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Mensch-Hannover Weißt du noch, Paul ...?
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06:15 21.06.2012
Die gute alte Zeit: Paul McCartney (zweiter von links) mit seinen ehemaligen Bandkollegen John Lennon, Ringo Starr, und George Harrison (von links) in London. Quelle: -
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London

Weißt du noch ... das erste Mal mit dir und mir, Paul? Das war am 6. Oktober 1989 in der Frankfurter Festhalle. Und es war anders als mein erstes Mal mit den Simple Minds, mit Cure, Cult, Kiss, anders als mit Tina Turner, Gianna Nannini, Bap, Peter Maffay und allen anderen, inklusive Jacko, U2 und Rolling Stones. Beim Weg in die Halle wurden mir die Beine so weich, so als gings in die Kapsel von Apollo 11.

Man teilte einen Raum mit einem echten Beatle, mit dem Mann, der all dieses geniale Zeug (mit-)geschrieben hatte: „Hey Jude“, „Let it Be“, „Lucy in the Sky“, „She Loves You“. Keine Halluzination. Kein Hologramm. Der leibhaftige Paul McCartney!

Und wie du den Abend gerockt hast, meine Herren! Du hast wieder deine Haare geschüttelt und die inzwischen erwachsenen Mädchen haben wieder laut gekreischt. Ein Halbgott in Deutschland.

Mit Pilzkopffrisuren, kragenlosen Anzügen und dem Vier-Freunde-Gefühl gings ab 1962 um die Welt. Unwirklich kurz nur, bis 1970, dauerte euer Beatles-Ding. Und dann hielten dich plötzlich alle erst mal wieder für einen Menschen, mäkelten, krittelten, fanden „Mull of Kintyre“, die Dudelsacknummer mit den Rest-Wings, deiner Ehefrau Linda und Denny Laine, lachhaft, kitschig.

Ich nicht. Ich fand sogar deine B-Seiten super. Sogar „Ebony and Ivory“, das die bösen Zungen Bürgerrechts-Süßholz nannten.

„Yesterday“ hättest du auf dem Klo komponiert, damit hat sich gerade dein alter Hamburger Kumpan Tony Sheridan wieder mal aus der Versenkung gemeldet, der Wichtigtuer. Glaub ich nicht, selbst wenns so war. Den meistgespielten Song aller Zeiten (über 3000 Coverversionen) schreibt man nicht mal so eben zwischen Drücken und Spülen.

Man hat dich als unpolitischen Minnesänger gescholten, lieber Paul, als Schreiber von „Silly Love Songs“. Übergroß stand dagegen immer John Lennon als Radikalbarde mit der Faust Richtung Himmel. Aber da ist als Gegenbeweis dein „Give Ireland back to the Irish!“, ein Zornsong, den du 1972 für die Leute von Nordirland gesungen hast. Die EMI wollt es einstampfen, die BBC hats gebannt, das war dir egal.

Inzwischen war ich mit dir auch in Hamburg und Hannover zusammen. Am 30. April 2003 hast du unsere Arena auf der Expo-Plaza besucht, hast „All My Loving“ und „The Fool on the Hill“ nur für mich gebracht (glaub ich jedenfalls) und hast „Something“ gespielt und Ukulele dazu - in Erinnerung an den großen Ukulelisten George Harrison.

George ist tot, John ist tot. Du wirst heute 70 und machst immer noch richtig gute Alben. Und live, zuletzt im Dezember 2011 in Köln, machts immer noch mächtig „Wumms!“ bei dir. Meine Tochter ist acht Jahre, war dabei, hat sich vom Taschengeld ihr erstes Konzert-T-Shirt gekauft und hört seither nur Beatles.

Sei also beruhigt, deine Songs werden es wohl auch durchs 21. Jahrhundert bringen. Deshalb ein Ständchen: „We Will Still Need You, We Will Still Feed You, When You’re Eighty-Four ...“

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