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Vocaldente, Redaktionsbesuch, Foto: Rainer Droese

Vocaldente, Redaktionsbesuch, Foto: Rainer Droese

Interview

Vocaldente: A capella um die Welt

Mit ihrem A-capella-Sound begeistern Vocaldente weltweit ihre Fans, ständig sind sie unterwegs. Mit der NP sprachen die fünf Hannoveraner über das anstrengende Leben auf Tour, den besonderen Klang und ihr verrücktestes Konzert.

„Life is a Highway“ - für die A-capella-Truppe Vocaldente ist ihr aktueller Albumtitel auch Programm. Die fünf Hannoveraner sind ständig auf Tour, in Deutschland, den USA, Frankreich. „Als Band merkt man, dass jedes Publikum unterschiedlich ist“, sagt Countertenor Benjamin Boresch (30). So muss man in Norddeutschland das Publikum oft erst ein bisschen anheizen, in den USA hingegen, „da flippen die Leute schon mal nach dem ersten Song aus.“ Bass Tobias Pasternack (40) ergänzt: „In Deutschland wird oft ein bisschen förmlich konsumiert.“ Für das Feedback auf der Bühne ist das manchmal schwierig: Dass auch konzentriertes Zuhören Begeisterung bedeuten kann, mussten sie erst lernen. „Wir haben uns schon mal nach einem Konzert gefragt, was wir falsch gemacht haben, und dann kamen ganz viele Leute zu uns und sagten: Das war das beste, was ich jemals gehört habe“, erzählt Pasternack.

Richtig schlecht lief es aber noch nie: „Man kann eigentlich immer über die Dramaturgie des Abends und die Ansagen die Leute am Ende bekommen“, sagt Bariton Alexander Nolte (35). Das breite Repertoire der Gruppe tut sein übriges: „Einer mag vielleicht die Comedian Harmonists, der andere mag Ariana Grande. Und dann muss man halt im Zweifel nur ein Lied abwarten“, sagt Boresch. Das verrückteste Konzert, erinnert sich Pasternack, war 2010 in Südkorea. „Da konnte uns ja nun wirklich keiner kennen“, erzählt er, „aber es kamen direkt 750 Leute, die wollten dann alle auch noch Autogramme - da kam man sich vor wie Robbie Wiliiams.“

Etwa 100 bis 140 Tage im Jahr ist die Band unterwegs. Jetlag, Klimawechsel, fremde Umgebung: Das ist anstrengend. „Natürlich ist diese Art zu leben irgendwie anders“, sagt Tenor Jakob Buch (35). „Aber sie ist auch sehr besonders. Allein der Gruppenzusammenhalt, den wir momentan haben, den kann man mit einem normalen Beruf nicht bekommen.“ Eine Herausforderung sei das Tourleben zwar. „Aber es ist auch einmalig.“ Nolte ergänzt: „Es erfordert aber auch gewisse körperliche und psychische Voraussetzungen, eine Fitness, die über die künstlerischen Fähigkeiten hinausgeht.“Nicht jeder kann mit so einem Leben umgehen - in den zwölf Jahren seit der Gründung gab es viele Wechsel in der Besetzung. „Das bedeutet jedes Mal viel Arbeit“, sagt Pasternack. Ein neues Mitglied muss in die bestehenden Strukturen eingearbeitet werden, muss in den Klang passen. Boresch, der seit anderthalb Jahren das jüngste Bandmitglied ist, gibt zu: „Man braucht schon ein halbes Jahr, bis man richtig angekommen ist.“ Aber momentan scheint eine gute Besetzung gefunden: „Ich glaube, alle können sich gerade vorstellen, das auch in zehn Jahren noch zu machen“, sagt Pasternack.

Bei der Songauswahl greifen sie gerne mal nach Stücken, die nicht unbedingt auf der Hand liegen: „Das sind dann aber auch die Sachen, die die Leute am meisten interessieren“, weiß Pasternack. Meistens hat jemand eine Idee, bringt eine erste Skizze mit, gemeinsam versuchen sie dann, den Klang des Stückes möglichst gut zu imitieren. Da wird dann auch mal daran getüftelt, wie man am besten einen bestimmten E-Gitarren-Sound nachahmen kann. Denn einen Grundsatz nimmt die Band sehr ernst: „Wir nutzen keine Technik, die die Stimme verändert oder verzerrt“, sagt Tenor Tobek Kiel (37). „Wir klingen immer nach menschlichen Stimmen.“

Neben den Auftritten gibt die Gruppe auch Workshops. Chöre können mit ihnen an ihrem Klang arbeiten, in den USA haben sie mit Schulkindern gearbeitet. Wenn sie mal in Hannover auftreten, ist das ein Heimspiel mit vielen Bekannten im Publikum. „Das ist sehr schön, aber für mich bringt es auch jedes Mal eine gewisse Grundnervosität mit, die ich in anderen Konzerten nicht habe“, gibt Kiel zu. „Aber - das hält ja auch frisch.“

INFO

Am 16. April treten Vocaldente mit ihrem aktuellen Programm „Life Is A Highway“ im Theater am Aegi (Aegidientorplatz 2) auf. Karten kosten zwischen 22,40 Euro und 30,70 Euro, es gibt sie an den bekannten Vorverkaufsstellen oder unter Telefon 05 11/12 12 33 33.


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