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Vivian und Lili Paul: Die Schwestern leben für die Manege

Vivian (28) und Lili Paul (19) sind mit Circus Roncalli immer auf Reisen. Die NP hat mit den Töchtern des Direktors Bernhard Paul (70) über den Reiz der Manege, Fern-Abi und Zirkus-Freundschaften gesprochen.

Hannover. Leben im Zirkus: Das kennen Vivian (28) und Lili Paul (19) nicht anders. Sie sind zwei der drei Kinder von Bernhard Paul (70) – Direktor von Circus Roncalli, der zurzeit auf dem Waterlooplatz gastiert. Auf Hannover freuen sich die Schwestern immer wieder. Vivi mag besonders den Spanier „Rias Baixas“: „Der ist wirklich lecker. Oder die Markthalle, da gehen wir auch gerne hin.“

Die jungen Frauen lieben das Leben im Zirkus: „Es ist toll, dauernd eine neue Stadt zu sehen. Ich werde schon immer ganz ungeduldig und möchte spätestens nach zwei Monaten weiterreisen“, sagt Lili. Trotzdem haben die beiden auch ein „richtiges“ Zuhause – in Köln. Dort treffen sie auch hin und wieder auf ihren Bruder: Auch Adrian (26) ist Artist, er steht aktuell im Apollo-Theater in Düsseldorf auf der Bühne.

Lili macht neben dem Zirkus zurzeit ihr Abitur: „Ich bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit habe, mein Fern-Abi zu machen.“ Es ist aber auch stressig: Von neun bis 13 Uhr hat Lili Schule, anschließend muss sie sich für die erste Show fertig machen. Nach dem Auftritt lernt die 19-Jährige – bis sie zum Finale wieder in die Manege muss: „Dann lerne ich wieder, bis die zweite Show beginnt. Und anschließend geht es wieder an den Schreibtisch.“ Auch ihre große Schwester bildet sich weiter. Sie macht zurzeit einen Fernkurs im Bereich „Marketing und Marktforschung“. Und wie sieht es mit der Privatsphäre aus? „Wir haben jede einen eigenen Wagen und recht viel Privatsphäre. Wir können uns da immer zurückziehen.“ Zwölf Qua­dratmeter misst so ein Wagen. Und dann gibt es noch den großen Familienwagen. „Hier essen wir oder sitzen beisammen“, erzählt Vivi. Das genießt auch Papa Bernhard Paul: „Ich versuche, so viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, wie nur geht. Aber ich bin im Moment sehr viel unterwegs.“ Gemeinsame Mahlzeiten genießt deshalb auch Mutter Eliana Paul (52), die stets dabei ist, umso mehr.

Lili stand mit 13 Jahren das erste Mal in der Manege, Vivi war 18. Ihr Vater fand das zu Beginn gar nicht so gut. Er wollte, dass seine Kinder „etwas Normales“ machen. „Aber ich war so bockig, dass ich mich am Ende durchgesetzt habe“, schmunzelt Vivi, die eine Show am Luftring zeigt. Lili zeigt Kontorsionsakrobatik und eine Rollschuhnummer.

Der Montag ist für alle Artisten etwas Besonderes: Sie haben frei. Und auch Lili hat dann keine Schule: „Da schlafen wir aus, frühstücken in Ruhe und gehen in die Stadt.“ Am Dienstag ist zwar auch noch spielfrei, da beginnt für die Artisten aber schon wieder das Training.

Und wie ist es so, wenn die Schwestern immer aufeinander hängen? „Das ist wie bei allen Geschwistern. Manchmal gehen wir uns auch auf die Nerven und zicken uns an“, sagt Vivi und lacht. Und natürlich haben auch die zwei mal keine Lust auf das Training oder die Show: „Aber das ist ja ganz normal, das hat jeder im Job.“

So viel Abwechslung wie die beiden hat allerdings wirklich nicht jeder – Flexibilität gehört zum Zirkusleben dazu. Die Artisten lernen sich immer erst eine Woche vor der ersten Show bei den Proben kennen. „Wir sind aber wie eine Familie, es entstehen schnell Freundschaften,“ erzählt Vivi. Vor allem, weil sie immer mal wieder ge­meinsam in der Stadt etwas essen oder trinken gehen. Und für das Kulturprogramm ist Weißclown Gensi zuständig.

Cecelia Fischer