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Mensch-Hannover Wie Regisseur Nils Loof das Gruseln lehrt
Menschen Mensch-Hannover Wie Regisseur Nils Loof das Gruseln lehrt
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18:21 06.11.2018
Nils Loof hat einen neuen Film gedreht. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Liebeskomödien kann der Mann, das hat er mit seinem ersten Kinofilm „Play-ground:Love“ 2015 bewiesen. Auch Dokumentationen liegen ihm, mit „Puppenjungs“ hat er 2009 eine ganz packende Geschichte um Serienmörder Fritz Haarmann herausgebracht. Der Film läuft im Lindener Apollo-Kino übrigens immer noch regelmäßig.

Nun hat sich Nils Loof (47) ein ganz anderes Genre erschlossen – „Mystery-Thriller“. Da muss der hannoversche Filmemacher und Hochschulprofessor kurz selbst lachen: „Ich muss sagen, es liegt mir“, hat er über sich gelernt. „Jenseits des Spiegels“ heißt der 90-Minüter, und schon der einminütige Trailers lässt das Blut in den Adern gefrieren, den Puls nach oben schnellen. „Und da ist man auch schon bei der extrem spannende Frage: Wie kann ich eigentlich Angst und Stimmung erzeugen?“, sagt der 47-Jährige in seinem Büro an der Expo-Plaza, hier lehrt der Mann mit den blauen Augen an der Hochschule Hannover. Sein Schwerpunkt im Lehrgebiet Mediendesign: Filmgestaltung in Theorie und Praxis, Kamera und Regie.

Am Set: Nils Loof blättert im Drehbuch. Nach 25 Drehtagen war der Streifen im Kasten. Quelle: Eike Zuleeg

Und wie hat er das nun angestellt? „Anders als bei einer Komödie reichen ein gutes Drehbuch, gute Schauspieler und eine gute Kameraführung nicht aus“, so Loof. „Gute Musik Sounddesign und die andauernde Entscheidung zwischen realistischer Darstellung und Übertreibung sind auch wichtig.“ Zum Beispiel gibt es in dem Film eine Szene mit einem Hackebeil (nein, wir verraten nicht zu viel), „die total übertrieben ist, aber eben funktioniert“, erläutert der Regisseur. Und während es in Dramen um Realismus geht, kommt man in einem Mystery-Thriller nicht ohne Erhöhungen aus.

Studenten am Filmset

Inhalte wie diese erläutert er seinen Studenten Jahr für Jahr, parallel zum Dreh im Wendland hatte Loof ein Seminar zum Thema angeboten. Sie durften ihn auch am Filmset im vergangenen Jahr besuchen. „So eine Exkursion hätte ich mir als Student gewünscht“, erzählt Loof lachend. Fünf Tage lang waren die Hochschüler mit ihrem Prof zugange, stellten Fragen zu den Abläufen, der Gestaltung des Films, zur Technik und auch zu den Kosten. „Eine knappe Million“ hat die Produktion gekostet, die unter anderem von der Nordmedia und dem NDR (da wurde der Streifen vor einer Woche auch im Abendprogramm gezeigt, Freitag erscheint er auf DVD für 12,99 Euro) gefördert.

Mittlerweile wurde „Jenseits des Spiegels“ auf fünf Festivals gezeigt, Weltpremiere wurde beim „Filmfestival Max-Ophüls-Preis“ in Saarbrücken gefeiert, bei dem „Movie Park Action and Adventure International Film Festival“ in Los Angeles gewann er sogar einen Preis in der Kategorie „Best Thriller“! „Die Kritiken sind tatsächlich sehr gut“, berichtet der Regisseur. Die Freude, den Stolz darüber versteckt er nicht, warum sollte er?

Jenseits des Spiegels

Und darum geht es: Die Zwillingsschwester von Julia – gespielt von Julia Hartmann (33), die unter anderem in „What a Man“, „Schlussmacher“ und „Alarm für Cobra 11“ spielte und vom Männermagazin „GQ“ mal zu den schönsten Frauen der Welt gewählt wurde – hat auf brutale Weise Selbstmord begangen. Weil sie Monate später immer noch schlimme Alpträume hat, rät ihr ein Therapeut, sich mit dem Geschehenen auszusöhnen. Mit ihrem Mann Felix (Bernhard Piesk, 40) und Sohn Niko (Oskar von Schönfels, 12 – zuletzt in „Babylon Berlin“) zieht Julia auf den abgelegenen Hof ihrer verstorbenen Schwester Jette. Doch dort geht es ihr nicht besser, stattdessen bildet sie sich ein, Stimmen zu hören. Und nach einem Ausflug in den Wald stimmt etwas nicht mehr mit ihrem Kind ... Wie gruselig! Loof: „Genau das wollten wir erreichen.“

Bei sich selbst hat der 47-Jährige übrigens erreicht, dass er in dem Genre weitermachen möchte, an drei weiteren Filmen tüftelt er gerade herum. Allerdings nicht mehr in Linden – er hat jahrelang an der Grotestraße gelebt – sondern in der List. Dorthin ist er seiner Freundin, der Berlinerin Nina Kuntz (37), zuliebe gezogen. „Ich bin trotzdem noch total Lindener – obwohl ich kaum noch dort bin“, so Loof. Auf die Idee, mal in eine andere Stadt zu ziehen, ist er bisher überhaupt nicht gekommen: „Nur wenn ich einen Job gehabt hätte“, begründet er das, „die meisten, die ich kenne und die keinen Plan hatten, kommen wieder.“ Außerdem findet er Hannover „total attraktiv, die Nähe zum Harz und dem Steinhuder Meer ist toll.“ Und Hannover kann sich freuen, so einen kreativen Kopf zu seinen Bewohnern zu zählen.

Von Mirjana Cvjetkovic

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