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NP-Porträt

Valeria Schneider schwebt im siebten Taschenhimmel

Die 32-Jährige leitet seit 2013 ihren Online-Shop und inzwischen drei „Luxussachen“-Boutiquen in Hamburg und Hannover, in denen sie gebrauchte Objekte der Begierde weiterverkauft.

Hannover. Luxus nur für Super-Reiche?. Im Geschäft von Valeria Schneider (32) gelten andere Regeln – auch wenn der Laden in der Galerie Luise „Luxussachen“ heißt. „Ich gehe selbst nicht gerne in Boutiquen von Chanel oder Luis Vuitton, denn dort wird man überhaupt nur mit Kundenkonto reingelassen. Man wird gemustert und kämpft mit Vorurteilen“, findet die Taschenliebhaberin. „Ich will keine Klassengesellschaft. Viele träumen von einer Luxustasche, aber können sie sich nun mal neu nicht leisten.“

Die 32-Jährige leitet seit 2013 ihren Online-Shop und inzwischen drei „Luxussachen“-Boutiquen in Hamburg und Hannover, in denen sie gebrauchte Objekte der Begierde weiterverkauft. „Ich bin gelernte Augenoptikerin“, erzählt sie. „Doch ich habe festgestellt, dass ich mein eigener Chef sein will. Ich hatte so viele eigene Ideen.“ Ihre Selbstständigkeit baute sie neben dem Job auf. „Ohne meine Familie und meinen Freund hätte ich das nicht geschafft. Die waren alle für mich da.“ Rückblickend sagt sie aber auch: „Ich bin sehr froh ein Handwerk gelernt zu haben, bin gut ausgebildet worden und habe viel gelernt.“

Einiges hat sich seitdem geändert. Auf Instagram folgen der Handtaschen-Königin fast 55 000 Menschen. Damit ist sie schon ein kleiner Star. „Ab und zu werde ich auf der Straße erkannt. Das ist verrückt.“ Täglich postet sie Fotos von Designerhandtaschen, präsentiert sie dabei meist selbst. „Kaum habe ich ein Foto hochgeladen, bekomme ich 30 Kaufanfragen. Wann geht die Tasche online? Wie teuer ist sie? Kann ich sie reservieren?“ Ihr Credo: Alle Anfragen werden beantwortet – Kundenservice ist der 32-Jährigen wichtig.

Immer wieder macht sie in ihrer Wahlheimat Hamburg Fotos von den Taschen und sich selbst. Das kommt bei den Fashion-Fans gut an. Worum es Schneider geht, ist die Wirkung eines Accessoires: „Selbst ein einfaches T-Shirt sieht stark aus mit einer Chanel-Handtasche.“ Einen kleine Ausflug als Model hat sie aber schon einmal gewagt. 2008 machte sie bei der TV-Show „Germanys Next Topmodel“ von Heidi Klum (44) mit und schafft es in die Top 30. Inzwischen weiß Valeria Schneider aber: „Das wäre nichts für mich gewesen. Ich bin keine Puppe. Es war aber eine coole Erfahrung.“ Mit 1,71 Meter Körpergröße hält sie sich außerdem für zu klein für den Modeljob.

Ihr Unternehmen sei kein klassisches Start-Up, eher ein Familienunternehmen – alle Mitarbeiter sind involviert. Das Geschäftsmodell geht auf. „Eine Designertasche ist eine Wertanlage. Wir bieten sie bis zu 50 Prozent günstiger an, der Preis hängt vom Zustand ab.“ Für 500 Euro gibt es schon eine Luxustasche von Louis Vuitton. Das Label Chanel kostet auch gebraucht schnell mal 3000 Euro oder mehr. Wahrer Luxus bleibt eine Hermès – unter 10 000 Euro ist eine der berühmten Birkin-Bags auch bei „Luxussachen“ nicht zu bekommen. Wer sich in ein Designerstück verliebt hat, kann den Betrag aber mit kostenloser Ratenzahlung abstottern. Oder eine Tasche mit einer Anzahlung reservieren.

Schneider und ihre rund 20 Mitarbeiterinnen machen vieles für ihre Kunden möglich. Aber wozu braucht man diese Luxusobjekte? „Die Freude daran ist unbezahlbar“, schwärmt die junge Unternehmerin. Und wenn man mal Geldsorgen habe, könne man die Tasche wieder verkaufen – ein Kreislauf, auf dem auch Schneiders erfolgreiches Geschäftsmodell basiert. Wertsteigerungen sind immer dann möglich, wenn eine Designer-Tasche nicht mehr hergestellt wird oder in einer bestimmten Farbe nicht mehr lieferbar ist – das macht das einzelne Exemplar zur begehrten Rarität. Schneider denkt an Expansion. In Bielefeld sucht sie derzeit eine Immobilie um die vierte Filiale zu eröffnen.

Doch warum sind Menschen bereit, so viel Geld für eine gebrauchte Handtasche auszugeben? „Nachhaltigkeit und Qualität werden immer wichtiger. Warum soll ich viele Taschen haben, die nur eine Saison cool sind? Stattdessen lieber eine gebrauchte Markentasche.“ Ihre Kundinnen: Von 16 Jahre alten Mädchen, die mit ihrer Mutter kommen, bis zu 80-jährigen Damen, die „nicht die reichsten Frauen auf dem Friedhof sein wollen“. Knapp die Hälfte der Kunden sind aber Männer, die für ihre Frauen etwas schönes kaufen wollen.

Von Karina Hörmann