter von acht Jahren, Gitarre zu spielen. Nach dem Abitur studierte er zunächst Wirtschaftswissenschaften, entschied sich dann aber doch für eine Karriere als Musiker. Seine erste Band war die Beatgruppe Beat Stones. Etwa 1970 wurde er ein fester Bestandteil der hannoverschen Musikszene, die sich damals hauptsächlich im Leinedomizil an der Karmarschstraße traf.

www.winnie-martin.de


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Der Himmel brennt: NP-Leserin Sina Schröder fotografierte den atemberaubenden Sonnenuntergang in Döhren.

zur Galerie