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DAS HEILIGTUM VOM ZAUBERLEHRLING: Der Weinkeller von Roderick von Berlepschist bekannt für seineherausragenden undauch seltenen Tropfen. Bis zu 7000 Flaschen können hier unter dem Restaurant lagern. Fotos: Dröse

DAS HEILIGTUM VOM ZAUBERLEHRLING: Der Weinkeller von Roderick von Berlepsch. Bis zu 7000 Flaschen können hier unter dem Restaurant lagern. © Rainer Droese

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Porträt

Von Berlepsch feiert fünf Jahre Zauberlehrling

Seit der Eröffnung vor fünf Jahren gehört „Der Zauberlehrling“ zu den vornehmeren Restaurants der Stadt. Grund genug für Inhaber Roderick von Berlepsch (40), am Wochenende mit Freunden und Gästen zu feiern.

So richtig zur Ruhe kommt Roderick von Berlepsch (40) selbst beim Essen nicht. Fast jeder seiner Gäste kommt, bevor er sich an einem Tisch in dem Lokal an der Geibelstraße niederlässt, erst einmal zum Chef des Zauberlehrlings, begrüßt ihn freudig, wechselt ein paar kurze Sätze. Es geht eben familiär zu im „Zauberlehrling“ - obwohl das Restaurant zu den gehobenen Gastronomien der Stadt zählt, ist es auf eine besondere Art ungezwungen. Und schnell wird klar: Das liegt zum großen Teil an Gastgeber von Berlepsch, auf besondere Art kann er Exklusivität mit einer ganz persönlichen Atmosphäre verbinden.

Von Berlepsch ist - und das sagt er auch selbst über sich - so etwas wie der typische „verrückte Vogel“. Schon rein äußerlich trifft das zu, weil er einen ganz eigenen Kleidungsstil hat - von den Schuhen bis zum Hemd trägt er satte, kräftige Farben, dazu aussagekräftige Sakkos, gern auch mit Breitcordhosen oder mehrfarbigen Schuhen kombiniert.

„Verrückter Vogel“ aber auch, weil von Berlepsch unkonventionell ist, ein Gastronom, der ganz klar weiß, was er will - und das auch sagt, unabhängig von gängigen Meinungen und Trends. „Köche sind allesamt Zicken, und irgendwann werden sie unvernünftig“, erzählt er beispielsweise, und einen überraschten Blick kontert er selbstbewusst: „Das können Sie ruhig so schreiben, das stimmt ja: Köche meinen, dass sie nie unrecht haben.“ Und so hat auch der Zauberlehrling einige Wechsel in der Küche erlebt. Doch um diese Erfahrungen reicher, habe der 40-Jährige jetzt mit Monika Kowalkowska (29) eine Frau als Küchenchefin eingestellt und offenbar endlich Ruhe. „Wir sind gut dabei, gehören gleichbleibend zu den Top Ten Hannovers“, sagt er. Und wie wäre es mit einem Stern? Mit der neuen Küchenchefin hält von Berlepsch das für möglich, aber im Gegensatz zu vielen jüngeren Kollegen in der Stadt, die von vorneherein verkünden, darauf hinzuarbeiten, wägt er ab: „Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde. Es könnte Gäste, die ich jetzt habe, abschrecken, und das wäre nicht gut. Ein Stern verzeiht einfach keine Fehler mehr - da müsste ich sehr in mich gehen, ob ich so eine Auszeichnung wirklich annehmen würde.“

Fünf Jahre hat er jetzt den „Zauberlehrling“, zu dem auch ein Raucherclub und eine Kochschule gehören; im Rückblick nennt er es „ein Wagnis, das sich gelohnt hat“. Denn schon die Anfänge waren holprig, aus einer Teilsanierung des Gebäudes wurde schließlich ein Totalabriss. 2,35 Millionen Euro musste von Berlepsch investieren, der Eröffnungstermin verschob sich immer wieder, schließlich sogar um ein Dreivierteljahr. Doch inzwischen ist das Restaurant zur festen Institution geworden und kann sich auf eine große Zahl von Stammgästen verlassen, von Berlepsch empfindet das als eine schöne Bestätigung: „Das Publikum ist zwischen 30 und 50 Jahren alt, es kommen aber auch mal Studenten vorbei.“ Die meisten würden gezielt zu seinem Restaurant fahren, um essen zu gehen, auch Prominente kehrten immer mal bei ihm ein, doch über diese Gruppe schweigt sich von Berlepsch wohlüberlegt aus: „Diese Verschwiegenheit schätzen ja meine Gäste“, sagt er. Aber von einer anderen Gruppe erzählt er lachend: Immer mal wieder seien ihm ein paar Gäste aufgefallen, weil sie so gar nicht in sein übliches Publikum passten. Die Aufklärung brachte dann ein Freund, der ihn darauf hinwies, dass der „Zauberlehrling“ als Empfehlung auf einer Escort-Seite stehe: „Ich habe mir die Seite angeschaut, das erscheint alles seriös, also habe ich nichts gesagt. Aber manchmal, wenn ich diese Paare sehe, komme ich doch ins Grübeln ...“

Roderick von Berlepsch kocht in der Regel nicht selbst, obwohl er Talent hat: „Ich habe schon als Kind begeistert gekocht, auf meinem Kinderherd habe ich mir Schnitzel gebraten!“ Nun springt er am Herd aber nur ein, wenn Not am Mann ist.

Bis heute hat der Sohn von Theaterlegende James von Berlepsch († 73) seine Berufswahl nicht bereut: „Als Kind wollte ich Schauspieler werden. Aus einem Missverständnis heraus habe ich von diesem Plan abgesehen: Denn mein Vater meinte, dass ich mich dafür anstrengen müsse - ich verstand ihn aber so, dass er mir den Beruf gar nicht zutrauen würde.“ Heute sei er froh, dass er nicht in Vaters Fußstapfen getreten sei, so sei er frei von innerfamiliären Vergleichen.

Am morgigen Sonnabend, genau fünf Jahre nach der Eröffnung, feiert von Berlepsch mit geladenen Gästen, darunter Musikproduzent Marco Heggen (44), Polizeipräsident Volker Kluwe (60) und Bürgermeister Thomas Hermann (58), sein Restaurant-Jubiläum und seinen 40. Geburtstag. Von seinen Gästen wünscht sich der Gastgeber keine Geschenke, dafür aber eine große Spendenbereitschaft für einen guten Zweck, in Sachen Großzügigkeit ist mit ihm nämlich nicht zu spaßen. Denn bei von Berlepsch galt schon immer: Wer nicht genug gibt, wird künftig einfach nicht mehr eingeladen.

NPVISITENKARTE

Geboren am 14. Februar 1976 in Hannover. Roderick von Berlepsch stammt aus einem alten Adelsgeschlecht. Sein Vater James von Berlepsch war Theaterschauspieler und Gründer des Neuen Theaters Hannover, das er bis zu seinem Tode 2008 leitete. Schon als Kind kochte Roderick von Berlepsch leidenschaftlich gern. Nach einer Ausbildung zum Restaurantfachmann in Berlin besuchte er einen Sommelier-Kurs der Industrie- und Handelskammer in Koblenz. In Oberricklingen betrieb er die Marktschänke, später leitete er mit Bruder Christopher die Bar vom Neuen Theater. 2011 eröffnete er den „Zauberlehrling“.


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