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Vicky Leandros

SÄNGERIN MIT HUMOR: Vicky Leandros kann auch über sich selbst lachen.© NANCY HEUSEL

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Interview

Vicky Leandros - „Ich bereue nichts, auch nicht meine Fehler“

Neue Songs und viele alte Hits - „Mein Leben und ich“ nennt Vicky Leandros (63) ihre aktuelle Tour, die sie am 11. Mai nach Hannover führt. Hier spricht sie über Lampenfieber, das Alter und ihre Flucht aus den USA.

Sie sagten, „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ sei Ihr persönlichstes Werk. Wie meinen Sie das?

Man merkt ja schon am Titel, dass ich mich selber auf den Arm nehme (lacht). Dieser Satz - ein Sokrates-Zitat - ist humorvoll gemeint. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, das ist die Erkenntnis mit 63 Jahren. Und die hat ihren Preis.

Welchen?

Man wiederholt oft die gleichen Fehler. Man lernt in den Jahren auch dazu, aber leider nicht immer! Es sind sehr persönliche Erfahrungen in Texte und Melodien eingeflossen. Ich werde in der Show auch alte Bilder und Ausschnitte aus meiner Karriere zeigen, die das Publikum noch nicht kennt. Und dazu kleine Geschichten erzählen.

Wie sieht Ihr Publikum aus?

Viele schwelgen in Erinnerungen, sie kommen in die Konzerte, um ihre Erlebnisse mit Hits wie „Ich liebe das Leben“ aufzufrischen. „Theo, wir fahrn nach Lodz“ wird es vielleicht bei den Zugaben geben, die Zuschauer fordern den Song meistens ein. Es kommen aber auch Jüngere, die über meine fremdsprachigen Songs auf mich gestoßen sind. Es ist ein Querschnitt durch alle Generationen.

Sie stehen seit 50 Jahren auf der Bühne. Würden Sie heute etwas anders machen?

Ich bereue nichts, auch nicht meine Fehler - in meinem Leben ist sehr viel Positives passiert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses Talent mitbekommen habe, dass ich so viel lernen durfte. Dass ich das Glück hatte, dass mein Vater ein internationaler Plattenproduzent und Komponist ist und so viele Alben mit mir aufgenommen hat. Und dass ich dann genau wusste, ich will eine Familie gründen. Ich habe drei wunderbare Kinder - und für sie habe ich mir bewusst zehn Jahre Auszeit genommen.

Sie hätten die Chance gehabt, in den USA durchzustarten ...

Ich war in New York und sollte damals nach Los Angeles fliegen, zum Produzenten von Barbara Streisand und Neil Diamond. Aber ich habe die Reißleine gezogen und bin zurück nach Deutschland. Damals - ich war gerade mal 22 Jahre alt - war mir die amerikanische Art zu leben fremd. Ich bin mit der europäischen Kultur groß geworden, die ich über alles liebe.

Wie gehen Sie mit dem Thema Alter um?

Gut (lacht)! Eines meiner neuen Lieder heißt ja sogar „Mama, ich werde alt“. Die gängige Meinung ist zwar, eine Frau muss immer jung und schön sein, bei einem Mann machen Falten nichts aus, aber das muss man überwinden. Man wird älter, damit muss man leben und seinen Frieden schließen.

Die Aufnahmen für das aktuelle Album fanden in Ihrer Küche statt?

Die Technik ist heute ja so weit, dass es keine Rolle spielt, wo man seine Vocals aufnimmt. Ein Philharmonie-Orchester oder einen Chor würde ich nicht unterbringen. Aber für mich bringt meine Küche eine wohlige, gemütliche Atmosphäre.

Stimmt es, dass Sie immer noch Lampenfieber haben?

Oh ja (seufzt). Und es gibt kein Rezept dagegen. Ich versuche mich zu konzentrieren, rede vor dem Auftritt mit niemandem und bemühe mich, die Aufregung herunterzuregeln - mehr kann man nicht tun. Das gibt sich erst nach drei Liedern auf der Bühne.

