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Mensch-Hannover Vincent Templin verkauft Hannover als Wandkunst
Menschen Mensch-Hannover Vincent Templin verkauft Hannover als Wandkunst
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00:16 22.07.2017
IN NEUEN RÄUMEN: Vincent Templin eröffnet in der Südstadt sein Designshop. Quelle: Wilde
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Hannover

Vor allem denjenigen, die sich etwas besser in der Südstadt auskennen, dürfte eine Frage auf den Lippen brennen: „Ist das nicht der alte Kiosk Erna“? Genau, das ist er. Doch verkauft hier nicht mehr Erna Koch (86) bunte Tüten, Bier und Zeitschriften – jetzt ist Vincent Templin (27) Hausherr über die rundum modernisierten Geschäftsräume an der Sallstraße.

„viewme.design“ heißt der Shop des Kreativkopfes, den er Donnerstag exklusiv mit geladenen Gästen wie Monkey’s-Chef Ferry Ghods (47) und Fotokünstlerin Franziska Stünkel (43) eröffnet, ehe er ab dem 21. Juli, 10.30 Uhr, für alle Kunden die Türen aufsperrt. Coole Poster und Kunstdrucke, die er selbst entworfen hat, aber auch Kreationen von Fotografen und Illustratoren, einige Wohnaccessoires, leckeres Lakritz und regionale Getränke, den Niemand Gin von Torben Paradiek (34) und Sebastian Maria Otto (43), will der junge Grafikdesigner hier an die Leute bringen. „Ich habe jahrelang im Homeoffice gearbeitet, war immer irgendwie eine ,One-Man-Show’“, so Templin, „mir haben das Haptische und der Kontakt zu den Leuten gefehlt.“

Das dürfte sich jetzt schlagartig ändern, schon vor der Eröffnung haben sich Passanten die Nase an der Schaufensterscheibe plattgedrückt, um einen Blick auf die feinen Sachen zu erhaschen. „Ich will weg von den ollen Baumarktpostern mit Mickey Mouse und schlauen Sprüchen drauf“, erklärt der 27-Jährige.

Das ist nicht zu übersehen: Seine Entwürfe sind kreativ, auch bunt, heimatverbunden („Ich will alle Stadtteile darstellen“) und sehr speziell – selbst wenn nur der schwarze Buchstabe „M“ in einem 50 mal 70 Zentimeter großen Rahmen steckt, sieht das einfach nur gelungen aus. So wie der Rest des Ladengeschäfts auch: „Die Lampen habe ich aus Hamburg, das sind gebrauchte Industrieleuchten“, so der 33-Jährige, der sein Geld bei namhaften Münchner und Berliner Agenturen verdient.

Mit seinem Bruder Max (30, er ist Malermeister) hat er die schnuckeligen 50 Quadratmeter mit Galerie auf Vordermann gebracht, den Laden in Eigenregie hergerichtet. „Kopenhagen hat mich auf all die Ideen gebracht, die Leute in Dänemark sind echt total designorientiert. Da gibt es bestimmt 20 solcher Läden.“ Nun hat die Südstadt also auch einen.

Und mit dem hat er noch viel vor: Seinen Designshop sieht er als Brutstätte für neue Ideen. „Ich bin aber auch in Büros, Restaurants und in Wohnungen unterwegs, gebe Leuten, die keine Lust haben, sich selbst drum zu kümmern oder einfach unsicher sind, Tipps, wie sie ihre Räume gestalten können.“

Templin würde sich freuen, wenn Hannoveraner schöne Motive ihrer Heimatstadt als Wandkunst bekommen, „da hinken wir Hamburg und Kopenhagen doch sehr hinterher.“ Bald will er „Casa“-Motive in limitierter Auflage anbieten. In dem mittlerweile geschlossenen Kultclub am Weißekreuzplatz von Bodo Linnemann (76, „Er ist jedes Jahr der Erste, der an meinem Geburtstag anruft“) hat er gut zehn Jahre Musik gemacht und aufgelegt, im Monkey’s ebenfalls. „Das Nachtleben ist hier etwas, naja ... Deshalb habe ich mich etwas zurückgezogen.“

2017 ist sein Jahr, sagt der kreative Unternehmer, „ich habe meinen Horizont erweitert und viel umstrukturiert in meinem Leben.“ Dazu gehört auch der eigene Laden. Hannover wird’s freuen.

Von Mirjana Cvjetkovic

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