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Mann mit Biss: Designer Ulli Hahn wirbelt in der Küche, und Freundin Lena Staab schaut begeistert zu. Foto: Behrens

Hausbesuch

Wild und rockig: Ulli Hahn ist ein Unikat

Er zählte schon immer zu den wilden Jungs der Stadt. Designer Ulli Hahn (47) macht mit seinen rockigen Kreationen Hannovers Männer optisch zu echten Kerlen. Der NP zeigte er sein Zuhause – mit vollen Kleiderschränken, glitzernden Totenköpfen und Fleisch aus dem Beefer.

Hannover. Der Hausherr begrüßt die Gäste im schwarzen Oversized-Shirt mit weit ausgeschnittenem Halsausschnitt und abgeschnittenen Ärmeln sowie einer roten, extrem lässigen Lederjogger des In-Labels Tigha. Die langen Haare hat Ulli Hahn (47) zu einem kleinen Knoten am Hinterkopf zusammengebunden. Betrachtet man auch den Bart, lässt sich da eine gewisse Ähnlichkeit mit Hollywoodschauspieler Jeff Bridges (66) nicht verleugnen.

In seinem Geschäft an der Schmiedestraße bietet Hahn lässige Luxus-Desi-gnermode aus London und Los Angeles, aber auch seine eigene „Ullikat“-Kollektion an. Die zeichnet sich durch dunkle Farben, viele Nieten oder Swarovski-Steine und eigenwillige Schnitte aus. Schlagerstars wie Heino (77) und Matthias Reim (58) lieben den Look ebenso wie Matthias Jabs (60) von den Scorpions, Ex-Bachelor Paul Janke (34) oder Fußballer Diego Benaglio (32). Was Ulli Hahn so erfolgreich macht: Der Designer lebt seine Botschaft – er ist sein bestes Model.

Auch privat. Seine Altbauwohnung ist kultig und stylish. Standardmöbel findet man hier nicht. Jedes Teil ist besonders ausgesucht, hat einen eigenen Look. „Ich schaue gerne in Wohnzeitschriften oder im Internet, manchmal auch auf Flohmärkten nach coolen Sachen, es muss mir eben hundertprozentig gefallen“, sagt Hahn. Seine Sammlung an Kreuzen, glitzernden Totenköpfen, Nieten und Buddhafiguren ist beträchtlich. Kunst hängt an den Wänden – viel stammt von Hahn selbst, gut daran zu erkennen, dass dann sein eigenes Logo die Leinwand ziert.

Sein neuestes 
Heiligtum aber steht in der Küche: ein Beefer. Das Küchengerät sieht auf den ersten Blick recht unspektakulär aus. Es ist ein schmaler Spezialgrill mit mattsilbernem Metallgehäuse und einer vorderen Öffnung. Aber der Beefer hat es in sich, er wurde für echte Fleisch-
freaks entwickelt. In nur 60 Sekunden grillt er das perfekte Steak – allein mit 800 Grad Oberhitze.

„Mindestens fünfmal die Woche brauche ich richtiges Fleisch“, sagt Hahn, „seitdem ich den Beefer habe, bleibt mein Grill kalt.“ Neben Mode ist Kochen Ulli Hahns zweite große Leidenschaft. Beim „perfekten Dinner“, der Kochsendung auf Vox, hat er als Kandidat teilgenommen und wurde Zweiter – das kratzte schon am Ego. Ulli Hahn ist ein Mann, der eben gern als Sieger dasteht: „Die anderen meinten, ich sei immer ein wenig drüber, aber so bin ich echt. Das ist keine Show!“ Ein Erinnerungsstück aus der Sendung hat Hahn noch im Flur stehen: Vier Champagnerkelche vom berühmten 
Schuhdesigner Christian Louboutin (53), die aussehen wie hochelegante High Heels. Diese Raritäten sind jetzt auf einem Piper-Heidsieck-Kissen platziert und können durch die durchsichtigen Absätze sogar von unten indirekt beleuchtet werden.

Im Esszimmer dominiert ein rustikaler Esstisch den Raum. Statt Sets gibt es schwarze Schieferplatten, die Stühle sind Antiquitäten, an den Wänden hängt ein Gemälde von einer nackten Frau, die sich lasziv räkelt. Das Steak aus dem Beefer serviert Ulli Hahn auf Rucola-Salat mit Himbeerdressing, dazu gibt es kleine Antipasti. Nachgewürzt wird am Tisch – sogar die Pfeffermühle ist monumental.

Sein Wohnzimmer ist Arbeitsplatz und Sportraum zugleich. Für sein Krafttraining arbeitet er viel mit dem Slingtrainer, das ist ein Seil mit Schlingen, das mit speziellen Ankern in jeder Tür befestigt werden kann. Hier im Wohnzimmer, auf der großen Liegelandschaft, entstehen auch seine neuesten Kreationen für sein Mode-Label Ullikat: „Anregungen finde ich überall, ich laufe mit offenen Augen durch die Welt, schaue im Netz, überall. Was mir gefällt, merke ich mir, so entstehen Ideen für eigene, neue Designs.“ Sein aktueller Verkaufsschlager sind seine Shirts mit dem großflächigen Spruch „Wo steht denn hier der Moët?“.

Sein Kleiderschrank ist erwartungsgemäß gut gefüllt, eigentlich noch mehr. „Ich kann ganz schlecht aussortieren“, gibt der Modemann zu: „Ich trenne mich sehr ungern, auch wenn ich die Sachen gar nicht mehr trage. Und ich nehme mir ja auch aus dem Laden immer mal wieder etwas mit ...“

Und so war es für ihn auch ein Drama, als bei einem Einbruch seine Lieblingshosen geklaut wurden: Als er vor den Polizisten vermutete, dass das ja nur jemand gewesen sein könne, der sich auskenne, hätten die gleich abgewunken: Die Designerhosen hätten die Diebe bestimmt nur genommen, um die andere Beute darin einzuwickeln ...

Trost und Verständnis in solchen Situationen findet Ulli bei Freundin Lena Staab (25). Mit ihr ist er seit drei Jahren zusammen. Die Versicherungs- und Finanzkauffrau hat den Designer auf einer After-Work-Party in der Markthalle kennengelernt und ihn gleich sympathisch gefunden. Zunächst hätten sie aber erst mal nur eine gemeinsame Zigarette geraucht. „Der Altersunterschied stört mich nicht“, sagt die zierliche Frau mit den langen Haaren. Sie ist eher der ruhige Part in der Beziehung, nicht nur vom Auftreten her – auch vom Style.

Maike Jacobs

Visitenkarte

* 8. September 1969 in Langenhagen. Er wächst in Stöcken auf und macht nach der Realschule eine kaufmännische Ausbildung bei C & A. Er ist Zeitsoldat beim Bund und verlässt die Truppe nach der Wende. Er arbeitet bei der Teppichscheune Wilkenburg, ehe er 1995 sein erstes Geschäft eröffnet, zunächst Outlet-Stores für Designerkleidung: 2006 gründet er sein eigenes Label „Ullikat“, an der Schmiedestraße 6 ist heute sein Geschäft. Ulli Hahn kocht für sein Leben gern, treibt viel Sport und lebt mit seiner Freundin in der List.
www.ullis-ullikat.de


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