Sie wurden beim ESC einmal Vierte, 1972 gewannen Sie mit „Après toi“. Gucken Sie immer noch den ESC?

Es gab eine Zeit, viele Jahre, nachdem ich beim ESC gesungen hatte, da ging es bergab. In den vergangenen Jahren hat sich das aber deutlich verbessert, die Show ist gut inszeniert, man kann als Zuschauer Spaß dabei haben.

Sie kamen mit fünf Jahren nach Hamburg. Welche Erinnerungen haben Sie an Griechenland?

Als kleines Kind gar keine, die sind erst mit den Jahren gekommen. Ich war in den Schulferien einmal im Jahr dort. Später habe ich jede CD auf Französisch, Englisch, Deutsch und Griechisch aufgenommen - die Lieder waren auch in meiner alten Heimat erfolgreich. Und ich habe so das Land, in dem ich geboren wurde, überhaupt erst kennengelernt.

Was ist griechisch an Ihrer Persönlichkeit, was deutsch?

Ich glaube, das kann man so gar nicht differenzieren - in der europäischen Kultur sind wir uns sehr ähnlich. Außer, dass die Südeuropäer ihr Leben mehr nach außen verlagern. Aber das liegt vor allem an der Wärme (lacht). Bei mir sind der griechische Anteil vielleicht meine Temperamentsausbrüche, die musste ich ein bisschen zügeln.

Wann waren Sie das letzte Mal dort?

Ich bin vier- bis fünfmal im Jahr in Griechenland, zuletzt im Dezember. Das Thema der Wirtschaftskrise ist in der Öffentlichkeit in den Hintergrund getreten, die Probleme bleiben aber. Bis Reformen greifen und Verbesserungen eintreten, wird es noch Jahre dauern. Wer mir leidtut, das sind die Menschen. Die Mittelschicht ist völlig zusammengebrochen, die Armen sind noch ärmer geworden. Die Schlangen an den Essensausgaben sind lang, viele Familien und Jugendliche sind darunter.

Sie waren zwei Jahre Kultursenatorin in Piräus ...

(seufzt tief) Ach, das sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Ich war im Wahlkampf, wurde zweite Bürgermeisterin, zuständig für Kultur und internationale Beziehungen. Ich habe einiges durchgesetzt - und zwar mit Ideen, die kein Geld gekostet haben. Es war damals schon nichts übrig in den Kassen. Ich sah, dass die Lage unübersichtlich ist, und bin im Juni 2008 zurückgetreten. Und es hat sich ein paar Jahre später ja bewahrheitet.

Sie wurden von Bundespräsident Joachim Gauck ausgezeichnet: Was bedeutet Ihnen das Bundesverdienstkreuz?

Das ist eine Freude und Ehre. Und für mich ein Ansporn, eher noch mehr zu tun und mich nicht auf dem Erreichten auszuruhen.

Am 11. Mai tritt Leandros ab 20 Uhr im Theater am Aegi auf, Karten kosten 79 bis 99 Euro im NP-Ticket-Shop und online unter tickets.neuepresse.de

NPVISITENKARTE - Vicky Leandros

Geboren am 23. August 1952 auf der Insel Korfu (Griechenland) als Vassiliki Papathanasiou. Ihr Vater war als Leo Leandros bereits in Deutschland bekannt. Schon als Kind bekam Vicky Gesangs-, Ballett- und Gitarrenunterricht. 1967 nahm sie für Luxemburg am ESC teil und wurde Vierte, 1972 gewann sie den Wettbewerb. Ihr Gassenhauer „Theo, wir fahrn nach Lodz“ machte sie berühmt, wurde ihrem Stil als vielfältige Chansonsängerin aber nicht gerecht. Bis heute hat Leandros 55 Millionen Tonträger verkauft. Durch ihre zweite Ehe trägt sie den Titel Freifrau von Ruffin und hat ihn auch nach der Scheidung nicht abgelegt. Sie hat drei Kinder, und wurde im Oktober 2013 zum ersten Mal Großmutter.


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