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Nachtleben

Weidendamm: Köksals Stärke? "Ich kenne meine Schwächen"

Dass er Geld hat, sogar Millionär ist, daraus macht Sem Köksal (42) kein Geheimnis. Der NP erzählte der Betreiber des 
Weidendamm in der Nordstadt, wie er das geschafft hat und warum er jede Woche nach Dubai jettet.

Hannover. „Ja, die gibt es“, ist sich Sem Köksal (42) ziemlich sicher, „es gibt Leute, die reden, ich weiß das. Nur sagt es mir keiner ins Gesicht, traut sich dann doch niemand.“ So ist er, geradeheraus, rumeiern gehört nicht zu seiner Lebensweise. Der 42-Jährige ist aber alles andere als ein Angeber, er besticht durch seine Freundlichkeit und Fröhlichkeit.

Besonders gute Laune hat der Geschäftsmann, als er der NP bei Tageslicht die Türen zu seinem Club Weidendamm in der Nordstadt aufschließt: halbleere Flaschen auf dem Tresen, volle Aschenbecher und Müll auf dem Boden – Überbleibsel der vergangenen Party. „Ich habe alle Clubs der Welt gesehen, aber hier ist es echt am schönsten“, so Köksal. Er muss schmunzeln – der Weidendamm ist so etwas wie sein Baby: „Hier sind kreativen Ideen keine Grenzen gesetzt, ich will mit meinem Team Kunst- und Kulturprojekte weiter nach vorne bringen.“ Alle drei Monate können sich Künstler, Musiker, kreative Köpfe austoben und den „Damm“ als Projektionsfläche nutzen. Nach drei Monaten kommt der alte Putz aber ab, Platz für Neues wird geschaffen. „Ich nenne es die vergängliche Kunst“, erklärt Köksal. Sein Ziel: etwas für Hannover zu schaffen, das es so nicht gibt. Und deshalb investiert er in Künstler, gibt ihnen Räume zum Arbeiten.

Geld dafür hat Köksal, der mal als Tellerwäscher im „Bell’Arte“ am Sprengel Museum für sieben Mark die Stunde gearbeitet hat. „Irgendwann durfte ich Salate und Pizza machen, aber das wurde mir zu bunt“, erinnert er sich, der Sohn türkischer Gastarbeiter, und lacht. Mit diversen Jobs lernte er das unternehmerische Denken, übernahm für anderthalb Jahre das „Zino“ an der Otto-Brenner-Straße, den „Bismarckbahnhof“ leitete er eine Zeit lang und wandte immer die Idee der Systemgastronomie an. „Ich bin doch kein Profilneurotiker und stelle mich in der Vordergrund“, betont er, „ich arbeite im Team. Nur so können Abläufe und Strukturen gut funktionieren.“

Schnell war sein Wissen gefragt, nicht nur fürs Fernsehen (er mimte in mehreren Folgen „Sem der Clubretter“ in einer Pro-7-Show), sondern auch im echten Leben. Sogar Scheichs sind auf ihn aufmerksam geworden, einer bestellte vor dreieinhalb Jahren den nichts ahnenden Köksal in die Vereinigten Arabischen Emirate ein. „Beim Essen präsentierte der Clubbesitzer Ideen rund um seinen Laden“, erinnert sich der 42-Jährige. Der Hannoveraner hielt mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: Nach seinem Rat „So würde ich es auf gar keinen Fall machen“ und „Sie haben doch keine Ahnung!“ (der Scheich) war das Gespräch beendet: „Mit beratungsresistenter Kundschaft kann ich nichts anfangen.“

Sem Köksal mit NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic im Weidendamm in der Nordstadt.

Erschrocken hat er sich dann, als ihm der Freund, der das Treffen organisiert hatte, offenbarte: „Spinnst du?! Weißt du, wer das ist?“ Zwei Tage später, kurz vor der Abreise, suchte ihn der Scheich im Hotel auf – „es hat ihm gefallen, das ich kein Ja-Sager bin“. Es kam zum Deal, Köksal berät nun mehrere schwerreiche Männer. Jede Woche pendelt er von Hannover nach Dubai – irgendwie märchenhaft. Dass es im Leben auch anders kommen kann, weiß der Unternehmer: 2011 verschwand sein an Demenz erkrankter Vater, kurz darauf wurde der Mann im Lindener Stichkanal gefunden – tot, er war ertrunken. „Eine Katastrophe, ich war am Boden zerstört“, sagt der 42-Jährige über die schwere Zeit. Er hat Tränen in den Augen: „Ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater, ich war zwei Jahre lang fix und fertig.“

Köksal schaut längst wieder nach vorne, treibt seine Unternehmen an: „Mit 44 ist nämlich Schluss, dann setze ich mich zur Ruhe.“ Das ist ein Wort!


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